Ungespritzt: Zwischen der Ernte des Mais und der neuen Aussaat werden auf dem Feld verschiedene Wildpflanzen gesät, wie Senf. Das Wurzelgewächs Quecke ist derzeit nicht zu erkennen, daher wird Peter Aschof vermutlich keine Glyphosat spritzen. Fotos: Tessa Rinkes - © Tessa Rinkes
Ungespritzt: Zwischen der Ernte des Mais und der neuen Aussaat werden auf dem Feld verschiedene Wildpflanzen gesät, wie Senf. Das Wurzelgewächs Quecke ist derzeit nicht zu erkennen, daher wird Peter Aschof vermutlich keine Glyphosat spritzen. Fotos: Tessa Rinkes | © Tessa Rinkes

Schloß Holte-Stukenbrock/Oerlinghausen Umstrittenes Unkrautvernichtungsmittel: Städte nutzen Glyphosat-Alternativen

Obwohl Glyphosat weiter verwendet werden darf, setzten Kommunen auf umweltschonendere Methoden. Für Landwirte sind jedoch solche Möglichkeiten kaum geeignet

Tessa Rinkes

Schloß Holte-Stukenbrock. Glyphosat belastet die Umwelt und steht in Verdacht krebserregend zu sein, was laut Bundesinstitut jedoch nicht bewiesen ist. Trotzdem darf es weiter verwendet werden. Während die Kommunen und Kreise weitestgehend Alternativen zum Glyphosat einsetzten, halten Landwirte ein komplettes Verbot für ihre Betriebe für fatal. Die Städte Schloß Holte-Stukenbrock, Oerlinghausen und Leopoldshöhe, bestätigen, dass bereits seit mehreren Jahren keine Pestizide auf öffentlichen Flächen eingesetzten werden, um die Umwelt zu schonen. Mit Stahlbesen sowie Heißdampf und Heißschaum werden die Wege und Schulhöfe in Schloß Holte Stukenbrock vom Unkraut befreit. „Die beiden thermischen Verfahren erzeugen Hitze, so dass die Pflanzen eingehen", erklärt Michael Ottenstroer von der Stadt. Nur zum Stahlbesen greifen die Mitarbeiter der Stadt Oerlinghausen, um das ungeliebte „Grün" zu vertreiben. Der Rat hatte bereits vor einigen Jahren beschlossen, dass die Stadt keine Pestizide einsetzen darf. "Eingeschränkter Gebrauch für Bauern unumgänglich" In Leopoldshöhe halten nicht nur die Mitarbeiter die Grünflächen und Wege sauber. „Auch gemeinnützige Arbeiter werden zum Unkrauthacken eingesetzt", sagt der Leiter des Bauhofes, Andreas Glatthor, um den höheren Arbeitsaufwand zu kompensieren. Schließlich diene es dem Allgemeinwohl. Geeignete Alternativen zu Glyphosat bei der Unkrautvernichtung sieht der Landwirt und Angehörigem des Kreisvorstand Gütersloh des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Peter Aschof aus Stukenbrock, derzeit nicht. „Auf landwirtschaftlichen Ackern ist Glyphosat zum Vernichten des Unkrautes zwischen der Ernte und der Aussaat unumgänglich." Anstatt Glyphosat generell zu verbieten, findet der Stukenbrocker Einschränkungen im Gebrauch des Pestizides richtig. „Glyphosat ist in Verruf geraten, weil es vor der Ernte von Getreide zur Arbeitserleichterung eingesetzt werden kann." Schadstoffe würden somit über das Essen von Menschen aufgenommen werden. Diese Verfahren kritisiert Aschof und kennt auch keinen Landwirt im Kreis, der das Verfahren eingesetzt. Vielmehr werde Glyphosat, das jegliche Pflanzen vernichtet, etwa sechs Wochen vor der Aussaat auf brachliegenden Feldern verwendet. Und zwar aus einem Grund: „Um die widerspenstigen Gräser, wie die Quecke, zu vernichten", erklärt Aschof, der das Pestizid auf diese Weise etwa alle vier Jahre auf seinen Feldern verwendet. Andere Pestizide seien nicht so effektiv. „Und man weiß nicht, welche Auswirkungen die auf die Umwelt und Menschen haben." Die andere Alternative, das Hacken des Unkrauts, sei auch nicht ganz umweltbewusst, so Aschof: „Alle acht Tage müsste ein Feld bearbeitet werden. Und die Traktoren setzen auch viele Schadstoffe frei." Zudem sei der Boden der Senne sehr schlecht, „weil er sehr trocken, sandig und mit wenigen Nährstoffen versehen ist". Ein biologischer Betrieb ohne Dünger und Pestizide sei daher zur landwirtschaftlichen Versorgung der Bevölkerung kaum möglich. Der geringere Ertrag müsste mit Importen ausgeglichen werden. Darauf will Aschof, der Erdbeeren und Spargel anbaut und diese an kleine Supermärkte in der Stadt abgibt, nicht setzen: „Ich weiß nicht, wie in Osteuropa Glyphosat und andere Pestizide genutzt werden. Die Auflagen sind dort nicht so streng wie in Deutschland." Im Übrigen dürfe im Kreis Lippe auf landwirtschaftlichen Ackerflächen, die sich auch in Naturschutzgebieten befinden, Glyphosat versprüht werden, „da es zur ordnungsgemäßen landwirtschaftlichen Nutzung gehört", erklärt Manfred Zimmermann vom Kreis. Nur auf verpachteten Grünflächen darf es nicht benutzt werden.

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