Erinerung: Dorothee Kipp, die mit ihrer Mutter Susanne Lepper die Geschäfte von Le.Picant an der Industriestraße führt, zeigt vor dem Firmengebäude die alte Aufnahme des Bruckmannschen Sahnefiletherings in der Ovalschale, der lange Zeit der absolute Verkaufsschlager gewesen ist. - © Karin Prignitz
Erinerung: Dorothee Kipp, die mit ihrer Mutter Susanne Lepper die Geschäfte von Le.Picant an der Industriestraße führt, zeigt vor dem Firmengebäude die alte Aufnahme des Bruckmannschen Sahnefiletherings in der Ovalschale, der lange Zeit der absolute Verkaufsschlager gewesen ist. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Feinkostfirma mit Gespür für den Geschmack der Zeit

Gedächtnis der Stadt (45): Mit Fisch hat alles angefangen. Sahnehering in der Ovalschale ist der Renner gewesen. Ihn gibt es heute noch, aber er hat erheblichen Produktzuwachs bekommen

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Manch einer dürfte beim Lesen des heutigen Serienteils auf den Geschmack kommen. Denn es geht um die Herstellung von Mayonnaisen, Remouladen, Ketchups, Würzsaucen, Dressings, Dips und Feinkostsalaten. 1. JANUAR 1966 Eugen Zeitter, der bereits die Nadler-Werke in Sennestadt aufgebaut hat und dort Geschäftsführer ist, wagt den Schritt in die Selbstständigkeit und gründet die Bruckmann Feinkost-KG am Standort Stukenbrock. Bereits im Vorfeld hatte sich Zeitter auf die Suche nach einem Kommanditisten gemacht und ihn in Köln mit der Firma Bruckmann gefunden. Eugen Zeitter und Rudolf Bruckmann verstanden sich. Beide brachten ihre Erfahrungen in das neue Unternehmen ein. „Bruckmann gab es bereits seit dem Jahr 1932“, berichtet Eugen Zeitters Enkelin Dorothee Kipp. Seit dem Jahr 2012 führt sie gemeinsam mit ihrer Mutter Susanne Lepper, der Tochter des Firmengründers, und Bernd Schoenfelder die Geschäfte des Feinkostunternehmens „Le Picant“ an der Industriestraße 4. Bruckmann war bekannt als Fischfabrik. Auch weitab der Küste traf dieses Angebot ganz offensichtlich den Geschmack der Zeit. „Der Bruckmann Sahnefilethering in der Ovalschale war der absolute Renner“, erinnert sich Dorothee Kipp. Rund 50 Tonnen Heringe pro Woche seien seinerzeit in der Stukenbrocker Produktionshalle verarbeitet und Heringe dort auch gebraten worden. Eugen Zeitter baute das Unternehmen im Laufe der Jahre schrittweise aus. Neue Produkte wurden erprobt und getestet, Partnerschaften mit Zulieferern und dem Handel erweitert.„Rapsöl war der Hauptbestandteil“ „In der Anfangszeit gab es eine andere Gewichtung“, erzählt Dorothee Kipp von Mayonnaise und Remouladen als stärksten Artikeln. „Rapsöl war der Hauptbestandteil.“ 30 bis 40 Tonnen pro Monat seien verarbeitet worden, „heute sind es bis zu 50 Tonnen in der Woche“. Im Sortiment finden sich außerdem verschiedenste Feinkostsalate. „Früher“, bestätigt Dorothee Kipp, sei ausschließlich unter dem Namen Bruckmann produziert worden, „heute gibt es viele Eigenmarken“. Aktuell würden etwa 70 Prozent der Artikel unter dem Namen „Le Picant“ angeboten, 30 Prozent als Handelsmarken. Als Eugen Zeitter im Jahr 1990 starb, kaufte seine Tochter Susanne Lepper dem Kölner Partner im Jahr darauf dessen Anteile ab. Die Firma wurde unter dem Namen „Le Picant“ (Lepper Picant) neu gegründet. Das Logo ziert seither bewusst die Farben der französischen Trikolore, denn Picant steht für den internationalen Touch der Feinkost „made in SHS“. Ein damals mutiger Schritt, denn der Einzelhandel bezog weiterhin die bekannten Bruckmann-Waren. Zudem blieb Susanne Lepper und Prokurist Bernd Schoenfelder nur ein kurzer Zeitraum, um einen neuen Namen zu finden und ein Logo zu kreieren, vor allem aber die Kunden zu überzeugen."Alle sind uns treu geblieben“ „Weder das Know-how noch die Produkte oder die Logistik hatten sich verändert“, so verweist Dorothee Kipp auf gleichbleibende Bedingungen. Auch der eigene Fuhrpark blieb, „aber es stand ein anderer Name drauf“. Also warb „Le Picant“ bewusst um die Großkunden, die die Qualität zu schätzen wussten. „Alle sind uns treu geblieben’“, sagt Dorothee Kipp rückblickend und mit Stolz. 95 Prozent der Kundschaft bestehe heute im Fachgroßhandel, auch die Gastronomie werde weiter beliefert. Erfolgreich ist das Unternehmen vor allem mit Mayonnaisen und Remouladen. Seit dem Jahr 2002 gibt es keinen eigenen Fuhrpark mehr. Die Lieferungen übernimmt seither eine Spedition, denn Schnelligkeit und Qualität sind entscheidende Faktoren. Produziert aber wird nach wie vor selbst und vor Ort. »Alles, was wir verkaufen, wird selbst hergestellt« „Alles, was wir verkaufen, wird selbst hergestellt“, betont Dorothee Kipp, die auch auf eigene Produktentwicklungen und ein Produktlabor im Unternehmen hinweist. Der letzte große Umbau erfolgte in den Jahren 2007 bis 2010. „Das war nötig, wir platzten aus allen Nähten.“ Derzeit werden im Unternehmen rund 150 Produkte hergestellt. Dazu gehören mittlerweile auch Frischedressings, die zu Bruckmann-Zeiten noch nicht im Sortiment waren. Das vielfach ausgezeichnete Unternehmen hat sich zertifizieren lassen und überarbeitet seine Rezepturen kontinuierlich, um den aktuellen Ernährungstrends gerecht zu werden. „Dazu“, sagt Dorothee Kipp, „gehören viele fett- und zuckerreduzierte Produkte.“ Im Jahr 2016 feierte der Betrieb 50 Jahre Feinkostherstellung und 25 Jahre Le Picant. Derzeit sind arbeiten rund 50 Mitarbeiter für das Traditionsunternehmen in Schloß Holte-Stukenbrock.

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