Trommelröster: Er ist das Herzstück des Röstwerks. Davor steht ein Jutesack mit Kaffeebohnen. Olliver Hermey hat sich an einer speziellen Schule ausbilden lassen. Seine Frau Stephanie unterstützt ihn. - © Karin Prignitz
Trommelröster: Er ist das Herzstück des Röstwerks. Davor steht ein Jutesack mit Kaffeebohnen. Olliver Hermey hat sich an einer speziellen Schule ausbilden lassen. Seine Frau Stephanie unterstützt ihn. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock SHS hat jetzt eine Kaffeerösterei

Neuheit: Olliver Hermey eröffnet eine Kaffeerösterei an der Beckersheide in Sende. Die Kaffeenamen haben einen Bezug zur Stadt

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. "Genießer haben mehr vom Leben", steht auf einem kleinen Schild im "Röstwerk SHS". Olliver Hermey ist ein solcher Feinschmecker, und er hat die Lizenz zum Rösten. Mehr als drei Jahrzehnte lang hat Olliver Hermey in der Druckbranche gearbeitet, ehe er den Schritt in die Selbständigkeit wagte. Vorher, bei den Verhandlungen mit Kunden, gehörte Kaffee dazu und dem 51-Jährigen fiel auf, dass die Gespräche bei guter Kaffeequalität in entspannterer Atmosphäre verliefen. "Da gab es viele einschneidende Erlebnisse", bestätigt Hermey. Er beschäftigte sich umso intensiver mit dem Thema und fällte um die Jahreswende herum die Entscheidung, sein Hobby zum Beruf zu machen. Auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten wurden Olliver Hermey und seine Frau Stephanie im Gewerbegebiet an der Beckersheide in Sende fündig. Die Holzoptik sprach beide an, und auf der überschaubaren Fläche von 60 Quadratmetern für Rösterei, Verkauf und Lager haben die Kunden die Möglichkeit, mittendrin zu sein. Kaffeesäcke stehen dort neben einem imposanten Trommelröster, dem Herzstück des Ladens. Die Produkte sind in stylische Holzkisten aus dem alten Land sortiert. "Ein Espresso wird anders geröstet, als ein Crema", erläutert Olliver Hermey. Auf dem Tisch stehen Schälchen mit hellen und dunklen Kaffeebohnen. Hermey erzählt vom sogenannten Crack, dem Platzen der Bohnen. Jede Geschmacksnuance habe mit der Röstkurve zu tun. Mal erfolgen die Temperaturanstiege in kurzen, mal in längeren Intervallen,"je nach Kaffee". Jeder Röstmeister habe seine eigene Kurve.Jeden Samstag wird frisch geröstet 80-prozentige Arabica-Bohnen aus Brasilien etwa, "fahre ich in den zweiten Crack hinein", beschreibt Hermey das damit verbundene Aufplatzen der Naht, das Knistern im Kühlsieb. "Eine faszinierende Welt für sich." Jeden Samstag wird frisch geröstet und bei Bedarf. "Ich entwickle und konzipiere alles selbst", betont der sympathische Bartträger, "und ich weiß, von welcher Farm der handgepflückte Kaffee kommt." Hermey, der in Schloß Holte-Stukenbrock aufgewachsen ist, ist aufgefallen, "dass die Menschen seit einigen Jahren wieder bewusster konsumieren". So, wie Heidi Ticky aus Stukenbrock. Die Krankenschwester hat sich schon lange eine Rösterei in der Stadt gewünscht. "Ich trinke gerne guten Kaffee, werde aber in Geschäften oft nicht fündig", erzählt die 56-Jährige. Eine gute Tasse mit duftendem Kaffee, die nimmt sie zum Start des Tages sogar mit ins Bad. "Für mich", beschreibt Heidi Ticky, "ist das Wellness." Von Olliver Hermey lässt sie sich die Unterschiede der von ihm angebotenen sechs Kaffeesorten erklären. "Emscrema" heißen sie, "Emspresso" classic und medium, "Emsfitness", "Emsfilter" und "Emsfilter Äthiopien". "Wir wollten einen regionalen Bezug herstellen", berichtet Stephanie Hermey. "Schließlich entspringt die Ems hier." Da passe das doch wunderbar. Sein großes Kaffeewissen hat Olliver Hermey sich unter anderem in der "Berlin School of Coffee" angeeignet. Dort lernte er auch organisatorische und rechtliche Dinge und er erfuhr, dass die Kaffeerösterei als Zolllager angemeldet werden muss, denn pro Kilogramm Kaffee sind 2,19 Euro Röstkaffeesteuer fällig. Sieben Prozent Mehrwertsteuer entfallen auf die Verpackung. Wenn man sich die Preise in den Supermärkten anschaue, könne man sich vorstellen, wie wenig da für die Bauern übrigbleibe. Hermeys Kaffeebohnen sind zwar nicht "fair gehandelt", er legt aber großen Wert darauf, dass seine Kaffeehändler aus Hamburg ausschließlich bei Erzeugern in Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien kaufen, die wirklich fair entlohnt werden.Die Öffnungszeiten Stephanie Hermey hilft ihrem Mann bei den Vorbereitungen und an Samstagen im Geschäft. Die Öffnungszeiten an der Beckersheide 17 sind montags, dienstags und donnerstags von 13 bis 18 Uhr sowie mittwochs und freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 14 Uhr. (kap)

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