Mehrere Kilogramm Sprengstoff: Vom kleinen Knallfrosch bis zum 190-Euro-Verbundbatteriefeuerwerk haben die Marktkaufmitarbeiter Sertac Cekic (l.) und Thomas Vogel im Angebot. Der Trend gehe eindeutig zu Batteriefeuerwerken. - © Foto: Sigurd Gringel
Mehrere Kilogramm Sprengstoff: Vom kleinen Knallfrosch bis zum 190-Euro-Verbundbatteriefeuerwerk haben die Marktkaufmitarbeiter Sertac Cekic (l.) und Thomas Vogel im Angebot. Der Trend gehe eindeutig zu Batteriefeuerwerken. | © Foto: Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock Kunden greifen zu Leuchtfeuerwerken

Silvester: Im Marktkauf dürfen bis zu 70 Kilogramm Sprengstoff im Verkaufsraum liegen. Zum Bleigießen gibt es eine umweltfreundliche Alternative. Tierärztin Marianne Nieder sagt, was Tierbesitzer beachten sollten

Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock. Der Trend geht eindeutig weg von Böllern, die einfach nur laut knallen, hin zu Leuchtfeuerwerken. Das bestätigen Thomas Vogel und Sertac Cekic vom Marktkaufteam in Schloß Holte-Stukenbrock. Sie sind in dem Geschäft für den Verkauf der Feuerwerkskörper zuständig, der noch bis heute erlaubt ist. Auch einzelne Raketen, aber verstärkt ganze Batterien oder sogar mehrere Batterien im Verbund packen die Kunden ein. Der Vorteil daran: Einmal gezündet, brennt das Feuerwerk von allein ab. Für die Lagerung und den Verkauf von Feuerwerkskörpern gibt es Auflagen. Die Ware muss im Lager brandsicher verstaut sein, im Verkaufsraum dürfen maximal 70 Kilogramm Sprengstoff liegen. „So viel liegt bei uns gar nicht", sagt Sertac Cekic. Mitarbeiter der Bezirksregierung kontrollieren unangemeldet die Lagerung, aber auch Fluchtwege und Brandschutzmaßnahmen. Und natürlich die Zertifikate der Feuerwerkskörper. Die müssen eine Registriernummer und ein CE-Zeichen aufweisen. Bei gravierenden Verstößen droht den Händlern ein Bußgeld. Die Bezirksregierung weist darauf hin, dass in der Silvesternacht ein Sicherheitsabstand von acht Metern zu den gezündeten Feuerwerkskörpern eingehalten werden sollte. Bleigießen ist inzwischen ein Ladenhüter Das mächtigste Leuchtfeuerwerk, das der Marktkauf im Angebot hat, schießt etwa 100 Einzelraketen mit 1,8 Kilogramm Sprengstoff in die Luft und kostet 190 Euro. „Davon haben wir aber nur drei oder vier Stück", sagt Sertac Cekic. Die werden in der Regel aber auch verkauft. Zum Ladenhüter entwickelt sich das alternative Bleigießen. Statt Blei können die Menschen ein umweltfreundlicheres Wachs-Set kaufen. Doch das Resultat lasse zu wünschen übrig, sagt Sertac Cekic. Aber generell sei der Trend des Bleigießens längst vorbei, ergänzt Thomas Vogel. Die meisten Kunden wünschen keine Beratung. Manche kennen sich auch selbst gut aus. Wie Sebastian Herzmann. Er besitzt als Kfz-Mechaniker einen Sprengstoffschein, den benötigt er im Umgang mit den explosiven Airbag-Systemen. In seinem Einkaufswagen stapeln sich fast 60 Raketen. Die will er mit einem Brückenzünder zusammenschließen und dann per Fernbedienung auslösen. Das mache er nicht jedes Jahr, aber wenn, dann legt er Wert auf zertifizierte Ware. Von Knallerangeboten aus dubiosen Internetquellen rät er ab. Eigentlich sollten Menschen, die Raketen zünden, nicht mit dem Feuerzeug direkt an die Lunte, sondern einen langen Glimmstab verwenden. Seiner Tochter stülpt Sebastian Herzmann einen – ebenfalls zertifizierten – Ohrenschutz über. Mit Tieren durch die Silvesternacht Die Lautstärke kann auch für Tiere problematisch werden und sie im schlimmsten Fall so in Panik versetzen, dass sie ausbüchsen. Das erlebt Bettina Peters von der Kleintierarztpraxis Marianne Nieder jährlich. „Wir sind immer wieder schockiert, wie viele Tiere abhauen." Nicht alle werden gefunden. Freigänger-Katzen sollten daher frühzeitig eingesperrt und der Hundespaziergang vorverlegt werden. Wie ein Tier reagiert, sei schwer vorherzusagen. „Von leichter Unruhe bis hin zu echter Panik sind die Reaktionen unserer Haustiere sehr verschieden", ergänzt Tierärztin Marianne Nieder. In vielen Fällen reichen einfache Verhaltenstipps am Silvesterabend: Zum Beispiel Fenster und Türen geschlossen zu halten und eine kuschelige Rückzugsmöglichkeit für das Haustier anzubieten. Manchmal sei es auch sinnvoll, die Vorhänge zuzuziehen, um die visuellen Reize auszublenden. Völlige Ruhe sei falsch. „Tiere hören fünf- bis siebenmal besser als der Mensch. Dem Knallen und Zischen der Böller und Raketen können sie somit an kaum einem Ort der Region vollkommen entgehen", sagt Marianne Nieder. Sie rät stattdessen zu einem gleichbleibenden Geräuschpegel, zum Beispiel durch das Hören mittellauter Musik. Und Beschäftigung. „Lenken Sie Ihr Tier durch Streicheln, Spielen oder ein besonderes Leckerchen ab und achten Sie darauf, seine Angst nicht durch eigenes Unwohlsein zu verstärken." Bei sehr ängstlichen Tieren kann unter Umständen auch eine Unterstützung durch Medikamente ratsam sein. Viele Anwendungen müssen allerdings Wochen im Vorfeld gemacht werden. Auf keinen Fall dürfen reine „Sedativa", also ruhigstellen Medikamente ohne angstlösende Wirkung, zum Einsatz kommen. Marianne Nieder: „Ein so ruhiggestelltes Tier leidet unvermindert weiter, es kann seine Angst nur nicht mehr zeigen"

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