Die Preisträger: Fast 30 Akteure des 3-Schulen-Theaters haben den FDP-Bürgerpreis entgegengenommen. Und sinnbildlich die berühmten Affen. Demokrat Ramadani (vorne) und die Jugendlichen agieren ebenso. Nicht sehen, nicht hören und nicht sprechen. Fotos: Karin Prignitz - © Karin Prignitz
Die Preisträger: Fast 30 Akteure des 3-Schulen-Theaters haben den FDP-Bürgerpreis entgegengenommen. Und sinnbildlich die berühmten Affen. Demokrat Ramadani (vorne) und die Jugendlichen agieren ebenso. Nicht sehen, nicht hören und nicht sprechen. Fotos: Karin Prignitz | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock 3-Schulen-Theater erhält den Bürgerpreis

FDP-Neujahrsempfang: Im Mittelpunkt steht eine Reihe "dreister" Jugendlicher unterschiedlicher Herkunft. Sie legen den Finger bewusst in die Wunde und träumen von einem eigenen Theaterhaus in der Stadt

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Zum zehnten Mal haben die Freien Demokraten ihren Bürgerpreis vergeben. Wie bereits in allen Vorjahren wurde das Geheimnis, welche Person oder Gruppe für ihr besonderes ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet wird, erst bei der offiziellen Verleihung gelüftet. Den FDP-Bürgerpreis 2017 erhält eine Gruppe, die einen auf den ersten Blick durchaus ungewöhnlichen Namen trägt: "3ST", gesprochen "dreist". Hinter der Abkürzung verbirgt sich das "Drei-Schulen-Theater" um Demokrat Ramadani. Ulla Lehmann, die am gestrigen Sonntagnachmittag für den erkrankten FDP-Stadtverbands-Vorsitzenden Gerhard Blumenthal eingesprungen war, hatte im Duden nachgeschaut. "Dreist bedeutet frech, unverschämt, recht ungeniert und ohne Hemmungen sich etwas herausnehmend." Natürlich lasse sich das nicht eins zu eins auf das 3-Schulen-Theater übertragen. Aber: "3ST will provozieren, aufwühlen, aufmerksam machen, aus der Wohlfühlzone heraus holen, aktivieren und die Hand in die Wunde legen." Das alles könne man nur, sagte Ulla Lehmann, "wenn man dreist ist". »Das 3-Schulen-Theater will provozieren und aufwühlen« Ursprünglich geht das 3-Schulen-Theater auf die drei Typen der weiterführenden Schulen in Schloß Holte-Stukenbrock zurück. "Jetzt sind es vier, demnächst nur noch zwei." Der Name aber soll bleiben. In den vergangenen drei Jahren hatten Jugendliche von Hauptschule, Realschule und Gymnasium zusammen mit den ausgebildeten Theaterpädagogen Canip Gündogdu, Daniel Scholz und Demokrat Ramadani je ein Theaterstück erarbeitet, das heißt selbst geplant, geschrieben, geprobt und aufgeführt. "Alle drei", sagte Ulla Lehmann, "sind mir durch starke Bilder und Aussagen im Gedächtnis geblieben." Als zentrale Person hob die Laudatorin Demokrat Ramadani hervor. Erste Erfahrungen habe er in der Theater-AG von Angela Weber an der Hauptschule und beim SJC Hövelriege gesammelt. Während seiner Zeit beim Jugendparlament wurde im Jahr 2009 das schulübergreifende "Jugendtheater SHS" gegründet. 2013 wurde die Gruppe in "3ST" umbenannt. Im Frühjahr 2014 wurde das Stück "Gefangen - Erinnerungen an eine Zeit vor meiner Zeit" in der Realschule aufgeführt. Im Mittelpunkt stand das Lagerleben im Stalag 326. "18" hieß die Theateraufführung in der Versöhnungskirche ein Jahr später. Hier wurden die Themen Angst, Verfolgung, Krieg und Krankheit thematisiert. Im Frühjahr 2016 kämpften im großen Sitzungssaal des Rathauses  Plebejer gegen Patrizier um die Stimmen des Volkes. "Dieses Stück war die Abschlussarbeit nach zweieinhalbjähriger pädagogischer Ausbildung von Demokrat Ramadani", berichtete Ulla Lehmann. "Er hat sie mit Auszeichnung bestanden." Das 3-Schulen-Theater sei schon deshalb etwas Besonderes, "weil es seine Stücke auf den Ort herunterbricht". 3ST spielt gegen das nicht Sehen, nicht Hören und nicht darüber Sprechen wollen. Deshalb liege es nahe, den Mitgliedern die berühmten drei Affen als Symbol zu überreichen. Eigentlich gehörten noch zwei weitere Affen hinzu: "Der des nicht Vergessens und der des nicht Denkens." Derzeit probt das "3ST" für ein neues Stück. Aufgeführt werden soll es im Juni. Demokrat Ramadani dankte im Namen der vielen Akteure. "Wir sind uns bewusst, dass wir uns mit diesem Preis gewissermaßen politisch vereinnahmen lassen, hoffen allerdings, dass sich andere Parteien dadurch motiviert fühlen." Auch die Stadt und Privatleute seien als Förderer sehr willkommen. Das 3-Schulen-Theater sei auf einem guten Weg. "Wir träumen schon von einem eigenen Theaterhaus in SHS." 300 Euro Preisgeld könnten ein Anfang sein. Der 27-Jährige erinnerte an die Anfänge und hob insbesondere die beiden Pädagoginnen Daniela Hartmann und Claudia Brhel hervor. Sie seien von Beginn an "die guten Seelen im Hintergrund". Ulla Lehmann sprach von einem "enormen Schatz an ehrenamtlich tätigen Menschen in SHS. Diese Menschen arbeiten nicht, um sich zu profilieren oder einen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen. Sie tun es schlicht, weil sie für ihren konkreten Bereich erkannt haben, dass angepackt werden muss."

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