Neujahrsschwimmen in Schloß Holte-Stukenbrock: Das Wasser war 3,9 Grad kalt. - © Andreas Zobe
Neujahrsschwimmen in Schloß Holte-Stukenbrock: Das Wasser war 3,9 Grad kalt. | © Andreas Zobe

Schloß Holte-Stukenbrock Neujahrsschwimmen im eiskalten Sennesee

Veranstalter DLRG Schloß Holte-Stukenbrock verzeichnet einen Teilnehmerrekord am Sennesee. Drei Extremsportler halten es mehr als zehn Minuten im 3,9 Grad kalten Wasser aus

Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock. 3,9 Grad Celsius zeigt das Thermometer an. Das Wasser des Sennesees ist kälter als im Vorjahr. Damals waren es 7,5. "Man spürt jedes Grad", sagt Simone Gräff aus Schloß Holte und nickt dabei wissend mit dem Kopf. Sie ist Mitglied des Veranstalters des Neujahrsschwimmen, der DLRG Schloß Holte-Stukenbrock, und so oft dabei wie kaum ein anderer Teilnehmer. Nur einmal musste sie aussetzen. Sie ist als erste im Wasser und als letzte wieder raus. Ein paar Minuten, länger halten es nur die Extremsportler Thomas Fleiter, Carsten Hilker und Bruno Dobelmann aus. Die drei schwimmen eine Runde durch den See, begleitet von Markus Hano im Trockenanzug und mit Hilfsantrieb - zur Sicherheit. Nach zehn Minuten und 19,84 Sekunden betreten die drei wieder das Ufer, ihre Hauttemperatur ist auf unter zehn Grad gesunken. Simone Gräff hat da längst ihren rosa Bademantel übergestreift - ihre Haut hat die selbe Farbe angenommen. "Hauptsache warme Füße", sagt sie. Im Wasser trägt sie Neoprensocken und Wasserschuhe. Dazu ihren Badeanzug und eine Mütze. "Mit der Mütze ist es etwas angenehmer", sagt sie. Denn bekanntlich gibt der Körper einen Großteil seiner Wärme über den Kopf ab. Und das Gefühl im eiskalten Wasser? "Im ersten Moment Schnappatmung - dann geht es." Wieder draußen verspürt sie kein Zittern, aber ein angenehmes "Britzeln" auf der Haut. Obwohl das Wasser an diesem Neujahrstag kälter war als in den Vorjahren, kamen so viele zum Sennesee wie noch nie. 47 Mutige waren diesmal im Wasser, mindestens weitere 50 haben zugesehen. Jeder, der sich ins Wasser traut, bekommt das Abzeichen "Eispferdchen". Zwölfmal verteilt Organisator Thomas Jurkschat an diesem Nachmittag das Abzeichen in Bronze, das erhalten Teilnehmer, die mindestens dreimal dabei sind. Wegen des Besucherandrangs findet das eiskalte Spektakel eine Bucht weiter statt, der Platz der Vorjahre ist zu stark zugewachsen. Die Neulinge haben sich zum Teil spontan entschieden, mitzumachen. Viele haben das Porträt über Thomas Fleiter in der NW gelesen und sind auf den Geschmack gekommen. Moritz Halstrick aus Stukenbrock erst am Neujahrsmorgen. Gleich zweimal ist er in den See gestiegen, das zweite Mal für das Erinnerungsfoto. "Zu Hause schmeißen wir den Ofen an", sagt Mutter Gabi. Ute Peters aus Schloß Holte findet ihr erstes Mal "total Klasse". Sie härtet sich mit Sauna und Spaziergängen bei jedem Wetter ab. 30 Sekunden will sie es ausgehalten haben - dann wurden die Füße kalt. Anschließend steht sie mit ihrer Familie noch auf dem Reiterhof Hachmann, dem der See gehört, und schlürft genüsslich einen heißen Kakao. Die Wangen leuchten rot. Älteste Teilnehmerin ist wieder Inge Reichelt (zum vierten Mal) aus Schloß Holte mit 82 Jahren. Sie hat ihre Enkelin Mona Wördehoff und ihren Enkel Nils mitgebracht. Jüngster ist offiziell der zehnjährige Robin Balsliemke aus Sende. Zweimal hat er bereits zugesehen, jetzt will er auch ins Wasser. Schwimmerfahrung hat Robin als Mitglied des DLRG Schloß Holte-Stukenbrock. Hermann Niendorf aus Stukenbrock-Senne ist noch zwei Jahre jünger, doch für ihn ist in Hüfthöhe Schluss. Aber immerhin. Extremsportler Thomas Fleiter ist mit seinen zehn Minuten sehr zufrieden. "Gleich kommt das große Zittern", sagt er, während er seine trockene Kleidung zusammensucht.

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