Gelungen: Für ihr Fahrradprojekt erhalten die Realschüler den Preis "Roter Ritter" der Kinder-Unfallhilfe. Die Schüler haben gemeinsam mit der Polizei zwei Dutzend Geflüchteten Verkehrsregeln beigebracht. In Somalia dürfen Frauen nicht Radfahren. - © Sigurd Gringel
Gelungen: Für ihr Fahrradprojekt erhalten die Realschüler den Preis "Roter Ritter" der Kinder-Unfallhilfe. Die Schüler haben gemeinsam mit der Polizei zwei Dutzend Geflüchteten Verkehrsregeln beigebracht. In Somalia dürfen Frauen nicht Radfahren. | © Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock Realschule erhält den Preis "Roter Ritter" in Berlin

Den Preis erhält die Schule für ein Radfahrprojekt mit Geflüchteten

Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock. Die Realschule heimst den nächsten Preis ein: Heute nehmen die Lehrerinnen Daniela Hartmann und Angela Gerber in Berlin die Auszeichnung "Der Rote Rotter 2016" mitsamt 1.000 Euro Preisgeld für die Schule entgegen. Das Geld soll allen Schülern zugute kommen. Eine achteckige Rote-Ritter-Plakette, die wie ein Verkehrsschild aussieht, hängt bereits im Schulflur. Die gab es für ein Schulprojekt im Jahr 2014. Die Schüler haben sich damals Gedanken um die Verkehrssicherheit gemacht und allerhand Gegenstände mit Reflektoren ausgestattet: Armbänder, Schuhe, Regenschirme, Hundehalsbänder. In diesem Sommer haben die Schüler an den Schulprojekttagen zusammen mit den Bezirksbeamten der Polizei, Peter Grüne und Andre Benden, ein Fahrradtraining für Geflüchtete durchgeführt. Die Idee sei entstanden, sagt Lehrerin Daniela Hartmann, weil durch Beobachtungen im Straßenverkehr oder in Gesprächen mit geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen deutlich geworden sei, dass viele das Radfahren nicht sicher oder gar nicht beherrschen. Radfahren sei aber wichtig, weil die Entfernungen innerhalb der Stadt mitunter sehr groß sind und das ÖPNV-Netz "nicht sehr gut ausgebaut ist". Kindern und Jugendlichen werde so die Teilnahme am öffentlichen Leben der Stadt erschwert. Erfahrungen hatte die Schule mit unbegleiteten Jugendlichen, die damals im Haus Marienmünster in Liemke wohnten. Diese nahmen bereits an einem Sportprojekt und an Deutschkursen in der Realschule teil. Zunächst wurden sie mit dem Auto gefahren, dann fuhren sie selbst - mit Fahrrädern. Und das habe nicht immer einen sicheren Eindruck gemacht. Die Polizei habe in diesem Zusammenhang sogar das Wort "Kamikaze" verwendet, daran erinnert sich Lehrerin Angela Gerber genau. In Absprache mit der Flüchtlingsberaterin der Stadt, Maren Kerber, nahm auch eine Familie an dem Projekt teil und eine Ende 20-jährige Frau aus Somalia, die wohl noch niemals auf einem Fahrrad gesessen hatte. "In Somalia dürfen Frauen nicht Radfahren", sagt Angela Gerber. Das sei unter Strafe verboten. Die neu erlernte Fähigkeit, sagt die Lehrerin, vermittele der Frau ein Gefühl von Freiheit. Neben dem Geschick auf dem Rad ging es auch um das Erlernen der Verkehrsregeln. Dazu ging es auch in Kleingruppen auf die Straße. Unter den Augen der Polizei. "Für die Polizisten war es auch wichtig, sich in einer anderen Rolle zu zeigen", sagt Angela Gerber. Nicht als der bestrafende Staatsdiener, sondern als Freund und Helfer. Besondere Gefahrenschwerpunkte wurden angesteuert: Kreisverkehre oder Stellen, an denen rechts vor links gilt. Die Vorfahrtregeln seien für die Schüler aus aller Herren Länder am schwierigsten gewesen, sagt Lehrerin Daniela Hartmann. 23 Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 haben mitgemacht und 26 Geflüchtete. Die Schüler haben ein Video über das Projekt gedreht und es am Ende der Projekttage kurz vor den Sommerferien auf dem Pausenhof gezeigt. Der Verein "Kinder-Unfallhilfe", der den Preis auslobt, hat im Nachhinein ebenfalls einen Film in Schloß Holte-Stukenbrock produziert, der dem Publikum bei der Preisverleihung im Berliner Bundesverkehrsministerium vorgeführt wird. Die Lehrer und Konrektorin Kristina Gaede-Schröder können sich vorstellen, mit dem 1.000-Euro-Preisgeld wieder einen Tagesausflug für alle 307 Schüler zu veranstalten.

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