Rietberg "Da sträuben sich mir die Nackenhaare"

Zeuge wirft Peter K. nachträglichen Rufmord vor

Rietberg. Vier Zeugen wurden am sechsten Verhandlungstag im Prozess gegen den Rietberger Tanzlehrer Peter K. von der X. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichtes gehört. Und sämtliche Zeugen meldeten streckenweise erhebliche Zweifel an Ks. Darstellung an, dass er seiner Frau Marion L. im Dezember des vergangenen Jahres auf Verlangen das Leben genommen habe. Staatsanwalt Veit Walter wirft K. vor, seine Frau getötet und anschließend in der Garage des gemeinsamen Hauses einbetoniert zu haben.

Manfred L., Ex-Mann von Marion L. und Vater des ebenfalls schon vom Gericht als Zeugen gehörten gemeinsamen Sohnes André L., bezog eine glasklare Position. Und er machte dabei auch keinen Hehl daraus, dass er auf Peter K. nicht übermäßig gut zu sprechen ist. Schon als K. am 21. Dezember 2012 bei ihm und seiner Frau anrief und ihnen erzählte, dass Marion L. ihn wegen eines brasilianischen Arztes verlassen hätte, habe er Böses geahnt.

"Ich sagte zu meiner Frau: Hoffentlich hat er sie nicht umgebracht." In nicht minder schlimmerer Erinnerung sei ihm das gemeinsame Weihnachtsessen geblieben. "Diese Unverschämtheit", ereiferte sich L. "Er hätte da noch rissige Hände vom Betonmischen haben müssen." K. habe der Familie etwas vorgespielt und sogar noch seine Schwiegermutter am Weihnachtsbaum in den Arm genommen und: "Hoffentlich kommt sie gesund wieder" gesagt. "Da sträuben sich mir jetzt noch die Nackenhaare."

L. schloss aus, dass seine Ex-Frau lebensmüde war und wegen ihrer Krankengeschichte den Tod verlangt habe. Eher vermutet er, dass sie nach dem Eintritt in die Rente ihr Leben überdacht habe und sich von Peter K. trennen wollte. "Das denke ich auch heute noch", so L. "Für mich ist das nichts anderes als Mord."

Auch die Zeugen Peter R. und Jutta M. – ein gemeinsamer Freund und eine Urlaubsbekanntschaft – zweifelten daran, dass Marion L. sterben wollte. R. bezeichnete K. als "klugen Mann", der ihm aber trotz jahrelanger Bekanntschaft rätselhaft geblieben sei. Die Ausflüchte, die K. nach dem Verschwinden seiner Frau erzählte, seien ihm sofort suspekt vorgekommen – auch wenn K. mit gefälschten SMS und bei persönlichen Treffen sich bemüht habe, seine Geschichte aufrecht zu erhalten. K. schloss ebenfalls ein Töten auf Verlangen aus. auch er vermutet eine Beziehungstat. "Ich hoffe, dass Peter irgendwann die Kraft hat, die Wahrheit zu sagen", so K. "Sonst müssen wir alle mit diesem großen Fragezeichen leben."

Der ehemalige Arbeitgeber von Marion L., Detlef M., beschrieb die Getötete als lebensfrohe Frau, die ihren schweren Erkrankungen mit viel Energie getrotzt habe. Daher mache ihm die Behauptung, dass sie den Tod gewollt habe, zu schaffen. "Das ist nachträglicher Rufmord an der Persönlichkeit Marion L."

Damit wandte sich der Zeuge direkt an den Angeklagten. "Wie Sie, Herr K., so etwas der Frau antun können, mit der sie so lange zusammengelebt haben, ist mir unverständlich." Auch Ks. am ersten Prozesstag gefallene Äußerung, dass ein Zerwürfnis mit ihrem Sohn Marion L. den Lebensmut gekostet habe, bezeichnete er als "unvorstellbar". Es habe durchaus Enttäuschungen gegeben, die seien jedoch zwischen Eltern und Kindern im Abnabelungsprozess normal. "Sie war weiter eng mit ihm verbunden und freute sich auf Enkelkinder", sagt M. "Ihr Blick war in die Zukunft gerichtet."

Von Richterin Jutta Albrecht nach einem Motiv gefragt, vermutete der Zeuge einen finanziellen Hintergrund. "Ich habe mir in der Tat viele Gedanken gemacht. Ich kann mir nur einen Streit um Geld vorstellen." Peter Ks. Verteidiger, Holger Rostek, hakte nach: "Das ist aber nur ein Bauchgefühl?" M. bejahte dies: "Ich habe mich aber schon oft auf mein Bauchgefühl verlassen können."

Der Prozess wird fortgesetzt am Donnerstag, 7. November.

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