Sia Korthaus begeisterte das Publikum mit humoristischen Sturzflügen. - © FOTO: BIRGIT VREDENBURG
Sia Korthaus begeisterte das Publikum mit humoristischen Sturzflügen. | © FOTO: BIRGIT VREDENBURG

Rietberg Eheschließung im freien Fall

Sia Korthaus feiert im Rietberger Rundtheater eine kabarettistische Traumhochzeit

Rietberg. Männer, die sich für Frauenversteher halten, weil sie auf Frauenparkplätzen parken, Junggesellenabschiede, die schlimmer sind als Wurzelbehandlungen beim Dorfschmied, Brautsträuße, die im Kronleuchter hängen bleiben: Sia Korthaus kann von alledem ein Liedchen singen. Und das macht sie wirklich gut.

Mit ihrem Programm "VorLieben" hat die Kabarettistin, Sängerin und Schauspielerin in der Cultura am vergangenen Freitag etwa 200 Zuschauer begeistert.

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Temperamentvoll, wandlungsfähig, kess und unverfroren bohrte die 44-Jährige Blondine mit spitzer Zunge in den Abgründen der bayerisch-kölschen Hochzeitsgesellschaft ihrer Freundin Walli. Präsentierte mit viel Körpereinsatz und in immer neuen Outfits feinstes Kleinkunst-Comedy-Theater. Und das mit viel Sangeskunst und unter Hinzunahme einer beachtlichen Dialektpalette, die von den Alpen bis zur Waterkant reicht.
Noch im rosa Brautjungferkleid ("Als ob ich Jungfrau wär - ich bin Waage") erschien Sia Korthaus auf der Bühne und gestand: "Eigentlich hasse ich diesen Kunstfaserfummel. Fällt Glut drauf, beginnt meine persönliche Kernschmelze."

Die Trauung von Walli und Schnäppchen-Michi sei ohne besondere Vorkommnisse verlaufen – bis auf die Tatsache, dass der Standesbeamte nach der entscheidenden Frage gesagt hatte: "Hier antwortet man mit ja und nicht mit meinetwegen".

Empirisch gesehen gebe es eben wesentlich mehr Gründe sich scheiden zu lassen, als zu heiraten. So eine Hochzeit sei schließlich auch nicht ungefährlich.

In Australien etwa habe ein Paar während eines Fallschirmsprungs geheiratet und die Trauung quasi im freien Fall vollzogen. Dann habe jedoch der Schirm des Gatten geklemmt. Das Ende vom Lied: "Ledig abgesprungen, zwischendurch verheiratet, als Witwe gelandet".
Wirklich interessant an so einer Hochzeitsgesellschaft seien ja die Familien des Brautpaares. Die 92-jährige Oma Emmi etwa habe nie etwas anbrennen lassen und sei auch heute noch auf ihr Äußeres bedacht.
Wenn Hilde im Seniorenstift sage: "Emmi, dass du dich in deinem Alter noch traust, dich zu schminken", sei ihre Antwort "und dass du dich noch traust, Essen für morgen zu bestellen". Oma Emmi habe sich immer schon zu helfen gewusst, auch in schlechten Zeiten, als sie "in einem Schub total männlicher Synapsenverknüpfungen" Kondome aus alten Reifen von Wehrmachtsfahrzeugen selbst gebastelt hatte – was ja wegen des Profils gar nicht schlecht gewesen sein soll. Schon damals habe sie auf Anhieb Winter- von Sommerreifen unterscheiden können.

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