Ambitioniert: Der Masterplan verfolgt das Ziel, den Treibhausgas-Ausstoß von 8,3 auf 0,6 Tonnen pro Kopf zu senken. - © Birgit Vredenburg
Ambitioniert: Der Masterplan verfolgt das Ziel, den Treibhausgas-Ausstoß von 8,3 auf 0,6 Tonnen pro Kopf zu senken. | © Birgit Vredenburg

Rietberg Rietberger City-Outlet soll zum Klimaschutz beitragen

Kurios: Im "Masterplan 100 % Klimaschutz" spielt auch das City-Outlet eine Rolle, das eine Million zusätzliche Besucher in die Stadt bringen soll

Birgit Vredenburg

Rietberg. Die Treibhausgas-Emissionen in Rietberg bis 2050 um 95 Prozent reduzieren und den Energiebedarf um die Hälfte senken (ausgehend vom Basisjahr 1990) - diese Ziele hat der Umwelt- und Klimaausschuss jetzt mit dem einstimmigen Beschluss zur Umsetzung des "Masterplans 100 % Klimaschutz" auf den Weg gebracht. Das letzte Wort hat der Rat am 9. November. Dass in der Liste der bisherigen Aktivitäten der Stadt in den Bereichen Klimaschutz und Klimaanpassung auch das geplante City-Outlet-Center dargestellt ist, verwunderte Anneliese Schulte-Döinghaus (CDU): "Ist dieses Projekt mit einer Million zusätzlichen Besuchern pro Jahr nicht kontraproduktiv für die Ziele des Masterplans?" Projektleiterin Carolin Dietrich vom Beratungsbüro Energielenker aus Greven erklärte: "Auf der einen Seite werden zwar Fahrzeuge von außen einströmen, auf der anderen Seite haben die Rietberger dann alles vor Ort und müssen zum Einkaufen nicht mehr unbedingt in die Nachbarstädte fahren". In dem mehrere hundert Seiten starken Masterplan sind 45 Maßnahmen aufgelistet, von denen 31 kurz- und mittelfristig und 14 langfristig umgesetzt werden sollen. Kurzfristig auf den Weg gebracht werden sollen Maßnahmen wie der Ausbau der Ladestationen für Elektroautos, der Ersatz von Pkw-Fahrten durch Pedelec- beziehungsweise E-Bikes, die Stärkung der Mobilität von Kindern und Jugendlichen, die Durchführung von regelmäßigen Wärmebildkameraaktionen sowie die Gewinnung von Vereinen und Vereinsmitgliedern als Multiplikatoren. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob sich auf den drei geplanten Outlet-Neubauten am Nord- und Südtor Photovoltaikanlagen realisieren lassen. Eines der Sektorziele bis 2020 im Bereich der privaten Haushalte ist der Photovoltaikausbau zur Eigenstromnutzung um 25 Prozent - das entspricht tausend neuen Anlagen mit einer maximalen Leistung von 6.000 Kilowatt-Peak. "Für die Berechnung bis 2050 haben wir zudem angenommen, dass bis dahin eine Vollsanierung des gesamten Wohngebäudebestandes erfolgt", erläuterte Dietrich. Die Kommune könne inzwischen eine Vorbildfunktion wahrnehmen, indem sie Elektrofahrzeuge für den kommunalen Fuhrpark anschaffe, das Wärmenetz ausbaue und bis 2030 die Windenergiepotenziale ausschöpfe. Industrie ist der Hauptemittent von Treibhausgasen Im Sektor Verkehr solle ein Bewusstsein geschafft werden für die drei typischen Themen Vermeiden (Erhöhung der Pkw-Auslastung), Verlagern (ÖPNV, Rad- oder Fußverkehr) und Verbessern (Einsatz von Elektrofahrzeugen, die durch Ökostrom gespeist werden). Im Sektor Wirtschaft verfolgt der Masterplan das Ziel, die Effizienz durch kostenneutrale Energieeffizienz-Checks, die Abwärmenutzung, die Nutzung von Holzreststoffen und das Installieren von Kleinwindanlagen für die Erzeugung regenerativer Energie zu steigern. 2014 wurden im Stadtgebiet 770.759 Megawattstunden Endenergie verbraucht. Hauptverursacher der Treibhausgas-Emissionen ist die Industrie (52 Prozent), gefolgt von den Haushalten (26 Prozent) und dem Verkehr (16 Prozent). Bis 2030 soll der Treibhausgas-Ausstoß in Rietberg von 8,3 Tonnen pro Einwohner auf 4,5 und bis 2050 auf 0,6 Tonnen gesenkt werden. Erdgas, Biogase und Biomasse sollen bis 2050 durch Umweltwärme und insbesondere synthetisches Methan ersetzt werden. Zudem sieht das Konzept den vermehrten Einsatz von Sonnenkollektoren und Wärmenetze sowie das Ausschöpfen der Windenergiepotenziale bis 2030 vor. Im Masterplanszenario nimmt der Endenergiebedarf im Verkehrssektor bis 2050 um etwa 70 Prozent ab. Benzin und Diesel spielen als Kraftstoffe nur noch eine untergeordnete Rolle, da nun Strom als Kraftstoff mit einem Anteil von gut 66 Prozent dominiert.

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