Flüchtlingshilfe: Caritas-Vorstand Volker Brüggenjürgen, Marlies Trötzer (l.) und Agnieszka Kukielka haben jetzt im Sozialausschuss einen Zwischenbericht der Ehrenamtskoordination vorgestellt. - © Birgit Vredenurg
Flüchtlingshilfe: Caritas-Vorstand Volker Brüggenjürgen, Marlies Trötzer (l.) und Agnieszka Kukielka haben jetzt im Sozialausschuss einen Zwischenbericht der Ehrenamtskoordination vorgestellt. | © Birgit Vredenurg

Rietberg Flüchtlingsintegration in Rietberg: "Schnelle Erfolge sind nicht in Sicht"

Auf die Erstversorgung in der Anfangsphase folgt jetzt die Integration der Geflüchteten in die Gesellschaft – und damit der schwierigere Teil

Birgit Vredenburg

Rietberg. Vor einem Jahr hat der Rat der Stadt Rietberg den Caritasverband für den Kreis Gütersloh beauftragt, die Ehrenamtskoordination in der Flüchtlingshilfe zu übernehmen. Caritas-Vorstand Volker Brüggenjürgen und die Koordinatorinnen Marlies Trötzer und Agnieszka Kukielka, die ihre Arbeit am 1. November 2016 mit jeweils einer halben Stelle aufgenommen haben, präsentierten im Schul- und Sozialausschuss jetzt einen Zwischenbericht. Brüggenjürgen bezeichnete es als außerordentlich, „dass sich nach der anfänglichen Willkommenseuphorie und der gekippten Stimmung durch die Vorfälle in der Kölner Silvesternacht nach wie vor mehr als 150 Ehrenamtliche im Stadtgebiet intensiv und langfristig für die Integration von Flüchtlingen einsetzen". Die Anlaufstelle am Bolzenmarkt 2 werde sowohl von den Ehrenamtlern wie auch von den Flüchtlingen gut angenommen. Bis Jahresende kommen noch 30 Flüchtlinge „Unsere Ziele sind eine Verbesserung des Informationsstandes, die Vermittlung der sich ständig ändernden Rechtslage und des Behörden- und Hilfesystems", informierte Agnieszka Kukielka. „Wir haben festgestellt, dass jedes Problem ein Einzelfall ist und immer wieder individuelle Lösungen gefragt sind. Wir hängen uns rein, wenn die Ehrenamtlichen an ihre Grenzen stoßen und versuchen auch im Umgang mit den Behörden am Ball zu bleiben", ergänzte Marlies Trötzer. Brüggenjürgen kündigte für Rietberg bis Ende des Jahres die Zuweisung von 30 weiteren Flüchtlingen an. Mit Blick auf die Gesamtsituation in Europa sei es unrealistisch zu glauben, „dass man sich dauerhaft so abschotten kann, wie es im letzten Jahr passiert ist. Flüchtlinge werden es auch weiterhin bis nach Deutschland schaffen", prognostizierte Brüggenjürgen. Auch die Beschränkung der Familiennachzüge sei aus rechtlicher Sicht dauerhaft nicht zu halten. Nach der Erstversorgung in der Hochphase vor zwei Jahren beginne jetzt mit der Integration der Geflüchteten in die Gesellschaft der schwierigere Teil. »Das wird ein sehr langer Prozess« „Und das wird ein sehr langer Prozess, in dem keine schnellen Erfolge zu erwarten sind", machte Brüggenjürgen deutlich. „Wir können nur appellieren, dass die Ehrenamtlichen am Ball bleiben, weil die Chancen auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt erheblich steigen, wenn die Geflüchteten Fürsprecher haben, die sie begleiten und motivieren." Unter dem Tagesordnungspunkt „Erlass einer Satzung über die Erhebung von Elternbeiträgen für die Offene Ganztagsgrundschule (OGGS)" sprach Gemeindereferent Ralf Langenscheid (FWG) das Problem an, dass insbesondere Flüchtlingskinder dieses Angebot nicht nutzen können, weil es keinen Fahrdienst gibt, der sie am Ende nach Hause bringt. »Das ist kontraproduktiv« „Wir sind stolz auf unsere vielen Ehrenamtlichen und reden von Integration. Für die Beförderung dieser Kinder bringen wir aber keine Mittel auf. Das ist sehr kontraproduktiv", ärgerte sich Langenscheid. Er regte an, gemeinsam zu überlegen, was die Schaffung gleicher Möglichkeiten für alle kosten dürfe. Es könne nicht sein, dass ein bestimmter Personenkreis von der OGGS ausgeschlossen werde. Schulleiterin Bärbel Hilgenkamp unterstützte diese Forderung. Ausschussvorsitzende Ute Buchheim schlug vor, die Bedarfe im gesamten Stadtgebiet zu ermitteln und in einer der nächsten Sitzungen zu diskutieren.

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