Der Rat der Stadt Rietberg hat die zweite Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans beschlossen und setzt damit auch weiterhin auf freiwillige Kräfte. - © Birgit Vredenburg
Der Rat der Stadt Rietberg hat die zweite Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans beschlossen und setzt damit auch weiterhin auf freiwillige Kräfte. | © Birgit Vredenburg

Rietberg Ausnahmegenehmigung: Feuerwehr erneut auf dem Prüfstand

Brandschutz: Eigentlich bräuchte die Stadt Rietberg eine hauptamtliche Feuerwache - warum die Freiwilligenwehr dennoch in die Verlängerung geht

Birgit Vredenburg

Rietberg. Feuerwehrhäuser, Personal, Fahrzeugflotte: diese drei Kernelemente der Freiwilligen Feuerwehr kamen im Zuge der zweiten Fortschreibung des 2002 beschlossenen Brandschutzbedarfsplans der Stadt Rietberg erneut auf den Prüfstand. Streng genommen hätte es bereits die dritte sein müssen, denn nach dem Brandschutz-, Hilfeleistungs- und Katastrophenschutzgesetz (BHKG) sind alle Kommunen verpflichtet, ihre Brandschutzbedarfspläne alle fünf Jahre fortzuschreiben. Die erste Fortschreibung erfolgte allerdings erst 2009. Dass der Rat erst jetzt den 178 Seiten umfassenden Entwurf der zweiten Fortschreibung vorgelegt bekam, erklärte die Verwaltung mit zeitlichen Engpässen des prozessbegleitenden Büros für Sicherheitsberatung. Berater Simon Zens, der die wesentlichen Aspekte des neuen Entwurfs vorstellte, verwies indes auf "die Pflicht, den Plan in spätestens fünf Jahren fortzuschreiben - gegebenenfalls früher, wenn es besondere Änderungen im Bereich des Gefahrenpotenzials oder der Feuerwehrstruktur geben sollte". Mit rund 30.000 Einwohnern ist Rietberg eigentlich verpflichtet, eine hauptamtlich besetzte Feuerwache vorzuhalten. Auf Grundlage des Brandschutzbedarfsplans, der die Leistungsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr gegenüber den Aufsichtsbehörden dokumentieren soll, verfügt die Stadt aber über eine Ausnahmegenehmigung. Dass keine wesentlichen Anstiege bei den Einsatzzahlen zu verzeichnen seien, nannte Zens als wesentliche Erkenntnis der aktuellen Prüfung. In 73 Prozent der Fälle sei die Feuerwehr innerhalb von acht Minuten nach Alarmierung mit neun Einsatzkräften am Einsatzort gewesen, gefolgt von sieben Kräften nach weiteren fünf Minuten. "Den Zielerreichungsgrad von 90 Prozent im Bedarfsplan 2009 haben Sie damit nicht ganz erreicht", bilanzierte Simon Zens. Da die Bezirksregierung Detmold 80 Prozent als bedarfsgerecht ansehe, sei die Schutzzieldefinition in der aktuellen Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans entsprechend angepasst worden. Die Mitgliederzahl der Freiwilligen Feuerwehr habe sich seit 2009 mit einem Anstieg von 156 auf 172 Kameraden positiv entwickelt. Der Ausbildungsstand der Einheiten sei gut, in Teilbereichen gebe es jedoch Verbesserungspotenziale bei der Anzahl notwendiger Schlüsselqualifikationen. Die Jugendfeuerwehr sei mit 36 Mitgliedern ebenfalls gut aufgestellt, "aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass sie die altersbedingten Abgänge nicht kompensieren kann", mahnte Zens. Hier gelte es, Quereinsteiger für die Feuerwehr zu gewinnen. Mit Blick auf die Fahrzeugflotte werde deutlich, dass die Standorte in Rietberg, Mastholte und Neuenkirchen jeweils mindestens ein neues Löschgruppenfahrzeug benötigen und ein Hilfeleistungslöschfahrzeug je Zug - "also fünf neue Ersatzfahrzeuge in den nächsten fünf Jahren", sagte Zens. Für Rietberg stehe zudem die Einrichtung geschlechtergetrennter Umkleiden in separaten Räumen an, in Neuenkirchen gebe es keinen, in Mastholte umfassenden Handlungsbedarf. Hier sei bereits ein Neubau geplant.

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