Marcel Funk testet seine Geschicklichkeit, die insbesondere im Bereich Industriemechanik gefragt ist. - © Birgit Vredenburg
Marcel Funk testet seine Geschicklichkeit, die insbesondere im Bereich Industriemechanik gefragt ist. | © Birgit Vredenburg

Rietberg Größeres Angebot bei Rietberger Berufemesse

Die 12. Veranstaltung ist mit 115 Angeboten aus Wirtschaft, Hochschule oder öffentlicher Dienst umfangreich als in den vergangenen Jahren

Birgit Vredenburg

Rietberg. Plastikgranulat wird von einer Metallschnecke in einen Trichter befördert, auf 190 Grad erhitzt, geschmolzen, aufgeblasen und anschließend flach aufgerollt. In der Industrie, die den Rohstoff zu Tüten oder Müllbeuteln verarbeitet, sind Fertigungsanlagen für diesen Arbeitsprozess 60 Meter hoch und verschlingen tonnenweise Material. Die Fakultät Maschinenbau der Uni Paderborn hat daraus ein funktionstüchtiges Anschauungsmodell im Miniaturformat entwickelt, das in der Lage ist, Einkaufwagenchips zu produzieren. Kim Scharr und Tobias Westhues vom Lehrstuhl der Uni Paderborn haben jetzt während der Rietberger Berufemesse haufenweise kleine blaue Einkaufswagenchips produziert, um mit Eltern und Schülern ins Gespräch zu kommen und das Interesse an Maschinenbau und Kunststofftechnik zu wecken. Währenddessen testeten junge Besucher am so genannten „heißen Draht" der WP Kemper ihr handwerkliches Geschick, das in der Industriemechanik unverzichtbar ist oder griffen bei COR interessiert zum Profi-Tacker, um sich in den Ausbildungsberuf des Möbelpolsterers hineinzudenken. Mit 115 Ständen aus den Bereichen Handwerk, Handel und Produktion, von Hochschulen, Wirtschaftsverbänden und Beratungsvereinen, aus öffentlichen und sozialen Diensten, Versicherungen und Finanzdienstleistungen sowie mehrerer Praktiker aus Studium und Beruf war das Informationsangebot der Berufemesse im Rietberger Schulzentrum so groß wie noch nie. 2006 von Gymnasium und Realschule aus der Taufe gehoben, ist die Veranstaltung, die auch diesmal wieder mehr als 2.000 Besucher mobilisiert hat, mittlerweile zum Selbstläufer geworden. „Von Unternehmerseite her kommen die Anfragen inzwischen unaufgefordert", freut sich Cheforganisator Thomas Hönemann. Neben der Realschule, die 2018 ausläuft, trat die 2013 gegründete und mittlerweile auf Klasse acht angewachsene Richard-von-Weizsäcker-Gesamtschule Rietberg zum ersten Mal als Mitveranstalter auf. „Unsere Acht- und Neuntklässler sind zur Teilnahme verpflichtet", berichten Bernd Berle (Gesamtschule) und Albert Coböken (Realschule). Die Schüler müssen zwei Stunden vor Ort bleiben (inklusive An- und Abmeldung), sich an mindestens vier Ständen genaue Einblicke in die jeweiligen Berufsfelder verschaffen und ihre Eindrücke schriftlich dokumentieren. Berle: „Die gewonnenen Informationen werden dann im Berufsorientierungsunterricht nachbereitet." Einen Check-in-Bereich gibt es auch am Gymnasium, das diesmal, so Höhemann, gut 300 verpflichtete und weitere hundert freiwillige Schüler, „darunter sogar einige Siebtklässler", stellte. Darüber hinaus waren auch wieder viele 10er als freiwillige Scouts im Einsatz, um Orientierungshilfe zu geben und die Aussteller mit Kaffee und anderen Getränken zu versorgen. „Die Jugendlichen nehmen verstärkt atmosphärische Aufgaben wahr und sorgen damit für einen Wohlfühleffekt, den die Aussteller im Vergleich zu kommerziellen Messen durchaus zu schätzen wissen", weiß Hönemann. Er versprach, dass die Rietberger Berufemesse auch weiterhin nichtkommerziell bleibt. „Das ist uns sehr wichtig."

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