Eingeschossig wird dreigeschossig: Am Standort der früheren Pavillonklassen soll bis Ende 2017 ein Neubau entstehen. - © Birgit Vredenburg
Eingeschossig wird dreigeschossig: Am Standort der früheren Pavillonklassen soll bis Ende 2017 ein Neubau entstehen. | © Birgit Vredenburg

Rietberg Erweiterungsbau der Rietberger Gesamtschule steht kurz bevor

Die anstehende PCB-Sanierung des Schulzentrums stellt die Stadt vor eine weitaus größere Aufgabe

Birgit Vredenburg

Rietberg. Der Bauzaun steht, die Abrissarbeiten der alten Pavillonklassen haben begonnen - die Stadt investiert rund 6,2 Millionen Euro in einen dreigeschossigen Neubau an gleicher Stelle. Vor drei Jahren in Betrieb genommen, benötigt die jahrgangsweise wachsende Richard-von-Weizsäcker-Gesamtschule mehr Platz. Ende 2017 soll der Erweiterungsbau fertig sein. "Ich gehe davon aus, dass die Kostenberechnungen passen", sagte Bürgermeister Andreas Sunder jüngst in einer Bürgerversammlung. Die Finanzierung solle auf die Haushaltsjahre 2017 bis 2019 gestreckt werden. "So packen wir auch das gesamte Schulzentrum an", informierte Sunder. Für die Stadt stelle die anstehende Sanierung des Anfang der 1970er Jahre errichteten Gebäudekomplexes eine Jahrzehntaufgabe dar. Seinerzeit seien dort PCB-haltige Stoffe verbaut worden, die gesundheitsschädigend seien. Zurzeit werde ermittelt, ob es Sinne mache, das Schulzentrum Schritt für Schritt zu sanieren, oder komplett abzureißen und neu aufzubauen. "Für mich hängt das entscheidend davon ab, welche Lösung die wirtschaftlichste ist - wobei ich mich bei einer Differenz von 500.000 Euro immer für einen Neubau entscheiden würde", machte Sunder deutlich. Hier müsse gründlich abgewogen werden. Das Ergebnis der seitens der Verwaltung in Auftrag gegebenen Vergleichsuntersuchung soll Mitte 2017 vorliegen. Für den Fall, dass ein Neubau die günstigere Lösung darstellt, gibt es im Rathaus Überlegungen, das komplette Schulzentrum - einschließlich Dreifachturnhalle, Sportplatz und Leichtathletikanlage - an einen anderen Standort zu verlegen. Der Erweiterungsneubau für die Gesamtschule könne dann eine Nachnutzung als Schulungs- und Seminarzentrum erfahren, für Seniorenwohnungen oder ein Fahrradhotel genutzt werden (die NW berichtete). Seit 1989 ist der Einsatz von polychlorierten Biphenylen (PCB) in Deutschland verboten. Bei 300 bis 3.000 Nanogramm pro Kubikmeter Raumluft besteht laut PCB-Richtlinie "mittelfristiger" Handlungsbedarf, weil die Gesundheitsgefährdung zu groß ist. Vor zwei Jahren wurde öffentlich bekannt, dass an 21 Stellen im Rietberger Schulzentrum PCB-Werte bis zu 1.454 Nanogramm pro Kubikmeter Raumluft gemessen wurden, 16-mal bis zu 1.110 und 23-mal bis zu 703 Nanogramm. Der Verwaltung sind die Belastungen indes schon lange bekannt. Bereits 1999 und 2004 wurden Schadstoffsanierungen durchgeführt. Das Einatmen der krebserregenden Stoffe kann Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Übelkeit, allergische Reaktionen und Immunkrankheiten verursachen, die erst Jahre später auftreten können. Im September 2014 empfahl Diplomingenieur Frank Heyder-Schumacher, Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen, deshalb eine Beseitigung der Giftstoffe - "die im Grunde auf eine Entkernung hinausläuft" - im Zeitraum zwischen 2018 bis 2021. Polychlorierte Biphenyle (PCB), die bis in die 1980er Jahre vor allem in Transformatoren, elektrischen Kondensatoren und Hydraulikanlagen als Hydraulikflüssigkeit sowie als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen, Isoliermitteln und Kunststoffen verwendet wurden, kontaminieren durch Verdunsten auch andere, ursprünglich nicht belastete Baukörper. Heyder-Schumacher: "Baumaßnahmen und die Offenlegung PCB-verseuchter Baukörper können zur weiteren Kontamination beitragen."

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