Malen in Rietberg: Wolfgang Strohbücker (v. l.), Petra Tönnesmann, Irmgard Eusterbrock, Erika Caßing, Claudia Holtkamp, Alain Tigges und Günter Beckervordersandforth stellen ihre Arbeiten im Heimatforum Neuenkirchen aus. - © Rolf Birkholz
Malen in Rietberg: Wolfgang Strohbücker (v. l.), Petra Tönnesmann, Irmgard Eusterbrock, Erika Caßing, Claudia Holtkamp, Alain Tigges und Günter Beckervordersandforth stellen ihre Arbeiten im Heimatforum Neuenkirchen aus. | © Rolf Birkholz

Rietberg Hobbymaler zeigen Werke im Heimatforum Neuenkirchen

Zu sehen ist auch ein kleines Kerlchen, das sein Unwesen in Westerwiehe treibt

Rolf Birkholz

Rietberg-Neuenkirchen. Warum sollen Hobbykünstler nicht große Namen zitieren? Auch dieser Blick über den Rand der Staffelei macht die "Hobbymalerausstellung XII" im Neuenkirchener Heimatforum sympathisch. Unter anderem Anklänge an Salvador Dalí, Christo, Marc Chagall und an das alte, zumal durch Auguste Rodin bekannte Motiv "Die Bürger von Calais" finden sich in den Exponaten der vier Frauen und drei Männer, die hier ihre Gemälde, Zeichnungen, Fotoarbeiten und Skulpturen zeigen. Erstmals kommen alle aus Rietberg, wie Beate Schrewe vom Heimatverein zur Eröffnung hervorhob. Während Nataliya Yakubovich die Veranstaltung mit der Querflöte begleitete, führte Claudia Holtkamp die rund 50 Besucherinnen und Besucher in die Werke der sieben Beteiligten ein. Irmgard Eusterbrock, zum ersten Mal dabei, hat das Titelbild der Schau gemalt, eine entsprechend einladende Neuenkirchener Landschaft im Querformat. Bei einem Stillleben mit Flaschen wies Claudia Holtkamp auf die technisch gar nicht leicht zu meisternden Seiten und Böden von Flaschen hin. An der Wand gegenüber hängen die in Spachteltechnik wie mit dem Pinsel gearbeiteten Bilder Petra Tönnesmanns, darunter zum Beispiel eine nächtliche Ansicht vom belebten Times Square in New York. Dazu sind gut an den Seiten positioniert zartere Bilder. Die Aquarelle von Wolfgang Strohbücker widmen sich Blumen und Ortsansichten ebenso wie, durchaus ungewöhnlich, einem Autorennen. Vis-à-vis zeigt Alain Tigges filigrane Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Claudia Holtkamp machte auf die "Vielfältigkeit und Akribie im Detail" des Zeichners aufmerksam, den die Begeisterung für Comics zur Kunst geführt hatte. Auf dem Flur zum zweiten Ausstellungsraum werden Acryl-Gemälde auf Holz von Günter Beckervordersandforth passiert, der sich ebenfalls erstmals an dieser jährlichen Präsentation beteiligt. Er gibt seinen Arbeiten keine Titel. Dafür scheint eines auf charakteristischem Schachbrettboden mit der surrealistischen Bildsprache Salvador Dalís zu spielen. Bei anderen sah Claudia Holtkamp Verweise auf Chagall. Und bei einer seiner kleinen Ton-Gruppen deutete er selbst eine Inspiration durch "Die Bürger von Calais" an. Auf der Basis eigener digitaler Fotos wiederum stellt Erika Caßing ihre Fotocollagen her, bearbeitet die Aufnahmen am Rechner. "Sie spielt mit den Motiven, kombiniert sie zu neuen Scheinwelten und komponiert so neue Realitäten", sagte Claudia Holtkamp. Es entstehen so einige Stadtansichten, die sich noch in keinem Reisführer finden. Einmal auch schlagen einem "Surfer" die Wellen als Pferdeherde entgegen, ein andermal steht ein Junge "Unter Schirm", wie in einer reinen Tropfenwelt. Dick eingehüllt wie vom Verpackungsmeister Christo mutet hingegen ein Motiv auf einem großen Ölgemälde von Claudia Holtkamp selbst an. Sie ließ sich anregen von verpackten, wertvollen Bronzeskulpturen, die sie in einer österreichischen Kirche gesehen hatte. Der Betrachter wird veranlasst, das Bild im Bild sich vorzustellen. Und, neben einem (Garda) Seestück in der Dämmerung, werden auch bei ihren in verschiedenen Techniken, ob Holzdruck auf chinesischem Zeichenpapier, Bleistiftzeichnung oder Objekt, geschaffenen Arbeiten zum sogenannten Hedamännchen Rätsel aufgegeben. Dieses mysteriöse Kerlchen soll Beate Schrewe zufolge "hier in der Gegend sein Unwesen" getrieben haben. "In Westerwiehe", präzisierte ein Besucher. Eine schriftliche Quelle bestätigt, dass das Hedamännchen "und andere Wesen aus dem Zwischenreich" einst im Nachbardorf ihr Unwesen trieben. Nun weiß man, wie es ausgesehen haben könnte, ein bisschen bang machend schon. Geöffnet ist die Schau an den folgenden Sonntagen: 23. und 30. Oktober, 6. November sowie Allerheiligen (1. November) jeweils von 15 bis 18 Uhr.

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