Ausgelassene Stimmung: Rund 1.600 Teilnehmerinnen zogen zur Weiberfastnacht durch die Innenstadt. - © Birgit Vredenburg
Ausgelassene Stimmung: Rund 1.600 Teilnehmerinnen zogen zur Weiberfastnacht durch die Innenstadt. | © Birgit Vredenburg

Rietberg Altweiber ziehen durch die Rietberger Altstadt

Rund 1.600 närrische Weiber formten den kunterbunten Lindwurm

Birgit Vredenburg

Rietberg. Männliche Jecken, nehmt Euch in Acht: In Rietberg sind jetzt die wilden Weiber an der Macht. Altweiber-Präsidentin Birgit Boldt verkündete vor dem weiß beflaggten Rathaus: „Kein Mensch, nur Naturgewalten können versuchen uns aufzuhalten". Das aktuelle Geschehen in der Stadt unter die närrische Lupe nehmend wetterte die jecke Obernärrin: „Haben Rat und Verwaltung ihren Bürgerauftrag vergessen? Vertreten zu oft der Investoren Interessen. Schlafen des Nachts fein auf dem Inlett, träumen dabei fast nur noch vom Outlet". Ihren jubelnden Untertanen rief sie zu: „Ist das eigentlich noch unsere Stadt, wo der Bürger das Sagen hat? Wird verkauft noch der Parkplatz und das Jugendhaus - für´s Parken gibt’s für den Investor noch Geld heraus". Der schachmatt gesetzten Stadtspitze gab das jecke Oberweib die Denkaufgabe mit auf den Weg: „Die Bürger der Stadt, die Jungen und Alten, wollen wie wir die Altstadt erhalten". Bürgermeister Andreas Sunder konterte: „Ihr Weiber, das weiß ich genau, geht gerne Shoppen, das liegt in der Natur der Frau. Eure Kreditkarte, die soll in Rietberg glühen, und deswegen wollen wir uns um ein City-Outlet bemühen. Doch für heute, das muss sein, frieren wir mal die Konten ein". Am Feiertag der Altweiber bleibe sein Sessel im Rathaus leer, „Ihr zieht mich lieber im Käfig hinter Euch her." Das Thema City-Outlet-Center, als Motto gleich acht mal in unterschiedlichsten originellen Varianten vertreten, zog sich wie ein roter Faden durch den kunterbunten Lindwurm aus fast 1.600 närrischen Weibern, die in 83 Gruppen als rockende Eichhörnchen, gespenstische Fledermäuse, lustige Micky Mäuse oder farbenfrohe Regenbogenfische die historische Altstadt unsicher machten. Der Horde wild gewordener, in edlem Pink und Gold gewandeter Haremsdamen etwa, die im COC die Kreditkarte ihres Scheichs zum Glühen brachten, hielten 22 verlumpte „Ems-Clochards" entgegen: „Outlet, Schnäppchen, Lotterleben - ist das Geld erst ausgegeben, müssen wir unter der Brücke leben". Ob als Outlet-Piraten, Glücksbringer, Schneefreuen, bunte Schmetterlinge, putzige Schweinchen oder schillernde Pfauen: Der ungemütlichen Witterung setzten die närrischen Weiber originelle Kostüme, allerbeste Stimmung und jede Menge Musik entgegen - insgesamt zehn Musikgruppen legten sich im Umzug mächtig ins Zeug. Bei so viel guter Laune schienen selbst die prall gefüllten Regenwolken, die kurz nach Beginn des großen Weiberumzuges in großem Bogen an der brodelnden Innenstadt vorbei zogen, staunend inne zu halten.

realisiert durch evolver group