Schöner Ausgleich: Spaziergänge mit ihrem Hund "Sammy" helfen Heike Peters, die Eindrücke zu verarbeiten. - © Birgit Vredenburg
Schöner Ausgleich: Spaziergänge mit ihrem Hund "Sammy" helfen Heike Peters, die Eindrücke zu verarbeiten. | © Birgit Vredenburg

Rietberg Diese Frau führt ein Bestattungsunternehmen in vierter Generation

Wenn sie neue Menschen kennenlernt, gibt sie sich manchmal auch als Arzthelferin aus

Birgit Vredenburg

Rietberg. Blond, attraktiv, lebenslustig: Auf den ersten Blick ist Heike Peters eine ganz normale, selbstbewusste Frau. In der Karnevalssession 2014/15 erfüllte sie sich den lang gehegten Traum, einmal Prinzessin der Rietberger Grafschaftler zu sein. Wird sie nach ihrer Tätigkeit im echten Leben gefragt, erntet sie oft ungläubige Blicke. Heike Peters ist die Chefin eines Bestattungsunternehmens. "Im Karneval habe ich jemanden kennengelernt, der mir meinen Beruf nicht abgenommen hat", beschreibt die 43-Jährige, die sich bei den Grafschaftlern als Pressesprecherin und Mitglied im kleinen Rat engagiert, die immer gleiche Reaktion, wenn sie neue Leute trifft. "Der hat mir das schlichtweg nicht zugetraut, weil ich eine Blondine bin." Eine Frau, von Beruf Kindergärtnerin, sei sogar regelrecht entsetzt gewesen. Peters: "Dann kommt stets der Spruch: Wie - das machst du? Ich könnte das nicht." Manchmal, wenn sie gefragt werde, sage sie deshalb, sie sei Arzthelferin. "Das ist einfacher. Das glaubt jeder." Und ganz verkehrt sei es zudem nicht, schließlich habe sie diesen Beruf einmal gelernt. Zwei Jahre nach ihrer Ausbildung bei einem Rietberger Frauenarzt hat Heike Peters in Marburg eine dreijährige Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin absolviert und zwei Jahre in Düsseldorf gearbeitet, bevor es sie zurück in die Heimat zog. Sie fühlt sich wohl mit der Aufgabe, selbstständig ein Bestattungsunternehmen zu führen. "Was mir im Tagesgeschäft fehlt, sind meine Kolleginnen von früher, mit denen ich mich noch immer regelmäßig treffe", so Peters. Vor acht Jahren von ihrem Vater übernommen, führt sie das von ihrem Urgroßvater Franz Peters 1930 gegründete Familienunternehmen in vierter Generation weiter. "Ich habe anfangs sehr vorsichtig hinein geschnuppert und mir erst mit Ende 20 überlegt, in die Fußstapfen meines Vaters zu treten, denn der Beruf geht schon an die Substanz", gesteht Heike Peters. Wenn Babys tot zur Welt kommen oder junge Menschen durch Verkehrsunfälle sterben, sei sie anfangs schon an ihre Grenzen gekommen - "auch weil es dafür keine tröstenden Worte gibt". Inzwischen habe sie gelernt, mit der Belastung umzugehen und die Bilder im Kopf nicht mit nach Hause zu nehmen. Ihr Vater sei ihr in diesen Dingen ein wichtiger Gesprächspartner. "Mein Papa sagt immer: die Menschen sterben, wenn die Blätter fallen und neu sprießen". Schon als Kind hat Heike Peters gelernt, dass der Tod zum Leben dazu gehört. Für sie und ihre Schwester, die sich bewusst gegen diese Tätigkeit entschieden hat, sei es ganz normal gewesen, dass hin und wieder jemand starb. "Unsere Eltern haben es geschafft, damit so umzugehen, dass wir nicht alles mitbekommen haben", blickt Peters zurück. Obwohl ihr heute sehr bewusst sei, dass jeder Tag der letzte sein kann, sei ihre Einstellung zum Leben sehr positiv. Lange Spaziergänge mit ihrem Hund Sammy - einem eineinhalbjährigen Cockerpoo - helfen ihr, die täglichen Eindrücke zu verarbeiten und das innere Gleichgewicht zu bewahren. Viel Zeit nimmt sie sich auch für Tochter Marie (14), die eine begeisterte Fußballspielerin ist und regelmäßig Turniere spielt. "Wenn sie mit ihrer Mannschaft in der Nähe kickt, bin ich so oft es geht dabei, um sie anzufeuern", verrät Heike Peters.

realisiert durch evolver group