Symbolbild. - © Wolfgang Rudolf
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Rietberg/Gütersloh/Bielefeld Rietberger Raubmord: Zeuge schildert vor Gericht abermals den Abend, an dem sein Bruder starb

"Ich wusste sofort, dass er tot ist"

Nils Middelhauve

Rietberg/Gütersloh/Bielefeld. "Ich wusste sofort, dass er tot ist. Er atmete nicht mehr", sagte Werner S. in der gestrigen Verhandlung. Vor der I. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts schilderte der 65-jährige Mann aus Rietberg abermals die Ereignisse vom 3. November 2015. An jenem Abend waren die Brüder Werner und Heinrich S. in ihrem Haus in Rietberg überfallen worden. Die Täter misshandelten Werner S. schwer und töteten den damals 64 Jahre alten Heinrich. Das Bielefelder Landgericht hatte die beiden aus Gütersloh stammenden Artur T. (50) und Robert D. (48) im Dezember 2016 wegen des Mords an Heinrich S. zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob das damalige Urteil jedoch auf, der Fall wird derzeit vor dem Landgericht neu verhandelt. Da eine vollständig neue Beweisaufnahme durchgeführt werden muss, blieb auch Werner S. der abermalige Gang zum Zeugenstuhl nicht erspart. In Begleitung seiner Rechtsanwältin Gabriele Martens, die ihn als Nebenkläger vor Gericht vertritt, berichtete S. von dem Überfall auf das Brüderpaar. Die Aussage sei für ihren Mandanten sehr belastend, sagte Martens. Damit S. den Angeklagten nicht in die Augen sehen musste, stellten die Wachtmeister einen Sichtschutz vor Robert D., und Artur T. nahm auf einer Bank hinter Werner S. Platz. In seiner gestrigen Aussage wich S. in einigen Punkten von seinen vorherigen Vernehmungen ab, an manches erinnerte er sich überhaupt nicht mehr. Dass sich gerade die Opfer von Verbrechen nach mehreren Jahren nicht mehr an alles erinnerten, sei nicht ungewöhnlich, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Korte, "damit müssen wir leben." Der Prozess wird am 8. März fortgesetzt.

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