Verwirrend: Mit "Fabse" (Fabian Hartkamp) und "Tüt" (Daniel Stüker) treffen am Bahnhof Welten aufeinander. - © Birgit Vredenburg
Verwirrend: Mit "Fabse" (Fabian Hartkamp) und "Tüt" (Daniel Stüker) treffen am Bahnhof Welten aufeinander. | © Birgit Vredenburg

Rietberg Westerwieher Narren holen unvergessene Büttenstars auf die Bühne

55 Jahre und kein bisschen alt

Birgit Vredenburg

Rietberg. Schräge Gags, heiße Tänze und eine fröhlich feiernde Gästeschar: Mit einer extrajecken Prunksitzung haben die Narren "im schönsten Dorf der Welt" das 55-jährige Bestehen des Westerwieher Kolpingkarnevals gefeiert. "Viele Aktive auf und hinter der Bühne haben den Verein zu dem gemacht, was er heute ist. Und das in einer Zeit, als es noch kein Internet gab und die Künstler ihre Witze noch aus der Bäckerblume ausschneiden mussten", blickte Mark Buschsieweke (besser bekannt als "Viereck") augenzwinkernd zurück. Mit Christian Lefeld, der in 55 Jahren sage und schreibe 63 Büttenreden gehalten hat und "Tanzmaus" Willi Wrede, der auf 41 Auftritte kommt, bat Buschsieweke zwei Männer der ersten Stunde auf die Bühne. Die Zuschauer jubelten und feierten auch das Wiedersehen mit Heinz Gerling (bis 1997 in der Bütt), Kalli Diekotto (bis 2006), Heike Sandbothe (bis 1998), Heinz Berenbrink und Otto Strathoff (bis 1992), Matthias Knapp (bis 1997), Peter Strathoff und Manfred Busch (bis 2002), Norbert und Meggi Mertensmeier (bis 2014). »Ich bin stolz, ein Teil dieser tollen Truppe sein zu dürfen« "Ich bin stolz, ein Teil dieser tollen Truppe sein zu dürfen", gestand Phillipp Isenborth, der durch das spannungsgeladene Programm führte. Dass der Moderator etwas nervöser war als sonst, hatte nicht nur mit dem 55. Geburtstag zu tun, sondern auch damit, "dass ich mir einen neuen Flitzer zugelegt habe, mit 20 Zoll-Felgen, belüfteten Alpaka-Ledersitzen und Vergaser-Innenbeleuchtung". Gemeinsam mit "Cörsch" Christopher Kleibaumhüter und "Brügge" (Thomas Brüggemann) ging?s auf eine rasante Spritztour Richtung Rietberg, vorbei am "runderneuerten" E-Center, "dem Buxen-Rudi unter den Lebensmittelläden" und über die Rathausstraße, "die so etwas ist wie die Kö in Düsseldorf, die Pariser Champs Elysées, oder eben die Hauptstraße in Westerwiehe", so das närrische Fazit. Mit "Locky" (Markus Diekotto) und "Fridolin" (Klaus Hesse) präsentierte Isenborth eine Attraktion, "die man so noch nicht gesehen hat", nämlich einen Bauchredner und seine leibhaftige Handpuppe. Als "Fridolin" die Frau des Bürgermeisters forschdreist zum Sauerkrautessen einlädt (seine ersten Frauen sind an einer Sauerkrautvergiftung gestorben), meinte "Locky" etwas kleinlaut, dass er mit den Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, nicht tauschen möchte. "Frodolin" sieht das ganz anders: "Der Bürgermeister hat den Vorteil, dass er seine Eintrittskarte von der Steuer absetzen kann. Für ihn ist Westerwiehe quasi eine Weiterbildung". Das Publikum, darunter das Stadtoberhaupt Andreas Sunder mit seiner Frau Kerstin, Bundestagsabgeordneter Ralph Brinkhaus sowie Abordnungen der befreundeten Karnevalsvereine aus Rietberg, Neuenkirchen, Mastholte, Boke und Lippling, kringelte sich vor Vergnügen. Ob "Ährwin" (Ralf Gnüchwitz-Holtkamp), der seit dem Sturmtief "Friederike" zwei Gießkannen, einen Grill und seine Frau vermisst ("den Grill hätte ich gern zurück"), die Beach-Boys, die ein absurdes WSDBB-Casting veranstalteten (Westerwiehe sucht den Super-Beachboy), "Ackie der Camper" (Diek Bunger), der immer noch kein Glück bei den Frauen hat oder "Fabse" (Fabian Hartkamp) und "Tüt" (Daniel Stüker), die genau wissen, "wo im Karneval der Frosch die Locken hat, nämlich in Westerwiehe" - sie alle waren mit viel Herzblut dabei. Die Mädels von "Fascination", die "Gardeküken", die "Gardeteenies", die Boker Brinzengarde, "Art of Act" und die "Beach-Boys" veredelten das kunterbunte Programm mit erstklassigen Tanzdarbietungen.

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