Thomas Glup bittet im Beamtengeben, nicht zuständig zu sein, obwohl das natürlich auch seine Macht beschneiden könnte. - © FOTO: ROLF BIRKHOLZ
Thomas Glup bittet im Beamtengeben, nicht zuständig zu sein, obwohl das natürlich auch seine Macht beschneiden könnte. | © FOTO: ROLF BIRKHOLZ

Rheda-Wiedenbrück Ein Beamter bespottet Beamte

Thomas Glup bietet viel Erfahrung und einen hohen Unterhaltungswert

Rheda-Wiedenbrück. Der Tag am aktenbepackten Schreibtisch beginnt mit dem Morgengebet: "Lieber Gott, mach mich nicht zuständig." Eine halbherzige Bitte. Denn Zuständigkeit bedeutet zwar Arbeit, aber auch Macht. Arbeit und Macht zugleich kann man ganz dezent schon dadurch andeuten, indem man das Telefon erst einmal ein bisschen klingeln lässt, bevor man abhebt. "Beamte sind auch nur Menschen" zeigte im Ratsgymnasium jetzt Thomas Glup mit seiner Doppelbegabung – als Beamter und als Schauspieler.

Unterstützt von seinem Kollegen Martin Dornseifer gab der Essener, seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich bei der Stadtverwaltung Essen tätig, eine kleine Beamtenkunde unter satirischen Aspekten. Gibt es andere? Wer so fragte, hätte das Staatsformen überdauernde Wesen des Berufsbeamtentums nicht verinnerlicht. Glups Erkenntnis "Beamtentum ist auch so etwas wie Brauchtumspflege" hülfe da vielleicht weiter.

Mit reichem Erfahrungswissen und beträchtlichem Unterhaltungstalent beleuchtete Thomas Glup das Beamtendasein in all seiner Vielfältigkeit hoheitlicher Aufgaben, in der unbedingten Loyalität dem Dienstherrn gegenüber, in den hierarchischen Feinheiten und im Verhältnis zur wachsenden Zahl der Angestellten im öffentlichen Dienst, zumal manche von diesen "erfolgreich den Anschein Beamte zu sein" erweckten.

Zwischendurch waren Begriffe zu erraten. Was kann eine Personenvereinzelungsanlage schon anderes sein als ein Drehkreuz? Das Behördendeutsch auf die Spitze trieb Glup mit einer amtlichen Version von "Rotkäppchen und dem polizeilich nicht gemeldeten Wolf ohne festen Wohnsitz". Und dann war auch schon wieder ein Fahrtkostenzuschussantragsformular herauszusuchen. Und nebenbei des Kollegen Kreuzworträtselfrage nach einer Flüssigkeit mit 15 Buchstaben zu beantworten. Die Lösung: "Beamtenschweiß". Das seien zwar eigentlich, da mit scharfem S geschrieben, nur 14, aber im Rätsel mit aufgelöstem SZ eben einer mehr. Genehmigt.

Blauer Fleck auf der Stirn? Mit dem Kopf auf dem Stempelkissen eingeschlafen. Dagegen kann ein Sturz vom Dienststuhl auf den Amtsstubenboden ein "qualifizierter Dienstunfall" sein. Und wenn's ganz dick kommt: "Stirbt ein Beamter während einer Dienstreise, ist die Dienstreise damit beendet." Klingt nicht ganz unlogisch, regelt aber die Rücktransportkosten, die, tritt der Exitus auf der Hinfahrt ein, höher sein können als auf der Rückreise, wo der Verstorbene praktisch nur noch aus dem Zug getragen werden muss.

Thomas Glup wusste den Spaß, den er sichtlich selbst an den Absurditäten aus der verwalteten Welt hatte, ganz leicht zu vermitteln. Und er endete mit dem schönen, allerdings sicher nicht nur in Beamtenkreisen verbreiteten Satz: "Und wieder hatte ich Recht."

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