Rheda-Wiedenbrück/Gütersloh Eigentliche Sache bleibt unaufgeklärt

Freispruch vom Vorwurf der räuberischen Erpressung

Rheda-Wiedenbrück / Gütersloh (rb). Freispruch, Freispruch, Freispruch: So schnell sind Staatsanwalt, Verteidiger und Gericht selten einer Meinung. Nach kurzer Verhandlung sprach das Schöffengericht einen Rheda-Wiedenbrücker vom Vorwurf der räuberischen Erpressung und der Körperverletzung frei.

Unstrittig war, dass sich zwei Männer am 4. Oktober 2011 gegen 16.30 Uhr auf dem Parkplatz des evangelischen Krankenhauses gestritten haben und der Angeklagte zuschlug. Dieser, ein 31-jähriger Maurer, sagte, der andere habe ihn am Kragen gepackt und die Hand erhoben. Da habe er dem Gegenüber mit der flachen Hand ins Gesicht und einmal mit der Faust unter das Kinn gehauen. Der 34 Jahre alte Widersacher wollte indes bis zu 15 Hiebe gezählt haben und klagte über eine aufgeplatzte Unterlippe.

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Einig waren sich beide darin, dass der Zeuge, ein Kaufmann, dem Angeklagten seit längerem Geld schuldete. Das habe er dem Maurer, den er nur flüchtig kenne, nach telefonischer Verabredung auf dem Parkplatz zurückzahlen wollen, erklärte der Zeuge. Doch habe der Angeklagte wegen bis dahin vergeblicher Bemühungen, das Geld zurück zu erhalten, mehr haben wollen.

Die Aussage des Kaufmanns wich aber von seinen weiter gehenden Vorwürfen bei der Anzeigenerstattung ab, wo auch von späteren bedrohlichen Anrufen die Rede gewesen war. Dass er sich an dies und anderes nicht mehr erinnern konnte, nahm ihm der Staatsanwalt nicht ab. Während der Angeklagte weder über die Höhe der Summe noch über den Grund des Verleihens reden wollte, sprach der Kaufmann von 150 Euro, die er dem Maurer wieder gegeben habe. Wofür er es sich geliehen hatte, darüber schwieg auch er.

"Der Zeuge hat den allerschlechtesten Eindruck hinterlassen", so der Staatsanwalt. Die Vorsitzende Richterin, die anklingen ließ, bei den Schulden könne es sich um Geld für Marihuana gehandelt haben, sagte, die Männer hätten sich um Dinge gestritten, "die hier nur am Rande zur Sprache gekommen sind." Die eigentliche Sache sei "so unaufgeklärt wie ich es selten erlebt habe."

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