Gemeinsam auf dem Weg: Jens Dreve, dieses Mal ausschließlich als Schokoladen-Nikolaus am Start, nimmt eines der Kinder, die den Christkindllauf eröffnet haben, auf den letzten Metern an die Hand. - © Henrik Martinschledde
Gemeinsam auf dem Weg: Jens Dreve, dieses Mal ausschließlich als Schokoladen-Nikolaus am Start, nimmt eines der Kinder, die den Christkindllauf eröffnet haben, auf den letzten Metern an die Hand. | © Henrik Martinschledde

Rheda-Wiedenbrück Zum 25. Christkindllauf gibt es eine Premiere

Christkindllauf: Erstmals eröffnen 25 Kinder den Vier-Runden-Kurs in Wiedenbrück. Doch ist das nicht die einzige Veränderung bei der traditionellen Veranstaltung, bei der ein Läufer sein persönliches Jubiläum feiert

Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück. Das gab es noch nie in der 25-jährigen Geschichte des Christkindllaufs: Vor dem offiziellen Start gehen 25 Kinder mit blinkenden Nikolausmützen auf die Strecke. "Das war gut, aber zu kurz", meint Michelle. Gelohnt haben sich die 200 Meter trotzdem, sagt ihre Cousine Lina. "So konnten wir schneller rennen und zur Belohnung gab?s Nüsse, Mandarinen und einen Nikolaus", strahlt die Zehnjährige Das Wetter passt gut zu dem sportlichen Event des Wiedenbrücker Winters - so wie in den vergangenen 24 Jahren. "Schnee hatten wir noch nie", sagt Cheforganisator Martin Masjosthusmann. Selbst gestartet ist er beim Christkindllauf auch noch nicht, "weil immer so viel drumherum zu tun ist". Denn es gelte, eine stimmige Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Auf denen sei er am Tag der Veranstaltung lange genug unterwegs - auch ohne die vier Runden mit rund 1.200 anderen Sportlern durch die Stadt zu laufen. Der aufregendster Moment sei stets der Start, "der bis zu zwei Minuten dauert", sagt Masjosthusmann. Und den feiern die Zuschauer an der Langen Straße. Sie zählen den Countdown mit, schwenken Wunderkerzen und feuern die Sportler lautstark an. Hat der letzte Sportler seine Füße über die Linie gesetzt, fällt alle Anspannung von Masjosthusmann ab. Dann weiß er: "Jetzt läuft?s." Mancher an der Strecke hat eine Thermoskanne Glühwein dabei, für die Wärme und zum Ölen der Stimme. Mit Rasseln haben sich 30 Handballer des Wiedenbrücker Turnvereins ausgestattet, um 15 Läufer aus ihren Reihen zu motivieren. "Eigentlich feuern wir jeden an", sagt Manfred Grothe. Nur für ihren Vater Pierre Danelak jubeln Romy und ihr dreijähriger Bruder Noah. Kalte Füße haben sie nicht. "Wir tragen Skiunterwäsche", erklärt die Sechsjährige und guckt auf die Läufer. Als sie den Marienfelder sieht, gibt es kein Halten mehr. Da ruft und rasselt sie. Und der Papa hat?s gesehen und gehört und winkt kurz in Höhe des "1690 - Wiedenbrücker Gasthaus". Dort, wo "Sambacana" traditionell für heiße Rhythmen sorgt. Eine besondere Tradition pflegt auch Günter Laganowski. Er feiert sein persönliches Laufjubiläum. Das zeigt auf einem großen Schild eine silberne 25 in einem Lorbeerkranz. Er ist damit der einzige Sportler, der jeden Christkindllauf absolviert hat. Nicht ganz so oft ist Jens Dreve gelaufen. Aber er ist schon sehr oft für die LG Burg als Weihnachtsmann verkleidet an den Start gegangen: als 60-Minuten- und als Schokoladen-Nikolaus. Zum einen orientierten sich Sportler, die die Strecke unter einer Stunde schaffen wollten, an seinem Tempo. Zum anderen hielten die Kinder nach ihm Ausschau. Denn stets hatte Dreve in seinen großen Taschen Süßigkeiten dabei, die er - immer mit Blick auf die Uhr - verteilte. Jetzt konzentriert sich Dreve darauf, für super Stimmung zu sorgen. Und ist damit sehr zufrieden, "weil es mit Worten nicht auszudrücken ist, welche Freude man den Kindern macht". Die Rolle des Stunden-Nikolauses übernimmt erstmals Norbert Windau - ohne roten Mantel, aber mit roter Mütze. Mit dem doppelten Weihnachtsmann kommt die LG Burg einem Wunsch vieler Sportler nach, die sonst wegen der süßen Stopps aus ihrem Laufrhythmus gekommen waren. Der letzte Läufer der LG im Ziel ist Jupp Wiesbrock, als 3-Tage-Bart-Engel im weißen Gewand und mit blonder Haarpracht. Damit kommt er auch als Letzter in den Genuss des Ceylon-Tees, gesüßt mit Traubenzucker. Davon schenken Elisabeth Nottelmann und 14 weitere Helfer 100 Liter auf dem Konrad-Adenauer-Platz aus. Dazu reichen sie 40 Pakete Spekulatius und 6 Kilogramm Schokolade - "Nougat und Haselnuss", informiert Nottelmann augenzwinkernd ganz exakt. Seit 15 Uhr ist sie aktiv am Teestand. Darum geht sie, währen viele Sportler später noch Party machen, nach Hause, "wenn die Feuerwehr hier um 22 Uhr das Licht ausmacht".

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