Rheda-Wiedenbrück Dieses Unternehmen entwickelt 3D-Technik für Smartphones

Die sogenannte "Augmented Reality" wird auch "Erweiterte Realität" genannt

Heiko Kaiser
Doppelte Wirkung: Wer ohne die „Raumtänzer"-App auf das Bild schaut, erkennt bereits die 3D-Wirkung des Eiffelturms auf dem Smartphone. Mit dem eigenen Handy erkennt der User dann aber Dinge, die sonst verborgen bleiben. - © Neuland-Medien/Materialien Raumtänzer
Doppelte Wirkung: Wer ohne die „Raumtänzer"-App auf das Bild schaut, erkennt bereits die 3D-Wirkung des Eiffelturms auf dem Smartphone. Mit dem eigenen Handy erkennt der User dann aber Dinge, die sonst verborgen bleiben. | © Neuland-Medien/Materialien Raumtänzer

Rheda-Wiedenbrück. Aus der Wohnzimmerwand schlüpfen Monster und kriechen anschließend über den Flokati. Ein Mitarbeiter richtet sein Tablet auf eine Maschine und erhält Einblick in deren Innenwelt. Statt im Navigationsgerät wird die Route der Autofahrt mit Pfeilen und Distanzangaben direkt auf die Straße projiziert. Das sind keine verrückten Fantasien, sondern Anwendungsbeispiele für "Augmented Reality" (AR) oder "Erweiterte Realität".

Diese Methode verbindet Wirklichkeit und virtuelle Welt, indem sie mit Hilfe spezieller Software-Anwendungen Zusatzinformationen in real existierende Umgebungen einblendet. Bekannt geworden ist diese Technologie, als im Sommer 2016 Jugendliche durch die Straßen liefen, den Blick auf ihr Smartphone geheftet, um Pokémon-Monster zu fangen. Auch Fußballanhänger werden regelmäßig mir der AR-Technik konfrontiert, wenn etwa die Abseitslinie auf das Spielfeld geblendet wird oder ein Pfeil beim Freistoß die Distanz zum Tor dokumentiert.

Neuland-Medien: Geschäftsführer Christian Terhechte gründete die Internetagentur 2008 in Rheda-Wiedenbrück. - © Neuland-Medien
Neuland-Medien: Geschäftsführer Christian Terhechte gründete die Internetagentur 2008 in Rheda-Wiedenbrück. | © Neuland-Medien

Das aber ist nur der Anfang. Am 15. November bringt die Firma Lenovo das Spiel "Jedi Challenges" auf den Markt. Mit Hilfe einer AR-Brille, einem Bluetooth-Sender sowie einem Lichtschwert können im realen Wohnzimmer Kämpfe gegen virtuelle Bösewichte geführt werden.

Die Spielebranche hat als erstes Augmented Reality für sich entdeckt. Spannend aber ist AR auch im Marketingbereich. "Mit der erweiterten Realität bieten wir Kunden ein weiteres Marketingwerkzeug, das die Tür in eine neue Welt der multimedialen Informationen und Interaktionen öffnet - und das überraschend und praxisnah zugleich", erklärt Christian Terhechte, Geschäftsführer der Internetagentur Neuland-Medien aus Rheda Wiedenbrück, und ergänzt: "Augmented Reality verknüpft Print-Kampagnen mit den Möglichkeiten, die sonst nur das Internet mit Video, Sound und interaktiven Inhalten bietet."

Große Unternehmen sind längst auf diesen Zug aufgesprungen. So nutzt zum Beispiel die schwedische Möbelkette Ikea Augmented Reality bereits intensiv. Der Kunde ist mit Hilfe der App in der Lage, Möbel virtuell in sein reales Wohnzimmer zu stellen und kann so bequem feststellen, ob etwa der Tisch zur Umgebung passt. Diese App wurde mittlerweile von 8,5 Millionen Nutzern heruntergeladen.

Nachdem Online-Händler, wie beispielsweise der Brillen-Anbieter Mister Spex oder OTTO, mit Augmented-Reality-Projekten die Kaufentscheidung durch virtuelle Anproben erleichtern, kommt diese Technologie auch im Einzelhandel mehr und mehr zum Einsatz. Auf dem spiegelnden Display von FX Mirror können sich Kunden einkleiden ohne sich dabei umziehen zu müssen. Das Kleidungsstück wird virtuell auf das Spiegelbild projiziert.

Auch die Funktionsweise von technischen Produkten kann mit der AR-Technologie transparent gemacht werden. Für die Firma Kintec aus Rietberg entwickelte Neuland-Medien beispielsweise eine Anwendung, die den inneren Ausziehmechanismus eines Sofas transparent macht. Dazu muss der Betrachter sein Smartphone lediglich auf den Werbeflyer des Unternehmens mit dem Bild des Sofas richten, schon wird das Möbelstück transparent, das innenliegende Gestänge fährt aus und wieder ein. Tabletts, Smartphones oder Datenbrillen erkennen ihre Umwelt über die eingebaute Kamera, sie verarbeiten GPS-Daten, Logos, die Umrisse von Gebäuden und - beispielsweise bei Maschinen - eingebaute RFID-Tags. In einer Datenbank werden dann die hinterlegten, zugehörigen digitalen Inhalte ermittelt und in die reale Umwelt projiziert.

Für die Stadt Wiedenbrück hat Neuland-Medien eine Stadtführungsapp entwickelt. Sie erkennt mit der Smartphone-Kamera und anhand von GPS-Daten gescannte Gebäude und liefert hierzu historische Fotos, Videos und weitere Informationen.

Auch im produzierenden Gewerbe eröffnet Augmented Reality neue Möglichkeiten. Bedienungsanleitungen können per Tablet oder der AR-Brille in das Sichtfeld des Benutzers eingeblendet werden. Gleichzeitig erhält der Monteur Informationen darüber, was gerade in den nicht sichtbaren Bereichen der Maschine geschieht. Er wird über benötigte Werkzeuge informiert, erhält Anweisungen über die auszuführenden Arbeitsschritte und kann mit einem Knopfdruck sofort benötigte Ersatzteile bestellen.

Im Rahmen des 15. Haller Wirtschaftsforums stellte Christian Terhechte die Möglichkeiten der neuen Technologie vor und entwarf ein mögliches Zukunftsszenario. "Noch kommen wir hier alle an einem Ort zusammen. In zehn Jahren muss sich jeder, der dabei sein will, lediglich die AR-Brille aufsetzen. Alle Teilnehmer wandeln dann als Avatare durch den Raum und sind in der Lage direkt miteinander zu kommunizieren." Oder können auch mit dem Lichtschwert virtuelle Kämpfe austragen.

Information

Testen Sie selbst!

Zur Verdeutlichung von Augmented Reality haben wir in das obige Foto einen sogenannten „Marker" integriert.

So können Sie es mit ihrem Smartphone anschauen:

  1. Laden Sie die kostenlose App „Raumtänzer" im App Store (iOS) oder Google Play Store (Android).
  2. Starten Sie die App.
  3. Scannen Sie mit der App das Foto ein und sehen, was anderen verborgen bleibt.

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group