Ein Aktenstapel in einem Gerichtssaal - © Wolfgang Rudolf
Ein Aktenstapel in einem Gerichtssaal | © Wolfgang Rudolf

Rheda-Wiedenbrück Kindesmisshandlung: Rabiate Mutter erhält neue Chance

Schläge waren an der Tagesordnung. Auch sperrte sie die Kinder mehrfach in deren Zimmern oder im Heizungskeller ein.

Nils Middelhauve

Kreis Gütersloh. „Die hier angeklagten Fälle waren sicherlich nur die Spitze des Eisbergs", sagte der Vorsitzende Richter Johannes Wiemann in der Urteilsbegründung. Das Bielefelder Landgericht setzte am Dienstag, 10. Oktober, die Vollstreckung eines Urteils des Amtsgerichts Rheda-Wiedenbrück zur Bewährung aus. Dieses hatte im Dezember des vergangenen Jahrs eine 37-jährige Frau wegen Misshandlung ihrer Kinder zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Bettina H. (Name geändert) war bereits in sehr jungen Jahren dreifache Muttergeworden. Der Vater der Kinder hielt sich aus beruflichen Gründen oftmals mehrere Tage in der Woche nicht im Haus der im Kreis Gütersloh ansässigen Familie auf. Die junge Mutter fühlte sich mit der Erziehung der Kinder überfordert, Schläge waren an der Tagesordnung. Auch sperrte sie die Kinder mehrfach in deren Zimmern oder im Heizungskeller ein. 2007 schließlich trennten sich die Eltern. Zunächst blieben die Kinder noch bei Bettina H., doch weigerten sie sich 2009 nach einem Besuch bei ihrem Vater, zur Mutter zurückzukehren. Auch heute noch wollen sie nichts mit der mittlerweile 37 Jahre alten Frau zu tun haben. Bettina H. leugnete die Taten Als sich eine der Töchter 2013 wegen einer anderen Angelegenheit an die Polizei wandte, erwähnte sie beiläufig auch die Misshandlungen, die ihr und ihren Geschwistern durch die Mutter widerfahren waren – das Verfahren kam ins Rollen. Vor dem Amtsgericht Rheda-Wiedenbrück leugnete Bettina H. die ihr zur Last gelegten Taten. Das Gericht verurteilte sie dennoch zu der genannten Haftstrafe. H. und ihr Verteidiger Martin Rother legten Berufung ein. Auch in der zweitinstanzlichen Verhandlung vor dem Bielefelder Landgericht behauptete sie zunächst, „sowas meinen Kindern nicht antun" zu können. Schließlich räumte sie jedoch mehrere gewalttätige Übergriffe ein. Das Gericht bestätigte das erstinstanzliche Urteil, setzte die Vollstreckung jedoch wegen des Geständnisses und weil H. bislang nicht vorbestraft ist, zur Bewährung aus. Zum Ende der Verhandlung wandte sich Richter Wiemann direkt an die im Zuschauerraum sitzenden Kinder der Angeklagten: „Es bleibt mir nur, Ihnen alles Gute zu wünschen. Hoffentlich finden Sie den Schutzengel, der Ihnen in Ihrer Kindheit auf der Schulter gefehlt hat."

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