Enkel: Arno Heitmanns Großvater ist der Erfinder der Raupe. Deren Nachfolger heißt heute Discojet. - © Waltraud Leskovsek
Enkel: Arno Heitmanns Großvater ist der Erfinder der Raupe. Deren Nachfolger heißt heute Discojet. | © Waltraud Leskovsek

Rheda-Wiedenbrück/Herford 70 Jahre Raupe: In diesem Kultkarussel lässt es sich gut knutschen

Der Klassiker darf natürlich auch auf der Wiedenbrücker Herbstkirmes nicht fehlen. Das Event geht noch bis Dienstag, 3. Oktober

Waltraud Leskovsek

Rheda-Wiedenbrück. Vor 70 Jahren machte sich Fritz Heitmann aus Herford mit seinem selbst entwickelten Fahrgeschäft "Raupe" selbstständig. Es war kurz nach dem Krieg und die ersten Städte boten wieder einen Rummel an, um Freude zu bereiten. Das war auch das Anliegen von Heitmann und seine Raupe wurde schließlich auch zu einem Kultkarussell. So manches Paar konnte sich unter dem Verdeck, was sich am Ende der Fahrt für einige Sekunden schließt, schnell mal küssen ohne lästige Blicke von Zuschauern. Der Bischof von Münster meinte jedoch, dass sei jugendgefährdend und wollte die Raupe verbieten oder zumindest das Verdeck. Fritz Heitmann lud den Bischof auf dem Volksfest Send in Münster zu einer Freifahrt ein und ließ das Verdeck auf dieser Runde exakt 15 Sekunden unten. Danach musste selbst der Bischof zugeben, dass in so kurzer Zeit doch nicht wirklich Schlimmeres als ein flüchtiges Küsschen möglich ist und Heitmann durfte mit Verdeck weiterfahren. Die Geschichte erzählt heute gerne sein Enkel Arno Heitmann, der in der dritten Generation den Nachfolger der Raupe, den heutigen Discojet, betreibt. Anfang der 1970er Jahre lief die gute alte Raupe so nach und nach aus. "Die Menschen wollten etwas Moderneres und deshalb verkaufte mein Vater Fritz Heitmann jun. die Raupe und investierte in den ersten Musik-Express", erzählt Arno Heitmann. Heute würde aber die gute alte Raupe auf ihren Holzrampen noch auf historischen Festen häufiger zu sehen sein. Wiedenbrück sei umsatzmäßig eine sehr gute Kirmes Arno Heitmann lässt heute die dritte Generation des Musik Expresses laufen. "LED-Beleuchtung, Videoanzeigen und eine auf Disco abgestimmte Lackierung bestimmen heute das Bild und lösten die Flower-Power-Bemalung der 70er ab. Zudem haben wir nach der allerneuesten europäischen Sicherheitsnorm als einer der ersten Fahrgeschäftebetreiber umgerüstet. Darauf sind wir schon ein wenig stolz", berichtet er. Wenn das Wetter mitspiele, sei Wiedenbrück für ihn umsatzmäßig eine sehr gute Kirmes. Disco Jet sei schließlich ein Familienfahrgeschäft. Kinder in Begleitung dürfen ab vier Jahren mitfahren; ohne Begleitung schon mit acht Jahren den Fahrspaß genießen. Und weil sich die Schausteller untereinander so gut verstehen, macht Arno Heitmann für seinen Kollegen vom benachbarten Jekyll & Hyde die Musik mit, damit unnötige Lärmbelastung vermieden wird. Das wurde von vielen Seiten als sehr positiv empfunden. Es ist halt eine große Familie, die zusammenhalten muss.

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