Eine Brücke am Haken: Scheinbar schwerelos schwebt die Stahlkonstruktion über der Ems. Platziert wird sie auf den Betonfundamenten, die später nicht mehr zu sehen sein sollen. - © Waltraud Leskovsek
Eine Brücke am Haken: Scheinbar schwerelos schwebt die Stahlkonstruktion über der Ems. Platziert wird sie auf den Betonfundamenten, die später nicht mehr zu sehen sein sollen. | © Waltraud Leskovsek

Rheda-Wiedenbrück Neue Brücke über der Ems in Rheda-Wiedenbrück darf noch nicht überquert werden

65 Tonnen wiegt die Brücke über der Ems am Ratsgymnasium - freie Fahrt gibt's aber erst ab November

Waltraud Leskovsek

Rheda-Wiedenbrück. Sie ist 32 Meter lang, 3 Meter breit und rund 65 Tonnen schwer. Die neue Brücke am Ratsgymnasium gehört zum Emsradweg, der demnächst den Adenauerplatz in Wiedenbrück mit dem Doktorplatz in Rheda verbinden soll. "Freie Fahrt gibt es ab Mitte November, das ist unser Ziel", sagt Klaus Geppert, Garteningenieur bei der Flora Westfalica. Eigentlich sollte die Brücke schon vor vier Wochen kommen. Doch dann gab es kleinere Probleme wie beispielsweise die Bodenbeschaffenheit. "Er war zu instabil, musste verdichtet werden", nennt Susanne Westermann, stellvertretende Flora-Geschäftsführerin, ein Beispiel. Leichte Schwierigkeiten gab es auch bei der Brückenanlieferung: Der dafür benötigte 650-Tonnen-Autokran saß mit einer Panne auf der Autobahn fest. Das Gerät gehört zu den größten mobilen Kränen Deutschlands. Er verfügt über vier Stempel mit einem Druck von je 192 Tonnen. Das geplante Unterfangen musste kurzerhand von 7 Uhr morgens auf den Nachmittag verlegt werden. Doch dann lief alles genau nach Plan. Für exakt 16 Minuten wurde der Nordring gesperrt, damit der lange Transporter mit der Brücke, der auf dem gegenüberliegenden Parkstreifen am Friedhof zwischenzeitlich parkte, rückwärts in die Trasse am Ratsgymnasium einfahren konnte. Die Autofahrer nahmen es gelassen - denn was sind schon ein paar Minuten Wartezeit für eine Brücke, die 100 Jahre halten soll. Der Verkehr wurde zudem von der Polizei umgeleitet, sodass es zu keinerlei Behinderungen kam. Nach dem Einpark-Prozedere wurde die tonnenschwere Brücke an den Haken genommen. Ganz langsam schwebte sie hoch über der Ems in Richtung der Brückenpfeiler mit einer Größe von 4,80 mal 4,80 Meter, die später nicht mehr zu sehen sein werden. Gegründet sind die Pfeiler auf Bohrpfählen, die neun Meter tief in das Erdreich eingelassen worden sind. Am Ende der rund 90-minütigen Aktion atmeten alle erleichtert auf: Das Bauwerk passte perfekt. Angebunden wird die Brücke an das 500 Meter lange Wegenetz, das derzeit am Emssee erneuert wird. Für die erste Novemberhälfte rechnet Geppert damit, dass die Strecke vom Nordring entlang des Schulhofs des Ratsgymnasiums Richtung Konrad-Adenauer-Platz asphaltiert wird. "Unser Ziel ist es, das in einem Rutsch zu machen." Durch die Maßnahme würden der Schulbereich und der Park miteinander verschmelzen, weil die Ems auch vom Radweg am Ratsgymnasium aus künftig zu sehen sein wird, erläutert der Garteningenieur, dass es dort "eine ganz neue Sichtbeziehung geben wird". Für Radfahrer bietet der neue Radweg eine noch bessere und schnellere Verbindung zwischen den Stadtteilen. Die alte Brücke war laut Flora Westfalica nach über 50 Jahren erneuerungswürdig. Sie war mit 1,70 Metern für den Begegnungsverkehr zu schmal, ihr Geländer war zu niedrig, sie war nicht behindertengerecht und durch den Holzbelag war sie zudem oft sehr rutschig. Die neue Brücke ist eine leichte Stahlkonstruktion mit rutschfestem Spezialbelag und einer besonders leichten Geländerkonstruktion. Sie hat eine maximale Steigung von sechs Prozent und ist damit behindertengereicht. Die Baukosten belaufen sich auf insgesamt 800.000 Euro - etwa 500.000 Euro für die Brücke und 300.000 Euro für den Wegebau. Die Flora rechnet mit 400.000 Euro Förderung vom Land NRW.

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