Zugang gesperrt: Ein Lastenkran steht vor dem Schloss in Rheda. Dort wird momentan die alte Steinbrücke, die über die Gräfte führt, aufwendig saniert. Fachleute haben bei einem Ortstermin erklärt, was bei dieser Sanierung berücksichtigt werden muss. - © Wilhelm Dick
Zugang gesperrt: Ein Lastenkran steht vor dem Schloss in Rheda. Dort wird momentan die alte Steinbrücke, die über die Gräfte führt, aufwendig saniert. Fachleute haben bei einem Ortstermin erklärt, was bei dieser Sanierung berücksichtigt werden muss. | © Wilhelm Dick

Rheda-Wiedenbrück Schloss Rheda: Sanierung der Steinbrücke teilweise gefährlich

Vor allem Arbeiten am Traggewölbe sind riskant

Wilhelm Dick

Rheda-Wiedenbrück. Nichts hält ewig. Das gilt nicht zuletzt auch für Baumaterialien: Maximilian Fürst zu Bentheim-Tecklenburg weiß ein Lied davon zu singen: Der Hausherr auf Schloss Rheda sieht sich im ständigen Bemühen um den baulichen Erhalt des Familienerbes. Derzeit läuft die Sanierung der alten Steinbrücke, die über die Gräfte hinauf zum Tor des Schlosses führt. Ein aufwendiges Unterfangen, das jetzt im Interesse von Fachleuten stand, die sich zum Ortstermin getroffen hatten. Seit gut drei Wochen – gerechnet wird mit einer Bauzeit von acht Wochen – sind Bauarbeiter damit beschäftigt, eines der beiden Trage-
Gewölbe der Brücke komplett neu aufzubauen. Arbeiten, die nicht ungefährlich sind, „weil ein sehr hoher Druck auf den jeweils umgebenden Materialien lastet", wie Architekt 
Eckhard Send vom Büro Wischke und Send aus Verl, erläutert. Wie bei einem Tonnengewölbe stützen sich auch die Steine des Brückentragwerkes gegenseitig. Eine stabile Holzkonstruktion stützt das Bauwerk von unten, während oben die Bauarbeiter Druckstein auf Druckstein neu setzen. „Wir standen eingangs vor der schwierigen Frage, wie die Statik der Brücke beschaffen ist," so Send weiter, „um auch sicher arbeiten zu können". Weil da schnell Entwarnung gegeben werden konnte, hatte sich auch Plan B (kompletter Abriss und Neubau der Brücke) erledigt. „Wir bauen das Tragwerk jetzt nach alter Technik wieder auf", freut sich der Architekt zusammen mit dem Hausherrn. „Der Zahn der Zeit hatte eben auch an der Brücke genagt", erinnerte Maximilan Fürst zu Bentheim-Tecklenburg an das Jahr 2014, als erstmals über eine Sanierung der Schlossbrücke nachgedacht wurde. Dass immer mehr Sand aus dem Gemäuer rieselte, hatte aufhorchen lassen. „Der verwendete Kalkstein wird eben mit den Jahrhunderten porös", verweist der Architekt darauf, dass manch Stein, den man aus dem Tragwerk entnahm, in faustgroße Stücke zerbröselte. Die Bauarbeiten hatten auch Hans Werner Peine auf den Plan gerufen. Der Historiker beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe sah die Chance, über die Bauarbeiten weitere Erkenntnisse zur Bauhistorie von Schloss Rheda gewinnen zu können. Und er freute sich, bei dieser Gelegenheit auf die uralte Umfassungsmauer gestoßen zu sein, welche den gut zehn Meter hoch aufgeschütteten Mottenhügel bei der ersten Gründung der Anlage im 12. Jahrhundert umgeben hatte: „Die Umfassung war bis zu drei Meter stark und aus Kalkstein gebaut". Aus dieser Mauer wurden dann vermutlich auch Steine für den Bau der Brücke entnommen, die die ursprüngliche Zugbrücke ersetzt hatte, wie der Hausherr und der Historiker übereinstimmend vermuten. Das genaue Alter der Steinbrücke lässt sich indes nicht bestimmen, bedauern beide. „Frühneuzeitlich, spätes 17. oder frühes 18. Jahrhundert", so Peines Einschätzung. „Förderung aus Denkmalmitteln ist eine Daueraufgabe" Für die Baumaßnahme erhält das Haus Bentheim-Tecklenburg einen Zuschuss „im niederen fünfstelligen Bereich", so Klaus Landwehr von der Unteren Denkmalbehörde. „Auf den der Bauherr den gleichen Betrag aus eigener Tasche drauf legt", befleißigte sich dieser sogleich anzumerken. „Die Förderung des Schlosses aus Denkmalmitteln ist eine Daueraufgabe", so der heimische Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus, „ich schaue immer wieder mal nach, dass die öffentlichen Gelder hier auf fruchtbaren Boden fallen". Gut angelegt sei das Geld allemal, „weil es sich bei Schloss Rheda um ein hohes nationales Kulturgut handelt".

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