Was zu gucken: Christoph Kümmel (l.) und Patrik Bernstein stehen an dem Sideboard, in das ein 65-Zoll-OLED-Fernseher integriert ist. Ist der ausgeschaltet, fällt er in der schwarzen Front von "jorel" nicht auf. - © Marion Pokorra-Brockschmidt
Was zu gucken: Christoph Kümmel (l.) und Patrik Bernstein stehen an dem Sideboard, in das ein 65-Zoll-OLED-Fernseher integriert ist. Ist der ausgeschaltet, fällt er in der schwarzen Front von "jorel" nicht auf. | © Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück Interlübke präsentiert einzigartiges Möbelstück

Die Idee des Marketingleiters: Ein TV-Flachbildschirm wird mit einem Sideboard kombiniert

Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück. Wie Kinder haben sich Patrik Bernstein und Christoph Kümmel am Donnerstag gefreut, als sie sahen, dass aus einer Idee ein reales Möbel geworden war. "Das ist eine Weltneuheit", verkündete Bernstein, der seit einem Jahr Geschäftsführer der Lübke GmbH und damit von Interlübke ist. Die Idee ist: Einen Fernseher in ein Sideboard zu integrieren. Die hatte Kümmel, der seit zwei Jahren bei Interlübke Produktentwicklung und Marketing verantwortet, beim Bummel durch einen Elektrofachmarkt. Dort sah er einen OLED-Fernseher mit einem 3,85 Millimeter tiefen Bildschirm. Und dachte an das bei der Möbelmesse zu Jahresanfang erstmals präsentierte Sideboard "jorel" mit einer 4 Millimeter starken Front. Der gelernte Schreiner schlug Bernstein vor, das 3,50 Meter breite Sideboard und den 65-Zoll-Bildschirm zu kombinieren. Entschieden war darüber nach zwei Minuten. Jetzt "verschwindet das schwarze Loch, wenn der Apparat ausgeschaltet ist, optisch", so Kümmel. Eine Idee, die besonders Frauen, "die sichtbare Technik im Wohnzimmer nicht mögen", schätzen sollen. Und die sind in der Möbelbranche kaufentscheidend - auch bei dem Sideboard für 23.000 Euro. Präsentiert wird die Weltneuheit bei den Partnertagen im neu gestalteten Showroom. Dort wird das gesamte Sortiment des "Erfinders des Endlosschranksystems, der Möbel und Architektur vereint", so Kümmel, gezeigt. Dazu gehören das Bettkonzept "izzy", der 40 Jahre alte Regalklassiker "studimo" oder das Sideboard "cube" in allen Varianten. Durch den Umbau wurde der Showroom, dessen Einrichtung vor zwei Jahren 400.000 Euro gekostet hatte, fast doppelt so groß. "Aber die Investition war kleiner", so Bernstein. Geöffnet ist die Ausstellung auch für Endkunden. Am Wochenende sind die Fachhändler an der Ringstraße 145 willkommen. Erwartet werden im Showroom im Oktober auch zwei Delegationen aus Korea und China. "In Asien sehen wir Wachstumspotenzial", so Bernstein. Dort zählten deutsche Tugenden, die zwar kosten würden, doch gebe es fürs Geld hohe Qualität. "Made in Germany" sei besonders bei der Ausstattung von Wohnungen gefragt. Es ist Trend, in Hochhäusern der Millionenstädte Appartements möbliert anzubieten. Da gehe es schon mal um 100 Schrankwände. "Über die Mengenabfrage bekommen wir richtig Schwung in die Bude", so der 60-Jährige. Das stabilisiere das Kerngeschäft, das eher in der Einzelfertigung liege. Um die Produktion effizienter zu gestalten, wird in Plattformen gedacht, gibt es beispielsweise nur noch eine Schublade statt fünf für alle Programme, erklärt Kümmel. Klar sei, dass kein Personalabbau geplant sei. Etwa 60 Mitarbeiter hatten das Unternehmen nach der Insolvenz und der Sanierung verlassen. Peter Rutishauser und Richard Lenz , die Interlübke von der Unternehmerfamilie Lübke im Oktober 2014 gekauft hatten, haben inzwischen fünf Millionen Euro in das Unternehmen investiert. "Sie haben Visionen und stehen hinter dem Betrieb, auch wenn es in schwierigen Zeiten keinen Gewinn gab", sagt Bernstein. Er lobt auch die Kompetenz der Mitarbeiter. Der 60-Jährige sagt, dass "die fantastische Marke Interlübke" nach "der schmerzhaften, aber richtigen und wichtigen Sanierung" nun mit einer deutlich besseren Profitabilität da stehe. Er ist sicher, dass das Unternehmen, das in diesem Jahr sein 80-jähriges Bestehen feiert, die Gewinnschwelle im kommenden Jahr überschreiten werde. "Ich bin überzeugt, dass wir ordentlich wachsen können, aber das geht nicht über Nacht." Geschäftsführer verbreitet Optimismus Zuversicht und Optimismus strahlt Patrik Bernstein, Interlübke-Geschäftsführer, aus. Das teilen die 160 Mitarbeiter des Systemmöbelherstellers, so Petra Fischer, Marketing. Seit einem Jahr ist der Schwede bei dem Unternehmen tätig. In 40 Berufsjahren hat er in acht Branchen gearbeitet, war auch sieben Jahre in Asien aktiv. Zuletzt war Bernstein im Turnaroundbusiness, bei dem es darum geht, Betriebe wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Selbstständig tätig war der 60-Jährige in den 90er Jahren: Er entwickelte eine Kinderbühne, die in ein Golfbag passt, ließ sie patentieren und verkaufte sie mit einem Ausbildungskonzept gegen Mobbing an Kitas und Schulen. Mit Möbeln hatte Bernstein beruflich noch nichts zu tun. Es sei sehr deutsch, zu glauben, dass der Chef alles können müsse. Er hat eine andere Führungsphilosophie. Ihm geht es darum, Fähigkeiten aus den Mitarbeitern herauszuholen, sie sollen eine Eigendynamik entwickeln. Das klappe bei Interlübke gut. „Die Kollegen kommen mit superguten Ideen." Der 60-Jährige ist stolz, dass ihm die Geschäftsführung angetragen wurde. „Geht alles gut, wird das hier meine Meisterprüfung – ich bin da, um hier zu bleiben."

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