Bei der Qualitätsüberprüfung: Martin Nowosad (l.) und Wolfgang Bauch stehen auf einem der neu gepflasterten Bahnsteige, die auch auf 76 Zentimeter erhöht wurden, um einen höhengleichen Ein- und Ausstieg in die Züge zu gewährleisten. - © Marion Pokorra-Brockschmidt
Bei der Qualitätsüberprüfung: Martin Nowosad (l.) und Wolfgang Bauch stehen auf einem der neu gepflasterten Bahnsteige, die auch auf 76 Zentimeter erhöht wurden, um einen höhengleichen Ein- und Ausstieg in die Züge zu gewährleisten. | © Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück Bahnhof Rheda: Aufzüge stehen noch still

Offizielle Übergabe des modernisierten Bahnhofs soll am 16. Oktober stattfinden – dann sollen auch die Aufzüge funktionieren

Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück. Der beschwerliche Aufstieg zu den Gleisen wird für Rollstuhl- und Fahrradfahrer, für Rollatorbenutzer, Kofferschlepper und Kinderwagenschieber leichter: Am Montag, 16. Oktober, gehen die Aufzüge im Bahnhof Rheda in Betrieb. Bis dahin muss die Verbindung zum Sicherheitszentrum Dortmund stehen. Derzeit hat sie „wechselnde Qualitäten in der Stabilität", sagt Martin Nowosad, Leiter des für Ostwestfalen-Lippe zuständigen Bahnhofsmanagements. Weil die Leitung noch nicht zu 100 Prozent steht, stehen die Aufzüge still, die Anfang 2017 im Zuge der Modernisierungsoffensive am Bahnhof Rheda eingebaut wurden. Die Ursachen, warum der Notruf immer wieder instabil ist, „sind teils nicht nachvollziehbar", sagt Nowosad. Einmal pro Woche wird jede Station getestet. Dann wird in jedem Aufzug der Notruf betätigt. Doch nicht immer kommt der Hilferuf im Sicherheitszentrum in Dortmund, das bis vor kurzem in Bielefeld war, an. „Am Bahnhof Gütersloh gab es denselben Zirkus", sagt Nowosad. Und: Auch da wurde das Problem gelöst. „Wenn wir 2017 sagen, dann meinen wir
das ganze Jahr" Doch betont er, dass das Sicherheitszentrum jederzeit erreichbar sein muss, sollte mal jemand im Aufzug stecken bleiben. Kann das nicht gewährleistet werden, „werde ich die Aufzüge nicht freigeben". Und Nowosad erinnert, dass er seit Baubeginn im April 2015 immer gesagt habe, dass die Arbeiten am und im Rhedaer Bahnhof in diesem Jahr abgeschlossen werden. „Und wenn wir 2017 sagen, dann meinen wir das ganze Jahr." Bei der Übergabe des modernisierten Bahnhofs werden auch die auf die Aufzüge ausgerichteten Videokameras eingeschaltet. „Gibt es einen Notruf, können die Mitarbeiter direkt gucken, was da los ist", spricht Nowosad aber nur von einer punktuellen Überwachung. Er schaut mit seinem Kollegen Wolfgang Bauch, zuständig für Ausstattung, Ordnung und Sicherheit, im Bahnhof Rheda nach dem Rechten. Die Qualitätsüberprüfung zeigt, was bis zum 16. Oktober, also in knapp fünf Wochen noch alles erledigt werden muss. Beide Mitarbeiter des Bahnhofsmanagements finden es „unglaublich", welchen Anblick der neu gemachte Durchgang zu den Gleisen bietet. Ein Mal sei der schon grundgereinigt worden – wovon aber kaum noch etwas zu sehen ist. Zwar räumt Nowosad ein, dass „wir für die Sauberkeit des Durchgangs zuständig sind". Doch sieht er auch die Zugfahrer in der Verantwortung, „wenn es hier so siffig aussieht". Auch die Fahrradfahrer, die durch den Tunnel „durchbrettern", würden für viele Verschmutzungen sorgen. Eigentlich müssten die absteigen, da sei die Bahn mit der Polizei und dem Ordnungsamt im Gespräch. Doch im Moment ist auch die automatische Tür des Durchgangs zur Straße „Am Bahndamm" defekt. Sie steht permanent offen, was manch einen zur freien Durchfahrt regelrecht einladen könnte. „Da muss ruckzuck einer rauskommen und das reparieren und sauber machen", meint Nowosad. Auch einige der hellen Wandelemente in der Personenunterführung müssen ausgetauscht werden. Obwohl sie neu sind, wirken sie alt und sind verdreckt. Dass hinter der Verkleidung bei viel Regen auch schon mal Wasser von oben herunter läuft, sei normal. „Hätten wir dir Brücken darüber alle erneuert, dann hätte das einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet", informiert der Bahnmitarbeiter. Auf die Frage, ob die hellen Bodenfliesen falsch gewählt worden seien, weil sie zu empfindlich für weggeworfene Kaffeebecher und ausgespuckte Kaugummis sind, meint Bauch: „Der Belag muss kontrastreich sein, damit Sehbehinderte den Leitstreifen in der Mitte erkennen können." Auf den Bahnsteigen sind eben diese weißen Pflasterungen sauber. „Das liegt am Regen, am Wind und an den Verwirbelungen der durchfahrenden Züge", sagt Bauch. Doch auch dort gibt es noch Kleinigkeiten, die zu erledigen sind. Gekennzeichnete Raucherbereiche fehlen, ein beschädigtes Rheda-Wiedenbrück-Schild muss erneuert und der Grünbewuchs entfernt werden. „Weil dann der Zugverkehr eingestellt werden muss" Keine Kleinigkeit ist die Ausbesserung eines undichten Daches auf einem der Bahnsteige. Das kann ein Handwerker wegen der nahen Oberleitungen aber nur dann sicher reparieren, wenn der Strom abgestellt ist. „Da müssen wir eine Sperrpause der DB Netz AG abwarten, weil der Zugverkehr eingestellt werden muss", erklärt Nowosad. Auch das Gebäude, das auf dem Bahnsteig zu den Gleisen 9 und 10 steht, sollte eigentlich im Zuge der 6,4 Millionen Euro teuren Modernisierungsoffensive abgerissen werden. Doch in dem Häuschen, ehemals als Lastenaufzug genutzt, befindet sich nicht nur die Belüftung für die im ehemaligen Gepäcktunnel untergebrachte Radstation des Vereins Pro Arbeit, sondern auch eine Nottreppe. „Das Gebäude steht zwar noch in 100 Jahren", meint Bauch, „aber es soll künftig ansprechender werden". Es gibt bis zur „schlüsselfertigen Übergabe" des modernisierten Bahnhofs also noch ein bisschen zu tun. „Aber dann will ich einen komplett intakten und funktionierenden Bahnhof haben", betont Nowosad. Und die Kleinigkeiten, die dann noch fehlen, werden bis Jahresende erledigt sein.

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