Geschichtliches: Der Bauhistoriker Laurenz Sandmann aus Warendorf (rechts) erläuterte den interessierten Gästen die Geschichte des Haues Roggenkamp. Gerade wird der Fachwerkbau gründlich saniert und umgebaut. - © Waltraud Leskovsek
Geschichtliches: Der Bauhistoriker Laurenz Sandmann aus Warendorf (rechts) erläuterte den interessierten Gästen die Geschichte des Haues Roggenkamp. Gerade wird der Fachwerkbau gründlich saniert und umgebaut. | © Waltraud Leskovsek

Rheda-Wiedenbrück Fachwerkhaus in der Rhedaer Altstadt konnte besichtigt werden

Gerade wird das Haus Roggenkamp, ein Fachwerkbau aus dem Jahre 1606 Am Großen Wall 44, saniert. Interessierte konnten Einblicke bekommen

Waltraud Leskovsek

Rheda-Wiedenbrück. 53 Jahre hat das Ehepaar Hanna und Helmut Roggenkamp Am Großen Wall 44 sein Kunsthandwerkgeschäft betrieben und auch dort gelebt. Im letzten Dezember, nachdem Sohn Markus noch einige Jahre das elterliche Unternehmen weitergeführt hat, wurde das Geschäft geschlossen. So wie es jetzt war, konnte das Ehepaar Roggenkamp aber nicht weiter in dem unter Denkmalschutz stehenden Haus wohnen. Sie benötigen jetzt ebenerdige Räume und auch sonst musste das aus dem Jahre 1606 stammende Haus mal wieder gründlich saniert werden. Ihre Tochter Ina Schüttert, die das Haus geerbt hat, renoviert es nun so, dass ihre Eltern dort wohnen bleiben können. Das freut die beiden natürlich sehr, denn schließlich haben sie an diesem Ort ihr gesamtes gemeinsames Leben verbracht, und sie fühlen sich in der Altstadt von Rheda auch sehr wohl. Der ausführende Architekt Frank Hurlbrink, der Heimatverein Rheda mit Dr. Wolfgang Lewe, Klaus Landwehr von der Stadt Rheda-Wiedenbrück und der Bauhistoriker Laurenz Sandmann hatten nun mitten in der Sanierungsphase interessierte Menschen und insbesondere die Nachbarn eingeladen, um mal einen Blick in die Baustelle zu werfen. „In solchen Häusern kann man lesen 
wie in Büchern" Klaus Landwehr betonte, dass die Stadt froh sei, dass Sandmann sich das Haus genauer angesehen hat, weil er in jedem alten Haus erkennt, wie dort gelebt wurde, wie oft es umgebaut und verändert wurde und was für Menschen dort gelebt haben könnten. Sandmann erklärte den Anwesenden, dass Menschen ein Haus nach ihren Bedürfnissen bauen. Nachfolgende Generationen bauen es um, weil sie vielleicht mehr Räume benötigen oder sie andere Ansprüche haben. „In einem alten Haus kann man wie in einem Buch lesen, weil kein Haus wie das andere ist", erklärt er. Die Deele, die zu Beginn der Renovierung ein langer Flur war, wurde nun wieder in ihren Urzustand als L-Form zurückversetzt. Dadurch ist viel Weite entstanden und nach oben bleibt die Deele offen. Für zwei Stockwerke sei die Deckenhöhe zu niedrig gewesen, deshalb hätte man sich auf die offene Variante geeinigt, so Hurlbrink. Unten wird es demnächst ein Schlafzimmer, ein Bad, eine Küche und die Deele als zentralen Wohnraum geben. Und noch ein kleines Gästezimmer in einer zweiten Etage mit nur zwei Metern Deckenhöhe. Im Dachgeschoss wird eine Ferienwohnung installiert. Hurlbrink legt bei seiner Renovierung großen Wert auf natürliche Baumaterialien wie Lehmputz, was der Bauhistoriker anerkennend lobte. „Solche Häuser müssen atmen", betonte er. Da das Haus etwas windschief war und einige Balken Risse aufwiesen, hat Hurlbrink das ganze Haus mit Stahlzugbändern versehen und eine Stahlbetondecke entfernen lassen, um das Haus gewichtsmäßig zu entlasten. Sogar 200 Jahre alte Fenster sind noch vorhanden und werden auch im Haus bleiben. Lewe konnte anhand alter Unterlagen belegen, dass das Haus am Wall zunächst eine Scheune war und erst später als Wohnhaus umgebaut wurde. Die Stadt ist froh, dass dieses schmucke Haus der Altstadt erhalten bleibt.

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