In nur wenigen Wochen hat die Langenberger Baufirma Krähenhorst den Neubaukomplex auf einem bisher brachliegenden Grundstück Am Holzbach/Nordstraße hochgezogen. Es werden aber viel mehr preiswerte Wohnungen benötigt. - © Marion Pokorra-Brockschmidt
In nur wenigen Wochen hat die Langenberger Baufirma Krähenhorst den Neubaukomplex auf einem bisher brachliegenden Grundstück Am Holzbach/Nordstraße hochgezogen. Es werden aber viel mehr preiswerte Wohnungen benötigt. | © Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück In Rheda-Wiedenbrück fehlen mindestens 1.000 Wohnungen

Der neue Technische Beigeordnete überbringt alarmierende Nachrichten

Rheda-Wiedenbrück. In der Stadt Rheda-Wiedenbrück fehlen derzeit mindestens 900 bis 1.000 Wohnungen. Sein „Bauchgefühl" sagt dem neuen Technischen Beigeordneten Stephan Pfeffer: „Es sind wohl auch deutlich mehr." Allein im Kreis Gütersloh müssten in den nächsten vier Jahren mehr als 10.000 neue Wohnungen gebaut werden, in Nordrhein-Westfalen seien es 400.000. Um der Nachfrage auch nur annähernd nachzukommen, müsse sich die Bautätigkeit „nahezu verdoppeln". Der sogenannte Siedlungsdruck sei hierzulande inzwischen sogar „größer als in Düsseldorf oder Münster", so Pfeffer. Vor diesem eigentlich alarmierenden Hintergrund diskutierten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses einen Antrag der CDU-Fraktion, eine Wohnraumstudie von einem externen Fachbüro erarbeiten zu lassen. 40.000 Euro sollen dafür im Haushalt 2017, den der Rat am Montag, 12. Dezember, verabschieden will, vorgesehen werden. Demgegenüber sprachen sich SPD, Bündnisgrüne und FDP für ein weitergehendes Wohnraumentwicklungskonzept aus, scheiterten mit diesem Ansinnen aber an der CDU-Mehrheit, die wiederum ihren eigenen Antrag gegen die Stimmen der Opposition (bei Enthaltung der FDP) durchsetzte. Demnach soll die Wohnraumstudie sowohl die Bestandsaufnahme des derzeitigen Wohnraums in Rheda-Wiedenbrück als auch „eine mittelfristige Entwicklung beinhalten". Unter anderem geht es um Punkte wie Leerstände, abrissreife Häuser und Wohnungen, die Bevölkerungs- und Haushaltsentwicklung, Zuwanderung (Flüchtlinge), Altersstruktur oder Mietentwicklung. CDU-Fraktionschef Uwe Henkenjohann: „Es geht uns um eine fundierte Grundlage für weitere Entscheidungen." Der Stadt selbst stünden derzeit kaum Flächen für den geförderten Wohnungsbau zur Verfügung, insbesondere nicht für mittlere und untere Einkommensgruppen. Volker Brüggenjürgen (Bündnisgrüne) bewertete den CDU-Vorstoß als „nahezu grotesk". Das Thema kommunaler Wohnungsbau schwele seit mehr als zwei Jahren, „wir haben Sie immer wieder darauf hingewiesen". Aus diversen Gutachten und Erhebungen früherer Jahre stünden bereits ausreichende Daten, Fakten und Tabellen für eine eigene kommunale Wohnungsbaupolitik zur Verfügung – da sei der neue Antrag der CDU-Fraktion einfach nur „heuchlerisch". „Wir müssen wieder rein in das Thema Wohnungsbau" Auch SPD-Sprecher Dirk Kursim bescheinigte der CDU, in der Vergangenheit „nicht als gestalterische Kraft, sondern als Verhinderer gewirkt" zu haben. „Jetzt tun Sie mal nicht so, als ob Ihnen die Wohnungsnot in dieser Stadt so am Herzen liegt", so Kursim. Er und auch Brüggenjürgen sprachen sich dafür aus, anstelle einer Studie gleich in ein umfassenderes Wohnraumentwicklungskonzept einzusteigen. Patrick Büker (FDP) bescheinigte der CDU immerhin, „die Notwendigkeit erkannt zu haben, tätig zu werden". Dabei sei die Lösung des Problems doch „so einfach: Wohnungen bauen". Henkenjohann blieb indes bei seiner Linie. „Der Prüfantrag bleibt so, wie er ist. Punkt." Die Kritik der anderen Fraktionen wies er zurück. Wenn es zuletzt nach der SPD gegangen wäre, so Henkenjohann, dann hätte die Stadt womöglich zehn Millionen Euro zur Gründung einer eigenen Wohnungsbaugesellschaft in den Sand gesetzt. Henkenjohann: „Abstrus und völlig an der Realität vorbei." Es seien „längst neue Antworten" auf die Wohnungsbauproblematik erforderlich. Pfeffer erklärte, dass der CDU-Prüfantrag sicherlich in ein Wohnungsbauentwicklungskonzept münden werde. Zuvor müssten aber die konkreten Bedarfe geklärt und Punkte wie Baulücken oder „mobilisierbare Flächen" in privatem und städtischem Eigentum geklärt werden. Es gehe unter dem Strich um ein „machbares Handlungskonzept", so der Technische Beigeordnete. Bürgermeister Theo Mettenborg sagte, dass es für die Erarbeitung der Studie „keine Ressourcen im Rathaus gebe". Mettenborg: „Wir müssen aber wieder rein in das Thema Wohnungsbau." Angesichts der ungefähren Kosten von 40.000 Euro für die Studie „wird die Stadt einen Mehrwert generieren", gab Mettenborg sich zuversichtlich. Kommentar Nun soll also – wieder mal – geprüft werden. Wie es eigentlich um die Wohnraumsituation in dieser Stadt bestellt ist. Um die 40.000 Euro soll die Erhebung kosten. Soweit, so gut. Oder? Viel wichtiger als diese neue Studie wäre aber ein Signal aus der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses heraus gewesen, ein Signal der Einmütigkeit und Entschlossenheit. Statt die Wohnungsnot, deren Auswirkungen längst bedrohliche Züge für unsere Zivilgesellschaft annehmen, einmütig voranzutreiben und den sozialen Wohnungsbau endlich ganz nach oben auf die politische Agenda zu setzen, ergingen sich die Kommunalpolitiker in einer Kabbelei, ob denn nun eine Studie oder ein Konzept erforderlich sei. Was soll das? Bei Quadratmeterpreisen, die in dieser Stadt längst an der 300-Euro-Grenze – je Quadratmeter! – schrappen, angesichts eines auch von gewinnorientierten Privatinvestoren weitgehend leer gefegten Grundstücksmarktes wäre nun die geballte und konzentrierte Handlungs- und Gestaltungskraft des Rates und der Verwaltung vonnöten. Zumal die Ergebnisse einer sozialen Wohnungsbaupolitik den Menschen ja nicht von heute auf morgen, sondern erst in einigen Jahren zugute kämen. Ineffektive Debatten für die Galerie – die braucht kein Mensch.

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