In Tracht: Margarita Große-Aschoff (r.) zeigt den Reisenden, wie in Peru Babys im "Manta" getragen werden. - © Waltraud Leskovsek
In Tracht: Margarita Große-Aschoff (r.) zeigt den Reisenden, wie in Peru Babys im "Manta" getragen werden. | © Waltraud Leskovsek

Rheda-Wiedenbrück Preis: Weltreisen durch die Wohnzimmer in Rheda-Wiedenbrück

Eine Peruanerin erzählt in ihrem Wohnzimmer von der Heimat. Und der Ursprungsidee von Catrin Geldmacher wurde eine besondere Anerkennung zuteil

Waltraud Leskovsek

Rheda-Wiedenbrück. Im Haus der gebürtigen Peruanerin Margarita Große-Aschoff und ihrem Mann Wolfgang gab es die 281. Weltreise durch Wohnzimmer. Bei diesem Ausflug erzählen Menschen, die nicht in Deutschland geboren wurden, zwei Stunden lang von sich, ihrer Familie und ihrem Herkunftsland. Ängste und Vorurteile werden so abgebaut, die Reisenden lernen Menschen und ihre Kulturen kennen. Erfunden hat die Weltreisen Catrin Geldmacher. Sie wünschte sich von Anfang an, dass es die Weltreisen möglichst weltweit gibt - so entspricht es ihrer Idee. Über 2.500 Menschen haben sich bislang seit 2011 auf die Reise in fremde Wohnzimmer begeben. "Ich denke, nur so wird es uns gelingen, unsere Mitbürger besser kennen zu lernen, sie zu verstehen und ihnen Mut zu geben, von sich zu erzählen", erklärt Geldmacher. Margarita lebt seit zwölf Jahren in Deutschland. Sie kommt aus den Anden, aus dem Dorf Ocobamba. In landestypischer Tracht erzählte sie den 14 Gästen aus ihrer Heimat. Wie beispielsweise das Tragetuch, genannt "Manta", geschickt gefaltet wird. Sie faltete es und wickelte eine Puppe darin ein, um zu zeigen, wie Mütter in Peru ihre Babys auf dem Rücken tragen. Denn die die Frauen in ihrer Heimat müssen viel arbeiten, können so ihren Nachwuchs mit aufs Feld nehmen. Muss das Kind gestillt werden, wird es einfach nach vorne gedreht und die Mutter kann weiter arbeiten. Margarita und ihr Mann haben zwei Töchter. Auch hier benutzt die gebürtige Peruanerin das Tuch, wenn ihr jüngstes Kind mit seinen 18 Monaten Zuneigung und Wärme braucht. Die Gastgeberin erzählte auch, wie man in den Bergen auf rund 3.500 Meter Höhe lebt, welche Feste gefeiert werden und welche Traditionen es gibt. Das Leben ist dort einfach. Margarita hat nach der Schule ein Jahr in ihrer Heimat gearbeitet und kam dann nach Deutschland, als Au-pair-Mädchen. Das machte ihr sehr viel Spaß, doch erlebte die junge Frau zunächst einen richtigen Kulturschock. Strom, fließendes, warmes Wasser, Telefon oder Computer gab es in ihrem Dorf nicht, und schon gar nicht solch eine große Auswahl an Lebensmitteln, Spielzeug und Kleidung. Margarita holte in Deutschland ihr Abitur nach und wollte studieren. Dann traf sie ihre große Liebe, wollte lieber Kinder haben und machte statt des Studiums eine Ausbildung zur Erzieherin. Dass die Menschen in Rheda-Wiedenbrück erfahren, woher sie kommt, ist ihr wichtig. Ihre Kinder werden mehrsprachig erzogen. Neben Deutsch lernen sie direkt Spanisch und Quechua, die Muttersprache in ihrem Dorf. "Ich finde es toll, wenn sich meine Kinder auch mit meiner Mama unterhalten können." Demnächst wird die Peruanerin mit ihrer Familie wieder für einige Monate in die alte Heimat reisen, damit die beiden Mädchen Suyana und Tamya das Dorf und auch ihre Großmutter kennenlernen. Eingebettet in die Weltreise war eine Preisverleihung. Der am 17. Januar 2015 gegründete gemeinnützige Verein "Weltreise durch Wohnzimmer" erhielt den Preis "Land der Ideen" zum Thema "Nachbar-schafft-Innovation". Aus 1.000 Bewerbungen wurde der Rheda-Wiedenbrücker Verein unter anderem ausgewählt. Marc Brinkhoff von der Deutschen Bank, die diesen Wettbewerb im elften Jahr ausschreibt, überreichte die Urkunde. Dotiert ist der Preis nicht; es geht vielmehr um die Wertschätzung einer guten Idee und ihre Verbreitung. Die Urkunde hat Bundespräsident Joachim Gauck unterschrieben. "Sie haben es geschafft, ohne Gepäck und ohne Reisestress mit den Gästen in ein anderes Land zu reisen, authentisch und interessant. Das einzige, was die Mitreisenden benötigen, ist Neugierde und Weltoffenheit", sagte Brinkhoff. Selten sei er so sympathisch gereist, wie nach Peru. Im September 2017 möchte Catrin Geldmacher möglichst in jedem Bundesland eine Weltreise stattfinden lassen.

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