Zumindest auf einen Mediator wollen sich Clemens (r.) und Robert Tönnies nun einigen. - © Wolfgang Rudolf
Zumindest auf einen Mediator wollen sich Clemens (r.) und Robert Tönnies nun einigen. | © Wolfgang Rudolf

Rheda-Wiedenbrück Neue Wendung bei Tönnies: Schlachter suchen Schlichter

Robert Tönnies hatte seinem Onkel vorgeworfen, vom Konzern zu viel Geld kassiert zu haben / Nun soll ein Schlichter gefunden werden

Martin Krause

Es war der Erfolg von Jörg Schröder, dem Vorsitzenden Richter der 9. Zivilkammer des Landgerichts Bielefeld. In dem Bemühen, die Streithähne im Kampf um die Macht im Tönnies-Konzern zu einer außergerichtlichen Einigung zu bewegen, scheint er einen Schritt weiter gekommen zu sein. Clemens Tönnies (59) und sein Neffe Robert (37), die beiden 50-Prozent-Gesellschafter des größten deutschen Schlachtkonzerns, wollen nun – mit richterlicher Hilfe – einen Mediator suchen. Das Gericht will auch die Einigung auf Regeln für die Schlichtung begleiten. Die WÜNSCHE DER GEGNER Robert Tönnies fordert von seinem Onkel Clemens wegen arglistiger Täuschung und groben Undanks die Rückgabe eines 5-prozentigen Konzernanteils, den er dem Onkel 2008/09 überschrieben hatte. Schröder hatte den neuen Verhandlungstag in dem seit November 2014 laufenden Prozess mit schlichten Worten begonnen: „Was brauchen Sie, um die Vergleichsverhandlungen fortzusetzen und zu einem erfolgreichen Ende zu bringen?", fragte er mit Blick auf Berichte, dass eine Einigung schon mehrfach zum Greifen nah gewesen sei. Tobias Bürgers, Rechtsanwalt von Clemens Tönnies, erklärte im fensterlosen Saal 20 des Landgerichts, es bräuchte wohl einen Mediator, der die wenigen noch offenen Punkte zusammenführt und „verloren gegangenes Vertrauen wieder herstellt". Alexander Burger, der Anwalt von Robert Tönnies, betonte, für seine Seite sei es entscheidend, dass keinerlei Bedingungen gestellt würden, wer an den Einigungsgesprächen teilnimmt. DIPLOMATISCHER ERFOLG Der harmlos scheinende Auftakt führte kurz zu Wortgefechten, als es um die Rolle von Roberts führenden Rechtsanwalt Mark Binz ging, den Clemens Tönnies wegen seines Vorgehens offen abgelehnt hatte. Der Diplomatie von Richter Schröder mochte sich nach einer Beratungspause auch die Seite von Robert Tönnies nicht entziehen – zeitnah soll nun über einen Schlichter gesprochen werden. Clemens Tönnies hatte dafür vor Wochen die Namen von Ex-Bundespräsident Roman Herzog und Ex-NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement ins Spiel gebracht. „SAUEREI HOCH FÜNF" In der Sache dämpfte Schröder die Hoffnungen der Klägerseite auf einen Sieg. „Es könnte sein, dass die Kammer die Bewertung nicht teilt", sagte der Richter mehrfach in Roberts Richtung. Zwei von fast 40 Vorwürfen gegen Clemens Tönnies wurden besprochen: Als Roberts Mutter Evelin 1996 – nach dem Tod ihres Mannes Bernd 1994 – die zweiteilige Einzelhandelsimmobilie „Heuweg-Center" im ostdeutschen Weißenfels an Clemens verkaufte, soll der sich dabei in Millionenhöhe bereichert haben. Zweitens soll Clemens mit Unterstützung von Testamentsvollstrecker Josef Schnusenberg jahrelang mehr Geld für seine Tätigkeit im Konzern kassiert haben, als vereinbart – 6,8 Millionen Euro. Die Härte der Vorwürfe brachte den Beklagten erneut in Wallung: „Bei dem Vorwurf, ich hätte arglistig getäuscht, bleibt mir der Atem weg – das ist eine Sauerei hoch fünf", so der Konzernchef. Die Vorwürfe, „die Sie sich da zusammenreimen", dienten dazu, „Druck aufzubauen", unterstellte Clemens Tönnies den Gegnern. Für seine Bezüge habe er 100 Stunden pro Woche gearbeitet, rechtfertigte er sich. NEUES VERFAHREN Robert Tönnies nannte den Onkel einen „aufbrausenden Typen", vor dem seine Mutter wohl Angst gehabt und daher kein Gutachten eingefordert habe. Die optimale Basis für eine friedliche Einigung und eine gemeinsame Geschäftsführung sieht anders aus. Am 25. April soll der Streit in anderer Konstellation im Gericht fortgesetzt werden: Dann klagt Evelin Tönnies (auch wegen des Heuweg-Centers) gegen Steuerberater Josef Schnusenberg. Sie will elf Millionen Euro Schadenersatz.

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