Stoßen an: Über die Verleihung des Dr.-Lüning-Preises durch den SPD-Ortsverband freuen sich Almuth Stork (l.) und Inge Bultschnieder. Vielleicht folgt Samstag der Panter Preis der taz. - © Privat
Stoßen an: Über die Verleihung des Dr.-Lüning-Preises durch den SPD-Ortsverband freuen sich Almuth Stork (l.) und Inge Bultschnieder. Vielleicht folgt Samstag der Panter Preis der taz. | © Privat

Rheda-Wiedenbrück "Interessengemeinschaft Werkfairträge" ist für Panter Preis nominiert

"Anerkennung unserer Arbeit"

Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück. Vorstellen wird Inge Bultschnieder die Arbeit der "Interessengemeinschaft Werkfairträge" mit einem Text, den sie auf zwei Seiten niedergeschrieben hat. "Sicherheitshalber" hat sie auch eine Dankesrede formuliert, "für die Tasche", sagt sie. Denn die IG ist für den von der taz.die tageszeitung ausgelobten Panter-Preis nominiert, der Samstag im Deutschen Theater Berlin verliehen wird. Einen Hauch von Aufregung verspürt Bultschnieder schon jetzt. Schließlich sei es etwas besonderes, dass die "IG Werkfairträge" nominiert sei (die NW berichtete). Die hat sie gemeinsam mit der Ärztin Almuth Stork vor zwei Jahren gegründet. Deren Aktive setzen sich für faire Lebens- und Arbeitsbedingungen von Werkvertragsarbeitern in der fleischverarbeitenden Industrie ein. Dafür haben sie demonstriert, mit Aktionen auf den Wochenmärkten auf die Lage der Arbeiter hingewiesen, die überwiegend aus Osteuropa kommen, und sie haben an dem von der Stadt installierten "Runden Tisch" gesessen, um daran mitzuwirken, die Arbeits- und Lebenssituation osteuropäischer Werkvertragsarbeiter in der Fleischindustrie zu verbessern. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde die IG 2014 mit dem vom SPD-Ortsverband ausgelobten Dr.-Lüning-Preis geehrt. Der wird vergeben an Personen oder Gruppen aus Rheda-Wiedenbrück, die sich besonders um ihre Mitmenschen verdient gemacht und Zivilcourage gezeigt haben. Vorgeschlagen für den Panter-Preis wurde die Interessengemeinschaft von Leuten aus Rheda-Wiedenbrück, informiert Jakob Werlitz, taz. Insgesamt seien bundesweit rund 60 potenzielle Preisträger benannt worden. "Wir haben deren Arbeit eigenständig nachrecherchiert." Das Tun der IG sei gut, meint er. Eine Vor-Jury habe dann sechs Vereine, Einzelpersonen und Initiativen ausgewählt und als Finalisten nominiert. Sie alle werden zur Preisverleihung eingeladen und erfahren erst vor Ort, wer die zwei mit 5.000 Euro dotierten Panter-Preise erhält. "Allein die Nominierung ist schon ein Gewinn für uns", sagt Bultschnieder, "weil das eine Anerkennung für unsere Arbeit ist und auch unserer Stadt zeigt, dass es richtig ist, was wir da machen". Sie hat auch einen Anruf von einem ehemaligen Rheda-Wiedenbrücker bekommen, der seit 30 Jahren in Norddeutschland lebt. "Er meinte, dass es Zeit wurde, dass da mal einer was unternimmt", freut Bultschnieder sich über das Lob. Gemeinsam mit Mitstreitern wie Stork, Maria und Georg Berger sowie Sabine Daelen fährt sie nach Berlin. Dabei sind auch Bultschnieders Töchter Anna und Carla, die fünf Monate lang zurückstecken mussten, als die Familie eine erkrankte Werkvertragarbeitnehmerin bei sich aufgenommen hatte. In der Bundeshauptstadt treffen sie auf die anderen Nominierten, "die den Preis wirklich alle verdient hätten", meint Bultschnieder. Besonders die Arbeit von Behshid Najafi und dem agisra e.V., die sich seit 20 Jahren für die Menschenrechte von Migrantinnen einsetzen, imponiert der Rheda-Wiedenbrückerin. Sie fühlt sich sehr geehrt, "in der Riege dieser Nominierten mit dabei zu sein". Was in ihrer Dankesrede steht, verriet sie nicht. Aber die Kernaussage ihrer Rede, in der sie die IG Werkfairträge vorstellen wird, das lautet: "Es gibt immer einen Weg."

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