Rheda-Wiedenbrück "Eine Welt in Not" abgelichtet

Dennis und Patrick Weinert haben ärmste Länder bereist und planen ein Buch

Patrick (l.) und Dennis Weinert haben mit drei Kameras, fünf Objektiven, einer Solarladestation und rund 20 Akkus ihre Eindrücke in Nepals Langtang Area eingefangen – und sich auch selbst fotografieren lassen. - © FOTO: PRIVAT
Patrick (l.) und Dennis Weinert haben mit drei Kameras, fünf Objektiven, einer Solarladestation und rund 20 Akkus ihre Eindrücke in Nepals Langtang Area eingefangen – und sich auch selbst fotografieren lassen. | © FOTO: PRIVAT

Rheda-Wiedenbrück. Als Werbefilmer haben Dennis und Patrick Weinert angefangen. Doch bei einer Reise auf die Philippinen, konfrontiert mit Elend und Gewalt, beschlossen sie, künftig dokumentarisch arbeiten zu wollen. Die passionierten Fotografen erstellten das Konzept für einen Bildband, bereisten drei der ärmsten Länder der Welt und wollen ihre Erlebnisse nun unter dem Titel "A World in Distress" (Eine Welt in Not) herausbringen - und zudem drei Hilfsprojekte unterstützen.

Gründlich haben die jungen Männer einige Monate lang für ihre Reisen nach Burkina Faso, nach Nepal und nach Haiti recherchiert - "aber die Realität sah dann ganz anders aus", sagt Dennis Weinert. Sie starteten jeweils mit einem kleinen Budget, verbrachten die ersten Tage damit, vor Ort Leute zu kontaktieren, die sie durch ihre Heimat führten, und um einfache Unterkünfte zu finden. "Wir haben mit den Menschen gelebt", sagen die Brüder, die 2012 die Firma "Weinert Brothers" gründeten.

In Burkina Faso besuchten die 20- und 22-Jährigen die Goldminen, "um der Armut exemplarisch ein Gesicht zu geben". Die Umstände, unter denen Menschen dort arbeiteten, nennen sie krass und hoch riskant. Im Norden erlebten sie Nomaden - und Auswirkungen des Klimawandels. Ein See, der es Familien einst ermöglichte, bis zu 1.000 Rinder zu tränken, sei fast ausgetrocknet. "Heute reicht das Wasser maximal für zehn Rinder je Familie", so Dennis Weinert.

Er ist ebenso wie sein Bruder froh, das Land und seine Bewohner trotz offizieller Reisewarnungen wegen der Konflikte zum Nachbarland Mali erlebt zu haben. "Das war eine unglaubliche Erfahrung." Sie hat den Brüdern auch klar gemacht, dass sie nicht dafür verantwortlich sein wollen, "dass die Nomaden im Sahel ihr traditionelles Leben nicht fortführen können."

Mit ihrem Bildband wollen sie darum aufklären. Rund 5.000 Fotos haben sie auf ihren Reisen gemacht und dabei "generell einen ziemlich gleichen Blick für Dinge und Menschen". In ihrem Buch wollen sie etwa 80 veröffentlichen, von denen sie beide überzeugt sind und die die Besonderheiten eines jeden Landes herausstellen.

Das zweite Ziel der Brüder war Nepal. Dass es zu den ärmsten gehört, hat sie überrascht, weil es touristisch erschlossen ist. Auf dem Land aber lebten die Menschen in großer Armut, würden Ernten wegen ausgewaschener Böden oft nur für ein halbes Jahr reichen. Viele Jugendliche zögen in die Städte, "wo besonders den Mädchen Zwangsprostitution droht". Mit diesem illegalen Milieu haben sich die Weinerts in Kathmandu undercover vertraut gemacht. Eine Drehgenehmigung hatten sie nicht, Prostitution sei offiziell illegal. Die Weinerts haben zwei Wochen recherchiert und Vertrauen aufgebaut, um Betroffene interviewen und aufnehmen zu können.

Wichtig ist den Brüdern, dass sie nun mit ihren repräsentativen Arbeiten zum Thema Armut nachweisen können, dass sie in drei Ländern auf drei Kontinenten klar gekommen sind, dass sie Widerstände überwunden und nah an die Menschen herangekommen sind. "Gerne würden wir dort künftig dokumentarisch arbeiten", denkt Patrick Weinert besonders an viele Start-up-Unternehmen in den USA als potenzielle Auftraggeber.

Denen könnten die "Weinert Brothers" auch ihre Erfahrungen in Haiti anbieten. Dort widmeten sie sich den Themen Kindersklaverei - besonders Familien auf dem Land geben ihren Nachwuchs aus der Not heraus ab, in der Hoffnung, dass er sich einen Schulbesuch erarbeiten kann - und Bandenkriminalität. In Port-au-Prince ließen sich die Fotografen in den Slum "Cité Soleil" einschleusen, wurden von einem Gangsterboss geduldet und durften UN-Blauhelmsoldaten auf einer Patrouille begleiten.

"Unsere Lernkurve ist sehr nach oben gegangen, weil wir so viel mitgekriegt haben", sagen die Brüder. Und daran wollen sie nun andere mit ihrem Buch teilhaben lassen.

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