Die Sängerinnen und Sänger füllen mit vereinigten Kräften die Kirche St. Aegidius mit einem erhabenen Klang. Dirigiert werden sie von Jürgen Wüstefeld, der seinen 60. Geburtstag feierte. - © FOTO: EUGENIE KUSCH
Die Sängerinnen und Sänger füllen mit vereinigten Kräften die Kirche St. Aegidius mit einem erhabenen Klang. Dirigiert werden sie von Jürgen Wüstefeld, der seinen 60. Geburtstag feierte. | © FOTO: EUGENIE KUSCH

Rheda-Wiedenbrück Singen für den Frieden

Die Chöre St. Aegidius würdigen mit Konzert den Geburtstag ihres Dirigenten

von Eugenie Kusch

Rheda-Wiedenbrück. "Wo Hass herrscht, lass mich Liebe entfachen." Das betete Franz von Assisi vor 800 Jahren. "Verleih uns Frieden", appellierte Martin Luther 300 Jahre später. Heinrich Schütz, der größte deutsche Komponist vor Bach, schuf aus Anlass des 1648 unterzeichneten Westfälischen Friedens zu Luthers Texten mehrstimmige Vokalstücke.

Wiederkehrend wurde der Frieden beschworen und auch besungen: In den gregorianischen Gesängen des Mittelalters genauso wie in mehrstimmigen Motetten des Barocks, in schöntraurigen Chorliedern der Romantik sowie heute in den modernen Songs mit religiösem oder weltlichem Hintergrund. Die Chöre St. Aegidius singen viele dieser Lieder vom Frieden. Einige spielten sie auf einer eigenen CD ein und präsentierten sie zudem auf den Chorfestivals von Pueri Cantores, der Vereinigung von katholischen Jugendchören, der sie angehören.

Jetzt stellten sie in der Pfarrkirche St. Aegidius eine aufschlussreiche Auswahl aus diesem reichen Repertoire dar. Mit zwei Vertonungen derselben Antiphon "Da pacem Domine" veranschaulichten sie gleich zu Beginn, wie alt und zugleich sehr aktuell die Sehnsucht der Menschen nach Frieden ist.

Zum Einzug intonierte das Vokalensemble die Friedensworte des mystischen gregorianischen Gesanges. Unmittelbar danach erklang das mehr als 1.0000 Jahre jüngere Pendant, ein Friedensgebet des estnischen Komponisten Arvo Pärt.

Die endgültig passende Positionierung auf der Kirchenbühne schien für die erfahrenen Sänger jedoch problematischer zu sein als das sichere Ansingen der lang verbleibenden und in sich eingekehrten Klänge im meditativen Werk von Pärt. Eine dritte, romantische Version von "Da pacem Domine" von Charles Gounod erklang noch auf der Chorempore, gesungen von Knaben-, Mädchen und Jugendchören. Ihre friedliche Gesinnung übertrug sich bis nach unten, ihre Klangschönheit kam "aus dem Off" nicht durchgängig zur Geltung.

Jürgen Wüstefeld und sein Vokalensemble hatten dagegen keine Mühe, direkt vor dem Publikum stehend, ihm den Charakter der zwei Motetten von Heinrich Schütz fein pointiert zu vermitteln. Erst als alle Choristen vor dem Altar die Hymne "Pueri omnes pacem" des jungen französischen Komponisten Marc Henric, das "Peace be unto you" des Norwegen Knut Nysted oder "All creatures" des Kanadiers Peter Tiefenbach mit vereinigten Kräften anstimmten und zur Hilfe noch die Organistin Barbara Pawelczyk sowie die Trompeter Georg Potthoff und Phillip Seidel hatten, füllte sich die Kirche mit erhabenem Klang auf, auch die Präzision und die Textverständlichkeit kamen hinreichend zur Geltung.

Die von Marita Weber vorgelesenen Texte aus dem Gotteslob und die andachtsvolle Musik des polnischen Komponisten Henryk Jan Botor zum Auszug rundeten das stimmige Konzertprogramm ab. Mit dem würdigten die Choristen zugleich die hingebungsvolle Arbeit ihres geschätzten Dirigenten. Jürgen Wüstefeld feierte seinen 60. Geburtstag.

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