Mit neuer Musik: Philipp Fankhauser (2. v. l.) und seine Bandmitglieder Richard Spooners (v. l.), Angus Thomas und Marco Jencarelli präsentierten in der Orangerie Stücke ihres neuen Albums. - © Klaus Stephan
Mit neuer Musik: Philipp Fankhauser (2. v. l.) und seine Bandmitglieder Richard Spooners (v. l.), Angus Thomas und Marco Jencarelli präsentierten in der Orangerie Stücke ihres neuen Albums. | © Klaus Stephan

Rheda-Wiedenbrück Philipp Fankhauser hat den Blues

Flora in Concert: Start in die Saison mit Bluessänger Philipp Fankhauser und Band. Dabei zeigen die Musiker, warum Blues so weh tun und so glücklich machen kann

Klaus Stephan

Rheda-Wiedenbrück. 2016 nach seinem musikalischen Vorbild befragt, zögerte Philipp Fankhauser nicht lange mit der Antwort: der texanische Bluesmusiker Johnny Clyde Copeland. Wie sonst keiner habe dieser ihn beeindruckt, musikalisch und menschlich. Und so wundert es nicht, dass Fankhauser sein Konzert mit einem Copeland-Stück beginnt. "Blues ain't nothing". Und genau das zeigen Fankhauser und seine vier Musiker dann auch im weiteren Verlauf des Abends eindrucksvoll in der voll besetzten Orangerie von Schloss Rheda im Rahmen ihrer aktuellen "I'll be around Tour", benannt nach dem gleichnamigen neuen Album. Blues ist nicht nichts - dass Copelands Credo an den Blues einmal das Leben Fankhausers bestimmen würde, vielleicht ahnte der heute 54-Jährige das, als er im Alter von zwölf Jahren beschloss, Musiker zu werden. Auf die Frage, was die bisher beste und dümmste Idee seines Lebens gewesen sei, antwortete Fankhauser einmal: "In beiden Fällen - Bluessänger zu werden." Und: "Das Einzige, was mich im Leben wirklich interessiert, ist, auf der Bühne zu stehen und mit meinen Jungs Musik zu machen." Auf der Bühne steht Fankhauser mittlerweile seit 30 Jahren, brachte ihn Ende der 1980er Jahre mit Margie Evans zusammen und auf Einladung von Johnny Copeland ging er mit ihm 1994 auf eine gemeinsame Tour durch die USA. In Rheda-Wiedenbrück stehen die Stücke des neuen Albums im Vordergrund, und das Quintett gibt alles um Titel wie "Homeless", "Try my Love", "My dog and me" oder "Nobody but you" (wieder Copeland) in Szene zu setzen, deren Inhalte und Beseeltheit zu übertragen auf das Publikum. An diesem Abend spürt man: Hier und Heute steht die Musik im Vordergrund. Da stehen Musiker auf der Bühne, die die Tiefe der Blues-Musik verinnerlicht haben. Sinnfreie Effekthascherei: Fehlanzeige. Tiefenentspannt und locker kommt Fankhauser rüber, seine Stimme ist Bluesbotschafterin im besten Sinne. Emotional, sinnlich, zärtlich, voller Wehmut, kehlig und erdig. Die so vorgetragenen Lebensgeschichten und -träume setzen sich fest beim Publikum, auch als Kopfkino. Der Schweizer zeigt aber auch noch eine andere Seite seiner Persönlichkeit. Charmant und mit viel Witz führt er durch das Konzert, plaudert über seine Rolle als Jurymitglied in der Gesangs-Casting-Show "The Voice of Switzerland" und macht keinen Hehl daraus, dass manche Kandidaten sich besser nicht an Aretha Franklin oder Ray Charles versuchen sollten. Und das klingt nicht zynisch. Im Kontakt mit dem Publikum kommt es immer wieder zu unterhaltsamen Wortwechseln, und so erfährt Fankhauser nebenbei, dass die Küche des Hotel Reuter, wo die Künstler nächtigen, mit einem Stern ausgezeichnet wurde. Ein wahrer Derwisch an den Tasten Dem Wunsch aus dem Publikum, Tony Joe Whites "Rainy night in Georgia" zu spielen kommt das Quartett gerne nach und nicht nur hier haben auch die vier Begleitmusiker Gelegenheit, ihre musikalische Klasse zu zeigen. Marco Jencarelli, Begleiter von Fankhauser seit 25 Jahren, ist ein brillanter Gitarrist, dessen Riffs unter die Haut gehen. Die hämmernden Beats von Bassist Angus Thomas sind Grundrhythmus und kraftvoller Motor des Musikzugs. Richard Spooners Performance an den Drums lässt ebenfalls keine Wünsche offen, ist mitreißend und intensiv. Zusammen mit den von Hendrix Ackle an den Tasten erzeugten Klangkaskaden breiten die Musiker einen Klangteppich aus, der in seiner Tiefe und Breite alles abdeckt, was gute Blues-Musik ausmacht. Im Spiel, ganz bei sich und versunken entsteht intuitiv ein gegenseitiges Geben und Nehmen, ein faszinierender musikalischer Gleichklang. Die vier Begleitmusiker begeistern das Publikum zudem mit der Zugabe "Only in it for the money", bei dem alle noch einmal aufdrehen, ihrer Spielfreude freien Lauf lassen und sich insbesondere Ackle dabei als wahrer Derwisch an den Tasten entpuppt, mit viel Gefühl in der Stimme. Mit "Members only" geht der Abend zu Ende. Die Botschaft des Liedes fasst zusammen, woraus der Blues schöpft: Leid und Freude. Es ist egal - Du brauchst kein Geld und kein Scheckbuch. It's a private party und es reicht, Dein gebrochenes Herz mitzubringen. Eine starke Schlussbotschaft. Und so bleibt Gentleman Fankhauser zum Schluss nur noch, sich bei Elke Leßmeier von der Flora Westfalica für die herzliche Aufnahme zu bedanken und mit dem Wissen und dem schönen Gefühl von der Bühne zu gehen, heute wieder einmal ein paar Menschen glücklich gemacht zu haben. Starker Beifall.

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