Die so genannte "Planenschlitzer-Bande" steht in Bielefeld vor Gericht. Die Männer haben auf Autobahn-Rastplätzen Lkw-Planen aufgeschlitzt und Ware im Wert von über 700.000 Euro gestohlen. - © Archivfoto Patrick Menzel
Die so genannte "Planenschlitzer-Bande" steht in Bielefeld vor Gericht. Die Männer haben auf Autobahn-Rastplätzen Lkw-Planen aufgeschlitzt und Ware im Wert von über 700.000 Euro gestohlen. | © Archivfoto Patrick Menzel

Bielefeld Schlitzerbande: Diebe erbeuten aus Lkw Ware im Wert von 710.000 Euro

Prozess: Mitglied der so genannten Planenschlitzer-Bande vor Bielefelder Landgericht geständig

Nils Middelhauve

Bielefeld/Rheda-Wiedenbrück/Hamm. Die Täter waren dreist, organisiert – und erfolgreich: Vor dem Bielefelder Landgericht müssen sich seit Montag zwei Männer aus Schweden und Bulgarien verantworten. Sie sind angeklagt, als Mitglieder einer Bande auf Rastplätzen abgestellte Lastwagen aufgebrochen und deren zum Teil hochwertige Ladung gestohlen zu haben. Arbeitsteilung Dabei gingen die Täter offenbar arbeitsteilig vor: Ein in der Bundesrepublik lebendes Bandenmitglied kundschaftete geeignet erscheinende Rastplätze sowie die dort abgestellten Autos aus. Im Anschluss lotste er seine Komplizen zum jeweils nächsten Tatort. Stets dabei war ein Lastwagen zum Abtransport des Diebesguts, der im Anschluss jeweils zu seinem Stellplatz in Dortmund zurückgebracht wurde. Auf den Rastplätzen schlitzen die Täter zunächst die Plane eines dort abgestellten Lkw auf – zumeist unbemerkt von dem im Führerhaus schlafenden Fahrer. Fand die Ladung den Zuspruch der Bande, so räumten sie den entsprechenden Lastwagen aus. Insbesondere auf Elektronikartikel hatten es die Täter dabei abgesehen. Rastplätze auch in Bielefeld aufgesucht Seit Montag müssen sich zwei mutmaßliche Mitglieder der Bande vor dem Bielefelder Landgericht verantworten. Dabei handelt es sich um den 55-jährigen Nikolay K. aus Bulgarien sowie Fehmi H. (36) aus Schweden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Taten auf Rastplätzen in mehreren deutschen Städten vor, unter anderem in Hamm (hier stahlen die Männer einen Karton mit Medikamenten), Rheda-Wiedenbrück und Bielefeld. Die Diebstähle sollen sich in der Zeit von September bis zum Dezember 2016 ereignet haben. Die höchste Beute machten die Täter demnach auf dem Rastplatz Auetal: Dort sollen sie Spielekonsolen im Wert von 419.000 Euro gestohlen haben. Doch entwendeten die Täter offenbar nicht nur die Ladung anderer Lastwagen: Bei zwei Gelegenheiten sollen sie auf einem Rastplatz in Bielefeld insgesamt 500 Liter Diesel aus anderen Autos abgezapft haben. Während Nikolay K. vor Gericht zu den Vorwürfen schwieg, räumte H. ein, an fünf der Taten beteiligt gewesen zu sein. „Ich war dafür zuständig, aufzupassen, dass keine Polizei kommt", sagte H. vor Gericht. Auch seinen Mitangeklagten belastete der 36-Jährige: Bei diesem handle es sich, so der geständige H., um den Fahrer des Lkw, der das Diebesgut abtransportiert habe. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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