"Anschlussfehler": Sinta Werner schafft mit ihrer im Aufbau befindlichen Installation in der Orangerie neue Raumeindrücke. Hilfsmittel ist dabei das Warnklebeband, welches durch seine Signalwirkung im Original sowie in der Abbildung ins Auge springt. - © Rolf Birkholz
"Anschlussfehler": Sinta Werner schafft mit ihrer im Aufbau befindlichen Installation in der Orangerie neue Raumeindrücke. Hilfsmittel ist dabei das Warnklebeband, welches durch seine Signalwirkung im Original sowie in der Abbildung ins Auge springt. | © Rolf Birkholz

Rheda-Wiedenbrück Künstlerin Sinta Werner verursacht „Anschlussfehler“ in Orangerie

Die Künstlerin durchbricht mit ihrer Installation die Kontinuität in der der fürstlichen Orangerie. Sie nennt ihre Arbeit "Anschlussfehler"

Rolf Birkholz

Rheda-Wiedenbrück. Noch ist nicht allzu viel zu sehen. Doch man kann sich schon vorstellen, wie die Orangerie bald von innen aussehen wird. Aber Vorsicht: Hier werden Raumvorstellungen unterlaufen. "Anschlussfehler - der überspannte Raum" heißt die Ausstellung von Sinta Werner. Die Rauminstallation wird am Sonntag, 18. Februar, um 11.30 Uhr eröffnet. Kuratorin Melanie Körkemeier, Leiterin der Werkstatt Bleichhäuschen, weiß, dass der Innenraum der fürstlichen Orangerie zwar weniger für die Präsentation etwa von Gemälden geeignet, jedoch "für Installationen optimal ist." Auf der Suche nach Künstlern, die diesen Ort bespielen können, ist sie nun auf Sinta Werner gestoßen. Die wiederum nimmt jede räumliche Herausforderung an, "die mir über den Weg läuft". Und das Bild ist gar nicht einmal so schief. Denn die in Hattingen geborene, auf Raumillusionen spezialisierte Berlinerin bringt die Orangerie in gewisser Weise in Bewegung. Sie hat im Januar drei der sechs Säulen mit einem schwarz-gelben Absperrband umwickelt und den Raum so aus verschiedenen Perspektiven fotografiert. Nun wickelt Sinta Werner die großformatigen Abzüge um drei der Säulen. Die übrigen werden auch mit dem Absperrmaterial umkleidet. Hinzu kommen drei ebenfalls je 3,30 Meter hohe und wiederum mit Fotos beklebte Objekte. So findet sich der Raum samt steinernem Fußboden und Fenstern mehrfach aufgewickelt, eingerollt. Man kann ihn umkreisen, umgehen. Bewusst unscharf aufgenommene Personen laufen zudem gleichsam durch das Bild. Anschlussfehler, ein Begriff aus der Filmtechnik, besagt, dass zwei aufeinander folgende Filmsequenzen nicht zueinander passen, das sie einen Sprung in der Kontinuität offenbaren. So mag sich auch der durch diese Installation gehende Besucher fragen, wo im Raum er sich gerade befinde, wo es weitergehe. Die Künstlerin, die an der Universität der Künste in Berlin sowie am Goldsmith College in London studiert hat, will neue Blickachsen, Brüche zwischen Raum und Bild, Verbindungen, spiegelkabinettartige Eindrücke aufzeigen, wobei zudem helles Licht von außen eine Rolle spielt. Es geht ihr dabei auch um die Verschmelzung von malerischen, skulpturalen und architektonischen Elementen. Melanie Körkemeier ist es wichtig, dass eine Ausstellung irritiert, berührt, bewegt, Reaktionen anstößt. Dies dürfte die Arbeit von Sinta Werner bewirken, die übrigens bei der bisher zweimaligen Auswahl für den Rheda-Wiedenbrücker Brachum-Preis jeweils nominiert war. Es trifft sich, dass Sinta Werner ab Freitag, 23. Februar, auch in einer Gruppenausstellung im Herforder Museum Marta vertreten sein wird. So plant Körkemeier auch eine Exkursion dorthin, während die Herforder Museumsleitung ihrerseits einen Kunst-Besuch in Rheda-Wiedenbrück vorhat.

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