Will den Weibchen imponieren: In der Paarungszeit macht das Kammmolchmännchen, das bis zu 15 Zentimeter lang wird, mit einem beeindruckenden Rückenkamm auf sich aufmerksam. - © Burkhard Thiesmeier
Will den Weibchen imponieren: In der Paarungszeit macht das Kammmolchmännchen, das bis zu 15 Zentimeter lang wird, mit einem beeindruckenden Rückenkamm auf sich aufmerksam. | © Burkhard Thiesmeier

Rheda-Wiedenbrück Biologische Station will Artenschutz des Kammmolches verbessern

Die Stiftung der Kreissparkasse Wiedenbrück hilft dabei

Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück. Dem Eisvogel verdankt es der Kammmolch, dass es im Zentrum des neuen Artenschutzprojektes der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld steht. Denn als für den schillernden Vogel vor drei Jahren neue Brutmöglichkeiten geschaffen wurden, „da fiel uns der Kammmolch auf", sagt Werner Twent, Vorstand der Stiftung der Kreissparkasse Wiedenbrück. Die unterstützt seit 2006 Artenschutzprojekte der Biologischen Station – mit bislang 75.000 Euro. Vor dem Eisvogel ging es um Laubfrosch und Steinkauz. Nun werden die Lebensbedingungen für den Kammmolch verbessert – finanziert über fünf Jahre mit jeweils 5.000 Euro. Er ist die größte heimische Molchart. Zur Paarungszeit legt sich der Molch einen gezackten Rückenkamm zu Das Weibchen bringt es auf 18 Zentimeter Körperlänge, das Männchen auf 15 Zentimeter. Weil er ihr in der Paarungszeit imponieren will, legt er sich einen gezackten Rückenkamm zu. Wegen dieser auffälligen Wassertracht wird das Tier auch Wasserdrachen genannt. Es gilt als scheu und ist eher nachtaktiv. Die Amphibien bevorzugen im Frühling Laichgewässer mit einem sehr strukturierten Untergrund und einer reichen Unterwasservegetation. Dorthin ziehen Kammmolche bei einer milden Witterung ab Februar. An den Wasserpflanzen legen die Weibchen 200 bis 400 Eier ab. 54 Larvenstadien durchlaufen die Jungtiere, bis sie etwa acht Zentimeter groß sind und zwischen August und Oktober das Gewässer verlassen, um ein Winterquartier zu suchen – in Wurzelbereichen von Bäumen, in Holzhaufen, aber auch in Kellern oder in Komposthaufen. „Weiter als 1.000 Meter laufen sie nicht, sie sind relativ träge", informiert Conny Oberwelland, Biologische Station. Der Kammolch ist in NRW die seltenste heimische Amphibienart Sie sagt auch, dass der Kammmolch die in Nordrhein-Westfalen seltenste heimische Amphibienart ist „und damit am schützenswertesten". Der Wasserdrachen wird auf der Roten Liste des Landes als gefährdet geführt und ist nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Gefahren entstehen durch Straßenverkehr und die Intensivierung der Landnutzung, aber auch durch den Klimawandel, in dessen Folge Gewässer austrocknen. Oberwelland hatte im Frühling 2017 im Altkreis Wiedenbrück 14 Gewässer angeschaut, in 6 von ihnen abends ihre selbst gebastelte Reuse ausgelegt und war in 3 morgens fündig geworden. Dort leben jeweils bis zu 40 Kammmolche. Mit dem Artenschutzprojekt hofft sie, eine neue Datengrundlage zu bekommen. Darum prüft Oberwelland alle Vorkommen und schaut nach Gewässern, die optimal für Kammmolche sind. In Batenhorst zwei passende Gewässer für Kammmolche gefunden Zwei hat sie in Batenhorst auf Hof Dünninghaus gefunden. Dort wurden zwei Teiche saniert. Zwar leben die Tiere noch in einem benachbarten Gewässer. Das aber drohe umzukippen und solle nicht saniert werden, so die Besitzerin. Familie Dünninghaus aber stimmte der Arbeit an ihren Teichen zu. Das Laub der dicht an den Ufern stehenden Bäume hatte sie in modrige Tümpel verwandelt. Im Herbst waren die Gehölze entfernt worden, so dass die Sonne das Wasser erwärmen kann. Bagger hatten den Schlamm entfernt und die Ufer flach modelliert. „Mit der Schaffung dieser Warmwasserzone finden die Amphibien optimale Bedingungen zur Reproduktion", so Oberwelland, die hofft, dass die Kammmolche umziehen. Sie betont: „Eine Artenschutzmaßnahme ist für das gesamte ökologische Gleichgewicht." Von einem verbesserten Lebensraum für den Wasserdrachen profitierten andere Tiere und Pflanzen. Artenschutz „geht nur unter Mitwirkung der Menschen, weil wir nicht in der Wildnis, sondern in einer Kulturlandschaft leben", so Twent.

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