In der Werkstatt Bleichhäuschen: Melanie Körkemeier sitzt neben einer leeren Staffelei, an der sonst Kursteilnehmer arbeiten. Sie selbst zeigt derzeit in der Ausstellung "A Reflection" eigene Arbeiten zum Thema Porträt beziehungsweise Bildnis. - © Foto: Marion Pokorra-Brockschmidt
In der Werkstatt Bleichhäuschen: Melanie Körkemeier sitzt neben einer leeren Staffelei, an der sonst Kursteilnehmer arbeiten. Sie selbst zeigt derzeit in der Ausstellung "A Reflection" eigene Arbeiten zum Thema Porträt beziehungsweise Bildnis. | © Foto: Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück Das ist aktuell im Bleichhäuschen in Rheda-Wiedenbrück los

Werkstatt: Im Bleichhäuschen zeigt Melanie Körkemeier derzeit eigene Arbeiten. Die Leiterin gibt einen Ausblick auf künftige Ausstellungen und Workshops

Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück. Melanie Körkemeier holt nicht nur Künstler und ihre Arbeiten für Ausstellungen nach Rheda-Wiedenbrück. Die Leiterin der Werkstatt Bleichhäuschen bietet auch Workshops an, in denen Teilnehmer ihre künstlerische Ader entdecken und ausleben können. Und sie ist selbst kreativ. Bis Mitte Februar zeigt sie eigene Werke. "A Reflection" Eigentlich hat Körkemeier die Gesichter, inspiriert von sehr statischen, sphynxartigen, in ihrer Ausstrahlung erhabenen Porträtfotos der 1920er Jahre, für sich gezeichnet und gemalt. "Zuletzt hatte ich an abstrakten Flächen gearbeitet, wollte aber im Sommer mal nicht mehr konstruieren und nachdenken, sondern einfach nur zeichnen", sagt sie. Nach 2013 es sei aber mal wieder an der Zeit gewesen, eigene Arbeiten auszustellen, und nicht nur Kurse zu geben, meint die Bleichhäuschen-Leiterin, die Kunstgeschichte studiert hat. Sie zeigt jetzt mit "A Reflection" auch Skizzen von Zimmern und Pflanzen; Fragmente, die der Betrachter für sich ergänzen kann. "Anschlussfehler" Für eine Rauminstallation in der Orangerie hat die 44-Jährige, die das Bleichhäuschen seit 2004 leitet, Sinta Werner gewonnen. "Ihre Fotografien stellen die Raumwahrnehmung auf den Kopf, sie irritieren den Betrachter", kündigt Körkemeier die Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerin an. Der Ausstellungstitel "Anschlussfehler" stamme aus der Filmtechnik und lasse sich insofern auf Werners Installation übertragen, als dass sie die Kontinuität des Raums durchbreche. "Das wird visuell eine besondere Geschichte, weil die Künstlerin mit total großen Prints arbeitet." Fast zeitgleich stellt Werner, die für den Brachum Kunstpreis der Stadt Rheda-Wiedenbrück nominiert war, in einer Gruppenschau im Museum Marta Herford unter dem Titel "Ausbruch aus der Fläche" aus. Körkemeier plant, eine Ausstellungsführung in Rheda mit einem Besuch in Herford zu verbinden. Vortragsreihe Neu installieren möchte Körkemeier, die bislang erfolgreich Gespräche zu Ausstellungen in der Orangerie angeboten hat, eine Vortragsreihe im Bleichhäuschen. Es sollen bebilderte Referate zu aktuellen Schauen sein. Die Kuratorin will die Künstler in einen allgemeinen kunstgeschichtlichen Kontext einbetten. "Es geht dabei auch um eine Erklärung, welche Künstler warum wie arbeiten." Workshops Neben ständigen Angeboten wie Kinderatelier, Werkstatt Wunderhäuschen in den Sommerferien und Kursen plant Körkemeier im Frühling einen Workshop Porträtfotografie für Jugendliche. "Sie haben durch den Schuldruck immer weniger Zeit, sich mit kreativen Prozessen zu beschäftigen, finden kaum Gelegenheit zur Muße." Körkemeier will ihnen Raum für eigenes, schöpferisches Tun geben. Leiten wird den Kurs für 14- bis 20-Jährige Susanne Elsässer. Sie hat Fotografie an der Folkwang Universität studiert. "Selfies wird es nicht geben", betont Körkemeier. Davon haben viele junge Leute schon unzählige auf ihren Handys. Schauten sie sich die in einigen Jahren an, sähen sie die immer gleichen Bilder. Die Teilnehmer des Workshops können mit der Technik analoger Spiegelreflexkameras einen anderen Zugang zum Medium Foto und zu sich selbst finden. "Sie sollen nicht nur einem allgemeinen Schönheitsbegriff folgen, sondern etwas von ihrem Inneren im Selbstporträt darstellen." Die Ergebnisse des Workshops werden in einer Ausstellung gezeigt - so die Jugendlichen einverstanden sind. Kunstauktion Im Sommer gibt es nach der stillen Kunstauktion 2017 wieder eine Versteigerung mit Ausrufer. "Die Akquise von Arbeiten läuft", sagt Körkemeier, dass sie rund 50 Werke anbieten möchte. Deren Verkaufserlös geht je zur Hälfte an die Künstler und an das Bleichhäuschen. Die Werkstatt wird davon ein Projekt oder eine Ausstellung finanzieren. Einen weiteren Künstler für die Orangerie hat die 44-Jährige für Herbst bereits angefragt. Es soll etwas Klassisches aus dem Bereich der Malerei sein, will sie noch nicht mehr verraten. Alltagskultur Eine Fotoausstellung über die Alltagskultur in Rheda-Wiedenbrück gibt es im Spätsommer. Nach "Der gedeckte Tisch", "Abgelegt", "Küchenaufnahme" und "Mein Raum" können Rheda-Wiedenbrücker wieder einen Gegenstand ablichten - an dem Thema arbeitet Körkemeier noch.

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