Mit einem Stethoskop in der Hand: Das Gerät zum Abhören gehört zur Grundausstattung in einer Hausarztpraxis. Allgemeinmediziner soll es bald wieder mehr in Rheda-Wiedenbrück geben. - © Foto: Marijan Murat/DPA
Mit einem Stethoskop in der Hand: Das Gerät zum Abhören gehört zur Grundausstattung in einer Hausarztpraxis. Allgemeinmediziner soll es bald wieder mehr in Rheda-Wiedenbrück geben. | © Foto: Marijan Murat/DPA

Rheda-Wiedenbrück Hausärzte gesucht! Es gibt zu wenig Allgemeinmediziner in der Stadt

Abhilfe soll ein Gesundheitshaus bringen, für das es schon "sehr konkrete" Planungen gibt

Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück. Auf 1.671 Einwohner kann ein Hausarzt kommen - das ist der Maximalwert, den die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL) angibt. Vereinfacht gerechnet könnten also in Rheda-Wiedenbrück 30 Hausärzte praktizieren. Das tun 20 Allgemeinmediziner. Es mangelt an Hausärzten. "Das erfüllt viele Bürger und mich mit Sorge", sagt Bürgermeister Theo Mettenborg - und das schon seit drei Jahren. Hatte ein Gutachter im Auftrag der Stadt 2016 noch von einem vertretbaren Versorgungsgrad von rund 80 Prozent gesprochen, so liegt er heute "deutlich unter 70 Prozent", sagt Uwe Borchers, Geschäftsführer des ZIG (Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL). Er spricht von einem "dringenden Handlungsbedarf". "Dringenden Versorgungsbedarf" sieht auch die KVWL. Sie weist den Planungsbereich Rheda-Wiedenbrück, dazu gehören Langenberg und Herzebrock-Clarholz, im Förderverzeichnis aus und hat "alle geeigneten finanziellen und sonstigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung zu gewährleisten, zu verbessern und zu fördern". Das geschieht auch mit Geld. Die Stadtverwaltung tut etwas Auch die Stadtverwaltung tut etwas, beauftragt von der Politik. Sie hatte in einem Workshop ortsansässige Hausärzte - im Planungsgebiet sind von 38 Medizinern 15 über 60 Jahre alt - informiert, wie sie ihre Praxis "frühzeitig übergabefähig machen", sagt Nikola Weber, Wirtschaftsförderin. Dazu gehört auch eine Erweiterung von Praxen, mit angestellten Allgemeinmedizinern. Heute werden immer mehr Frauen Medizinerinnen - mit einer anderen Vorstellung ihrer ?Work-Life-Balance? als die 75 Prozent der Ärzte, die in einer Einzelpraxis tätig sind. Sie möchten im Team, als Angestellte und oft auch in Teilzeit arbeiten. Das kann ein hausärztliches Zentrum bieten - auf dem Gelände der ehemaligen Brennerei Pott Hartwig, das der Stadt seit einigen Jahren gehört. Für ein Gesundheitshaus seien die Planungen "sehr konkret" sagt Mettenborg, dass ein Haus angedacht ist, um die Ärztefrage zu lösen. "Wir wollen da einen Mehrwert für die Stadt haben, sonst hätten wir es längst bebauen können." Die Stadtverwaltung bringe derzeit Investoren und Betreiber zusammen, erklärt Weber, dass in dem medizinischen Versorgungszentrum bis zu vier Hausärzte tätig sein könnten. Das Projekt werde für die "finale Beratung in der Politik" vorbereitet, meint Mettenborg, dass das Vorhaben im Frühling im Ausschuss für Grundstücke und Gebäude erörtert wird. Auch in Wiedenbrück sieht er Flächen für ein medizinisches Versorgungszentrum - auch die Schanze, sagt er auf Nachfrage. Die Kommunen haben wenig Möglichkeiten den Mangel zu beheben Insgesamt habe eine Kommune wenig Handlungsinstrumente, Ärztemangel zu beheben. Die Stadt spreche mit Medizinern, die sich hier niederlassen könnten. Um deren Entscheidung für Rheda-Wiedenbrück positiv zu beeinflussen, soll auch ein Grundstück im Baugebiet Landstraße für einen Hausarzt frei bleiben. Konkurrieren will die Stadt mit umliegenden Gemeinden aber nicht. "Prämien zu zahlen oder Headhunting zu betreiben, macht wenig Sinn", so Mettenborg. Eine zukunftssichere Lösung gebe es nur mit den anderen Kommunen im Kreis. Zu gemeinsamem Handeln rät auch Borchers. Gesundheit sei ein deutlicher Standortfaktor. Bislang gelinge es Rheda-Wiedenbrück gut, "das Problem in den Griff zu kriegen", meint er.

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