Eine öffnende Geste: Der abgeschrägte und beleuchtete Eingangsbereich der neuen Stadthalle soll auf die Besucher einladend wirken. - © pbr Planungsbüro Rohlfing AG
Eine öffnende Geste: Der abgeschrägte und beleuchtete Eingangsbereich der neuen Stadthalle soll auf die Besucher einladend wirken. | © pbr Planungsbüro Rohlfing AG

Rheda-Wiedenbrück So soll die Stadthalle in Rheda-Wiedenbrück zukünftig aussehen

In vielen Beratungen wurden Optik und Materialien für das Gebäude an der Hauptstraße festgelegt. Einen neuen Standort bekommt die Lärmschutzwand und einen anderen Farbton gibt es für die Fassade

Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück. Die Form der neuen Stadthalle, die ab Sommer 2018 an der Hauptstraße errichtet werden soll, ist seit Mai bekannt. Nun ist auch klar, welche Optik das Gebäude bekommen wird - außen und innen. Zahlreiche Sitzungen gab es, allein drei des Gestaltungsbeirates und vier der Steuerungsgruppe. Wichtigster Punkt der Beratungen sei gewesen, "das Budget einzuhalten", sagt Evelyn Wendt-Salmhofer, Architektin bei "pbr Planungsbüro Rohling AG". Das Büro aus Braunschweig hat Erfahrungen bei dem Bau von vier größeren Stadthallen gesammelt und sich bei der europaweiten Ausschreibung der Stadt durchgesetzt. Die Kosten für den Neubau hatte der Stadtrat auf 14,5 Millionen Euro gedeckelt. Eine hohe Hürde, gesteht Volker Brüggenjürgen, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Flora Westfalica, die Bauherrin ist. Aber: "Es hat uns eher genützt als geschadet, das Beste aus diesem Budget herauszuholen." Das Ergebnis sei eine "selbstbewusste, elegante und dabei doch schlichte Halle, die sehr gut zu uns passt, die Rheda mit Wiedenbrück und den Park mit der Stadt verbindet." Besser sichtbar wird die Stadthalle mit einer Grundfläche von 2.330 Quadratmetern. Denn der Schallschutz, der in ersten Entwürfen direkt an der Hauptstraße platziert war, wird versetzt. Die gläserne Wand wird nun direkt da platziert, wo der Lärm entsteht: An dem Parkplatz, auf dem 171 Autos abgestellt werden können. "Durch diese effizientere Positionierung ist auch die anschließende Plaza besser zu gestalten", sagt Christine Zeller, Beigeordnete und Projektleiterin. Durch das Mehr an Offenheit sei die Idee besser umsetzbar, "den Park in die Stadt zu holen". Gestaltet wird die Plaza, über die der Radweg auf der alten Bahntrasse führt, auf dem 17.900 Quadratmeter großen Grundstück von einem Außenplaner aus Hamburg. Gepflastert wird sie mit Betonsteinen, die das Farbspiel der Fassade aufgreifen. Vorgesehen sind auch drei Betonsitzbereiche mit Holzintarsien unter Solitärbäumen. "Wir planen das, was wir benötigen." Die in ersten Entwürfen eher grünlich anmutende Fassade bekommt nun einen Champagnerton, "den ich für eine Stadthalle richtig toll finde", so Bürgermeister Theo Mettenborg. Verkleidet wird die Fassade mit geschlossenen und perforierten Metallpaneelen. "Sie ist kräftig und zurückhaltend", verspricht Wendt-Salmhofer ein Spiel der Farbnuancen, das sich mit Jahres- und Tageszeit verändert. "Das ist ein absolut bewährtes Material", so Georg Effertz, Vorsitzender des Bauausschusses. Die Architektin bestätigt, dass "bei allem Kostenbewusstsein sehr hochwertige Materialien" verbaut werden. Hinter der Fassade betreten die Besucher auf Hochkantlamelle aus Eiche einen Saal mit weißen Wänden, "der so flexibel wie möglich gestaltbar ist", informiert der Architekt Alexander Reßlhuber über eine große Bühne mit 24,4 mal 7 Metern, die mehr Platz bietet als die im Reethus, sowie über kleine Bühnen, die nach Bedarf platziert werden können. Ist der 887 Quadratmeter große Saal voll bestuhlt - mit aufsteigendem Gestühl ab der zwölften Reihe - bietet er Platz für 800 Zuschauer. Es gibt ein großes Foyer mit 354 Quadratmetern und ein kleines mit 135 Quadratmetern, die mobil abtrennbar und damit für jeden Anlass nutzbar sind. Unter dem Dach der Halle, die außen bis zu 11,50 Meter hoch ist, haben die Architekten eine so genannte Grid-Decke vorgesehen. Sie besteht aus begehbaren Gitterrosten. Durch deren Löcher können Lampen und Scheinwerfer in die Höhe gezogen werden und stehen nicht mitten im Saal herum. "Der wird damit frei bespielbar", so Reßlhuber. Er weist zudem auf den Regiegang, den Raum für das Catering und den Künstlerbereich in der oberen Etage der Stadthalle hin. Über die hätten Politiker und Fachplaner viel diskutiert, hätten um viele Dinge gerungen, "um das Bestmögliche herauszuarbeiten", so Brüggenjürgen. Zudem seien in das nun vorgestellte Ergebnis auch die 30 Jahre Erfahrung, die die Stadt mit dem Reethus gesammelt hat, eingeflossen. "Wir planen das, was wir benötigen." Realisiert werden soll diese Planung ab Sommer 2018. Im Juli soll es den ersten Spatenstich geben. "Dann sollen 80 Prozent der Gewerbe vergeben sein", sagt Zeller, dass die Ausschreibungen mit Jahresbeginn europaweit starten werden. An einen Generalunternehmer ist nicht gedacht, sondern an Einzelgewerke. "Das ist sinnvoll, da man immer mal wieder eingreifen kann", so die Architektin. Eröffnet werden soll die neue Stadthalle Ende 2019. Weil trotz aller Sparanstrengungen noch einige Wünsche offen sind - beispielsweise an die Medientechnik oder die Bestuhlung - will die Stadt um Spenden bitten. Jetzt, wo die Stadthalle Form annehme, "tragen wir das Projekt in die Stadt hinein und bitten um Unterstützung", so Mettenborg.

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