Während der Prügelei im Januar 2017 zückte der 22-jährige Mann aus Herzebrock-Clarholz ein Messer und verletzte zwei seiner Kontrahenten. Das hier gezeigte Messer ist nicht die Tatwaffe. - © Symbolfoto: picture-alliance
Während der Prügelei im Januar 2017 zückte der 22-jährige Mann aus Herzebrock-Clarholz ein Messer und verletzte zwei seiner Kontrahenten. Das hier gezeigte Messer ist nicht die Tatwaffe. | © Symbolfoto: picture-alliance

Bielefeld Prozessauftakt: Prügelei vorm Kinoabend endet mit Messerstecherei in der Innenstadt

Angeklagter verletzte zwei Männer an der Herforder Straße. Er will von mehreren Männern niedergeschlagen worden sein

Nils Middelhauve

Bielefeld/Herzebrock-Clarholz/Oelde. Geplant war ein Kinoabend. Für zwei Männer aus der achtköpfigen Gruppe aus Oelde (Kreis Warendorf), die eigens für eine Filmvorführung nach Bielefeld gereist war, endete der Tag jedoch im Krankenhaus. Ein 22-jähriger Mann aus Herzebrock-Clarholz (Kreis Gütersloh) soll diese am 27. Januar 2017 in der Innenstadt mit einem Messer schwer verletzt haben. Seit gestern müssen sich der Täter sowie sein damaliger Begleiter vor dem Schöffengericht verantworten. Wie so häufig in solchen Fällen gingen auch in dieser Verhandlung am Amtsgericht die Darstellungen der Beteiligten deutlich auseinander. Immerhin einig waren sich alle, dass der nun angeklagte Eason B. (22; Namen aller Betroffenen geändert) seit langer Zeit mit einem der Männer aus Oelde im Streit lag. Die Rivalen des Streits trafen zufällig in der Innenstadt aufeinander Als die achtköpfige Gruppe an jenem Abend gegen 19.40 Uhr die Herforder Straße entlang ging, fuhr – möglicherweise zufällig – Eason B. in seinem Auto an der Gruppe vorbei. Mit ihm im Auto saß der nun ebenfalls angeklagte Volkan G. (23). Als Orhan R., der mit B. schon so lange im Clinch lag, das Auto des Rivalen erblickte, rief er B. am Handy an und sagte, er möge sein Auto abstellen und sich zum Gespräch mit ihm treffen. Unstreitig ist auch, dass Eason B. sein Auto daraufhin am Rand der Herforder Straße Ecke Stresemannstraße abstellte. Von nun an gehen die geschilderten Versionen jedoch auseinander: Der angeklagte B. berichtet, Orhan R. habe die Beifahrertür aufgerissen und sei sofort auf Volkan G. losgegangen. Als er seinem Beifahrer habe helfen wollen, sei er von mehreren Männern zu Boden geschlagen worden, sagte B. aus. Der Täter will das Messer gezogen haben, als er am Boden lag Er habe deshalb ein Messer aus der Tasche gezogen und versucht, die Männer so auf Abstand zu halten. Dabei habe er wohl zwei Personen aus der Gruppe getroffen. „Ich wollte niemanden verletzen und hatte Todesangst", berichtete er vor Gericht. Getroffen hatte er zwei Männer, die mit dem eigentlichen Streit nichts zu tun hatten. Diese erklärten, B. habe unvermittelt ein Messer gezogen. „Ich habe mit dem Rücken zu ihm gestanden. Plötzlich spüre ich einen Schmerz in der Seite und sehe Blut", berichtete eins der Messer-Opfer, ein 25-jähriger Arbeiter aus Oelde. Einen 26-jährigen Begleiter habe B. mit dem Messer am Oberarm verletzt. Bei dem ursächlichen Streit habe es sich übrigens um eine Banalität gehandelt. Das jedenfalls erläuterte der Zeuge: „Ich habe einen Chatverlauf dazu gelesen und gedacht: Was für eine Kinderei." Im Gespräch mit dieser Zeitung berichtete der angeklagte irakische Kurde, dass es in dem Streit um Respekt, Ehre und Stolz gehe. Drei Körperverletzungen hatten für heftige politische Diskussionen gesorgt Die Messerattacke und zwei weitere Schlägereien am Jahnplatz an jenem Wochenende hatten damals eine große politische Debatte über öffentliche Sicherheit in der Bielefelder Innenstadt ausgelöst.

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