zum Dank für Ehrenamt: Gemeinsam zogen Anna Hirsch (Koordinatorin Flüchtlingsarbeit), Doris Weißer (AWO-Stabstelle Senioren- und Ehrenamtsarbeit), Jana Pikowski (Koordination Patenprojekt, stehend, v. l.) mit den Leihomas Sonja Bolte, Ilse Bakenhus und Rita Menke (sitzend, v. l.) eine Zwischenbilanz des AWO-Projektes. Es fehlt die Leihoma Ursula Heumer. - © Richard Zelenka
zum Dank für Ehrenamt: Gemeinsam zogen Anna Hirsch (Koordinatorin Flüchtlingsarbeit), Doris Weißer (AWO-Stabstelle Senioren- und Ehrenamtsarbeit), Jana Pikowski (Koordination Patenprojekt, stehend, v. l.) mit den Leihomas Sonja Bolte, Ilse Bakenhus und Rita Menke (sitzend, v. l.) eine Zwischenbilanz des AWO-Projektes. Es fehlt die Leihoma Ursula Heumer. | © Richard Zelenka

Harsewinkel Erfolgreiches Leihoma-Projekt

Kinder aus Flüchtlingsfamilien werden seit April von Ehrenamtlichen betreut. Eine Ausweitung des Angebotes auf andere Kommunen im Kreis Gütersloh ist geplant

Richard Zelenka

Harsewinkel. Als das Leihgroßeltern-Projekt im April dieses Jahres in Harsewinkel gestartet wurde, wusste noch niemand, wie das neue Angebot ankommen würde - es gab keine Erfahrungswerte, denn diese Art der Flüchtlingsarbeit war für den gesamten Kreis Gütersloh noch Neuland. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die vor Ort unter anderem für die Beratung und Betreuung von Geflüchteten zuständig ist, wagte es trotzdem. Und das Projekt entwickelte sich gut - so gut, dass nun an eine Ausweitung über die Grenzen Harsewinkels hinaus gedacht ist. "In mindestens zwei weiteren Kommunen des Kreises sollen ehrenamtliche Großeltern lebensnahe Beziehungsarbeit mit Flüchtlingskindern leisten", sagte am Montag Doris Weißer vom AWO-Kreisverband, die in der AG der Freien Wohlfahrtsverbände die Fachberatung für Senioren- und Ehrenamtsarbeit leitet. In kleiner Runde wurde im Gemeinschaftshaus inmitten der Hochhäuser von Dammanns Hof eine Zwischenbilanz des AWO-Projektes gezogen, das den offiziellen Namen "Leihgroßeltern - Herzliche Begegnung für Groß und Klein" trägt und aus dem Bundesprogramm "Menschen stärken Menschen" finanziell gefördert wird. Mit in der Runde saßen auch Anna Hirsch, die die Flüchtlingshilfe in Harsewinkel koordiniert, und die Sozialarbeiterin Jana Pikowski, bei der alle organisatorschen Fäden des Projektes zusammenlaufen. Insgesamt vier "Leihomas" stellen sich in ihrer Freizeit in den Dienst der guten Sache: Sonja Bolte, Ilse Bakenhus, Rita Menke und Ursula Heumer. Und sie haben ihr Engagement bis heute nicht bereut. "Die Kinder und ihre Eltern strahlen so viel Freude und Dankbarkeit aus", berichtete Sonja Bolte über ihre Erfahrungen bei den regelmäßigen Begegnungen mit den Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren. Dafür wurde im Übergangswohnheim am Prozessionsweg eigens ein kleiner Raum eingerichtet, in dem etwa sieben Personen Platz haben. Dort können Kinder und Leihomas einmal in der Woche für etwa eineinhalb Stunden gemeinsam spielen, basteln und lesen. Die Anfänge waren nicht immer ganz einfach. "Ich musste einmal sogar ein übermütiges Mädchen vor die Tür stellen - und hatte danach ein schlechtes Gewissen", erinnert sich Sonja Bolte. Mittlerweile hat sich alles bestens eingespielt. Man verständigt sich mit Händen und Füßen, versteht sich aber blendend. Die Kinder aus Syrien, Afghanistan, dem Iran, Aserbaidschan und anderen Krisenländern dieser Erde sind aufgeschlossen und lernen sehr schnell, freuen sich die Initiatoren und Helfer. Einen anderen Weg beschreitet Rita Menke. Die Greffenerin verbringt regelmäßig viele Stunden bei einer in Harsewinkel lebenden iranische Familie mit sechs Kindern. "Ich erfahre dabei eine große Wertschätzung. Die Familie ist sehr gastfreundlich, und die Kinder sind gut erzogen. Für sie bin ich schon fast so etwas wie eine richtige Oma", sagt Rita Menke. Und schließlich profitiere auch sie von den Begegnungen. "Man erweitert die eigenen Horizonte und lernt andere Kulturen kennen". Das Projekt soll weiter wachsen, dafür braucht die AWO aber neue Ehrenamtliche. "Auch Leihgroßväter sind bei uns willkommen", so Doris Weißer. "Die Paten müssen das Herz am rechten Fleck haben und für fremde Kulturen aufgeschlossen sein". Wünschenswert wäre es, die Begegnungen mehrmals in der Woche anzubieten und eventuell auch eine Art Kindertreff für ältere Schulkinder zu installieren.

realisiert durch evolver group