Virtuelle Welten: Mit Hilfe einer speziellen Brille können sich die Claas-Mitarbeiter im Detail zum Beispiel die Produktionsanlagen des Traktorenwerkes im französischen Le Mans ansehen. - © Richard Zelenka
Virtuelle Welten: Mit Hilfe einer speziellen Brille können sich die Claas-Mitarbeiter im Detail zum Beispiel die Produktionsanlagen des Traktorenwerkes im französischen Le Mans ansehen. | © Richard Zelenka

Harsewinkel Claas eröffnet "Green House" im ehemaligen Autohaus Bresser

Die Digitalisierung in der Landwirtschaft schreitet immer weiter voran

Richard Zelenka

Harsewinkel. Eine überdimensionale Glühbirne an der Wand der großen Theke, um die sich weitere Symbole für kreatives Arbeiten gruppieren, steht symbolisch für die Bedeutung des neuen Tagungs- und Forschungszentrums der Firma Claas. Im seit etwa fünf Jahren leer stehenden Gebäude des ehemaligen Autohauses Bresser hat der Harsewinkeler Agrarspezialist im Mühlenwinkel 3 in Sichtweite des Stammwerkes sein "Green House" angesiedelt. Es ist ein Begegnungs- und Forschungszentrum, das als Ideen- und Entwicklungsschmiede vor allem auf dem Gebiet der sich rasant entwickelnden Digitalisierung in der Landwirtschaft neue Akzente setzen soll. "Die digitale Entwicklung in der Landtechnik wird immer schneller und immer dynamischer. Dieser Tatsache wollen wir mit diesem Projekt Rechnung tragen", erklärte Claas-Technologiechef Thomas Böck gestern bei der inoffiziellen "Green House"-Eröffnung. Einen "niedrigen sechsstelligen Betrag" hat Claas in den Umbau des Zweckbaus mit großen Glasfronten investiert, wie es gestern bei einem Rundgang hieß. Auf etwa 850 Quadratmeter Fläche, davon 250 Quadratmeter Werkstattbereich für das praktische Arbeiten, wurde ein großzügig und mit flexiblem Mobiliar eingerichtetes Forum geschaffen, in dem alles unter dem Stichwort "Digitale Transformation" steht. Neue, kundenorientierte Konzepte können hier in kleinen Teams oder im Rahmen größerer Workshops interdisziplinär fern des üblichen Firmenalltags erdacht werden. "Green House", das natürlich komplett vernetzt mit dem Konzern ist, bietet Raum für kreatives Arbeiten, bei dem kluge Ideen, denkbare Prozesse und Pläne entwickelt werden können. Der Name "Green House", was so viel wie "Gewächshaus" heißt, wurde nicht zufällig ausgewählt, steht doch die Farbe Saatengrün seit mehr als 100 Jahren für Qualität und technischen Fortschritt der Landtechnik aus Harsewinkel. Mit einer Produktionsstraße, auf der mächtige Kolosse für den Acker gebaut werden, hat das neue Zentrum wenig gemeinsam. Ruhe und Nachdenklichkeit prägen die Atmosphäre. Auch die typischen Büroarbeitsplätze gibt es im "Green House" nicht. Das gesamte Haus ist offen und flexibel gestaltet. Alle Trennwände und Tische sind in Eigenregie auf Rollen montiert, so dass individuelle Projektflächen im Nu konzipiert werden können. In der Mitte sind zwei große Tische, die das sogenannte "Coworking" und den Teamgeist fördern sollen - gemeinsam können hier effektive und kreative Problemlösungen besprochen werden. Bis zu 150 Personen fasst das neue Zentrum, so Philip Vospeter, Leiter der digitalen Transformation im Hause Claas, der auch das Konzept für das "Green House" erstellte. "Visualisierung" und "Prototyping" sind zwei weitere Stichworte, die für das "Green House"-Credo stehen. Unter dem Motto "Lego Serious Play" können Ideen, Strategien und Prozesse spielerisch mit Legosteinen visualisiert werden. Verschiedene 3D-Drucker stehen ebenfalls im "Green House", die für den schnellen und kostengünstigen Prototypenbau genutzt werden. Ein wichtiger Baustein ist die "Virtual Reality". Claas adaptiert hier der Entwicklungen aus der Gaming-Industrie. Mit einer speziellen Brille können die Nutzer in eine virtuelle Welt eintauchen, die sich unter Umständen auch am anderen Ende der Welt befinden kann. Die Claas-Experten demonstrierten diese faszinierende Möglichkeit am Beispiel des Traktoren-Werkes im französischen Le Mans. Die dortigen Produktionsanlagen können in Sekundenschnelle im Detail begutachtet und notfalls gemeinsam von Kollegen hüben und drüben optimiert werden. Kai Wallasch, der bei Claas das Produktlebenszyklusmanagement (PLM) leitet, machte deutlich, welch ein rasante Entwicklung die Digitalisierung macht: Kostete vor wenigen Jahren eine "Virtual Reality"-Ausrüstung noch rund drei Millionen Euro, so müsse man heute dafür nur noch 3.000 bis 6.000 Euro ausgeben. "Und das Gerät passt in einen normalen Rucksack", so Wallasch.

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