Unfall in Marienfeld: Am 13. September begrub dieser Baum ein Auto unter sich. - © Andreas Eickhoff
Unfall in Marienfeld: Am 13. September begrub dieser Baum ein Auto unter sich. | © Andreas Eickhoff

Harsewinkel Stadt Harsewinkel muss sich auf mehr extreme Wettereignisse vorbereiten

Kommunen müssen sich auf schleichende Auswirkungen, aber auch auf Extremereignisse einstellen. Dazu reicht es nicht, wenn die Stadt Klimaschutzmaßnahmen ergreift

Stefan Boes

Harsewinkel. Erneut hat in dieser Woche ein Sturm schwere Schäden angerichtet, mindestens sieben Menschen starben deutschlandweit an den Auswirkungen des Sturmtiefs "Xavier". In Harsewinkel ist am Donnerstag ein Mann aus Schüttorf schwer verletzt worden, als Steine von einer umstürzenden Mauer den 39-Jährigen am Kopf trafen. Der Vorfall ereignete sich in der Mittagszeit am Erfurter Ring. Laut Polizei wurde der Mann in ein Krankenhaus gebracht. Schon am 12. September hatte ein starker Sturm zu einem schweren Unfall und vielen Feuerwehreinsätzen wegen umstürzender Bäume geführt. Ob diese sich scheinbar häufenden Ereignisse bereits Folgen des Klimawandels sind, ist schwierig zu beantworten. Klar ist aber: Städte müssen sich auf den Klimawandel einstellen - und damit auch auf eine Zunahme von extremen Wetterereignissen. Das behauptet jedenfalls der Experte der Energieagentur NRW, Tobias Kemper, in seinem Vortrag vor den Mitgliedern des Umweltausschusses, in dem "Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung in Harsewinkel" thematisiert wurden. "Es braucht eine Doppelstrategie", sagte Kemper. Ein Teil der Strategie sei wirksamer Klimaschutz, also Maßnahmen, die im Zuge der Energiewende ergriffen werden und den Anstieg der Treibhausgase begrenzen und so den weiteren Temperaturanstieg im Rahmen halten sollen. Was aber immer wichtiger werde, so Kemper, sei der zweite Teil der Strategie: die Anpassung an die Folgen des Klimawandels. "Klimawandel äußert sich regional", lautet die Aussage des Experten. Entsprechend müssten Vorsorgemaßnahmen auch kommunal ergriffen werden. Kemper ordnet Harsewinkel der Westfälischen Bucht zu. Für diese Landschaft sei seit 1981 eine Erhöhung der Jahresmitteltemperatur um 0,5 bis 0,8 Grad Celsius gemessen worden. Die Zunahme heißer Tage sei auf drei bis vier Tage zu beziffern, bei den Eistagen habe es eine Abnahme von zehn Tagen gegeben. Jahresniederschläge hätten um 50 bis 100 Millimeter zugenommen. Zu erwarten seien für die Region eine "weitere Zunahme der Temperatur und des Jahresniederschlags im Rahmen des Landesdurchschnitts" und längere Vegetationsperioden, die aber positiv für die Landwirtschaft seien. "Wir müssen uns an das künftige Klima und die damit verbundenen Folgen anpassen", lautet der Appell der Energieagentur NRW. Auf kommunaler Ebene sei das wichtig, um Schäden, die damit verbundenen Kosten und die Verwundbarkeit zu senken. Als notwendige Maßnahmen nennt Kemper: Anpassung der Stadtstruktur und der Freiflächen, Anpassung der Infrastruktur, Anpassung in privaten und öffentlichen Gebäuden, Verhaltensvorsorge und Warnmanagement. Auch die Sicherung der Energieversorgung sei wichtig. Kemper legte der Stadt eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit, zum Beispiel mit Versmold, Oelde und Rietberg, nahe und nannte konkrete Handlungsempfehlungen: die Analyse von Schadensereignissen und die Herausarbeitung neuralgischer Punkte, eine Abfluss- und Fließwegekarte, eine Stadtklimaanalyse, die Durchführung gemeinsamer Ortsbegehungen, Vorgaben für städtebauliche Wettbewerbe, Grüngestaltungsplanung, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Stadt wird nun Anpassungen an die Klimafolgen prüfen und konkrete Maßnahmen ergreifen müssen, nicht zuletzt, um die Sicherheit ihrer Bürger zu gewährleisten.

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