AWO-Team: Nasip Polat, Kai Treptow, Nesrin Günüz und Anna Hirsch (v. l.) berichteten in der Sitzung des Sozialausschusses über die Flüchtlingsarbeit, benannten Erfolge, Schwierigkeiten und die weiteren Ziele. - © Richard Zelenka
AWO-Team: Nasip Polat, Kai Treptow, Nesrin Günüz und Anna Hirsch (v. l.) berichteten in der Sitzung des Sozialausschusses über die Flüchtlingsarbeit, benannten Erfolge, Schwierigkeiten und die weiteren Ziele. | © Richard Zelenka

Harsewinkel Weniger Asylbewerber leben in Harsewinkel

AWO-Kreisverband bleibt so mehr Zeit für die Beratung der Hilfesuchenden

Richard Zelenka

Harsewinkel. Die Flüchtlingsberatung ist im Wandel. Die Zahl der Vertriebenen, die Harsewinkel zugewiesen werden, hat sich seit Monaten drastisch verringert. "Damit ist es uns möglich, eine höhere Qualität der Beratung anzubieten", fasste Kai Treptow, Leiter der AWO-Abteilung Jugend und Bildung, vor dem Sozialausschuss die aktuelle Situation zusammen. Er machte diese Aussage an einem Beispiel deutlich: Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise habe das AWO-Team mit einer relativ dünnen Personaldecke jährlich mehr als 1.700 Beratungsgespräche führen müssen, im vergangenen Jahr seien es nur noch knapp 1.200 Kontakte gewesen. Gemeinsam mit der Diplom-Pädagogin Nasip Polat und der Sozialarbeiterin Nesrin Gündüz (Flüchtlingsberatung) sowie der Sozialpädagogin Anna Hirsch (Koordinierungsstelle der Flüchtlingsarbeit) legte Treptow der Politikerrunde den jährlichen Jahresbericht des AWO-Kreisverbandes vor, der im Rahmen der Gemeinwesenarbeit (GWA) als Träger der Flüchtlingsarbeit in Harsewinkel tätig ist. Für den Ausschuss hatte Treptow eine gute Nachricht: Aus einem Bundesprogramm würden 0,25 Prozent einer der drei AWO-Stellen (jeweils 19,5 Wochenstunden) ab sofort refinanziert. »Im Vergleich zu anderen Kommunen ist Harsewinkel von Anfang an sehr gut aufgestellt« Der Kreisjugendpfleger lobte die Qualität der Flüchtlingsarbeit vor Ort. "Im Vergleich zu anderen Kommunen ist Harsewinkel von Anfang an sehr gut aufgestellt". Die personelle Ausstattung bezeichnete er angesichts der aktuellen Entspannung als "ausreichend". Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass die Flüchtlingsarbeit eine "Mammutaufgabe" sei, so Treptow. "Es ist ein langwieriger Prozess, schwieriger, als wir uns das vorgestellt haben." Mangelnde Sprachkenntnisse erweisen sich immer wieder als ein großes Hemmnis - vor allem bei der beruflichen Integration. Es sei ein Teufelskreis: Weil die Geflüchteten oftmals die geforderten sprachlichen Prüfungen nicht schafften, würden sie auch keine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle finden. Dabei sei manchmal kaum zu erkennen, ob der Lernwille nicht da sei, oder ob Überforderung vorliege. "Viele von ihnen müssen erst alphabetisiert werden", schilderte Nasip Polat die alltäglichen Probleme der Flüchtlingsarbeit. »Einige fahren bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad nach Gütersloh, um Deutsch zu lernen« Und: "Im Einzelfall müssen wir dann gucken, wo die Gründe liegen." Die Problematik sei aber vielschichtig, denn schließlich müssten sich diese Menschen fern der Heimat in einem ganz neuen Lebensumfeld zurechtfinden. Nasip Polat berichtete, dass es unter den Geflüchteten auch solche gebe, die sich mit aller Kraft um eine Integration bemühten. "Einige fahren bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad nach Gütersloh, um Deutsch zu lernen. Diese Eindrücke bestätigte auch Regina Meißner-Schlömer (SPD). Als eine der vielen Paten für die Flüchtlinge, die im Deutschen Haus untergebracht waren, habe sie sich oft darüber geärgert, dass alles so lange dauere. Sie plädierte dafür, eine Initiative zu starten mit dem Ziel, die Geflüchteten möglichst früh in den Arbeitsprozess einzugliedern. "Dort kann man sich nicht verstecken." Die Motivation und das Talent, die deutsche Sprache zu erlernen sei von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. "Es gibt auch solche, mit denen man sich schon nach ein paar Monaten flüssig unterhalten kann", sagte sie. Arbeit als Schlüssel zur Integration Ähnlich die Einschätzung von Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide: "Nicht die Sprache alleine, sondern auch die Arbeit ist der Schlüssel zur Integration", lautete ihre These. Das zeigten die Erfahrungen aus den 60er und 70er Jahren, als Tausende von Gastarbeitern aus Italien, Spanien und anderen Ländern in der Regel ohne Sprachkenntnisse in den Arbeitsalltag heimischer Betriebe eingegliedert worden seien. Viele dieser Menschen beherrschten selbst nach Jahrzehnten die deutsche Sprache nur unzureichend. Trotzdem seien sie hier gut integriert. Amsbeck-Dopheide: "Nicht jeder muss auf Hochschulniveau Deutsch sprechen. Manchmal ist eine Geste wichtiger als tausend Worte." Auf die gegenwärtige Situation übertragen bedeutet dies, dass die Flüchtlinge so schnell wie nur möglich in den Arbeitsprozess integriert werden müssten.

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