Im Beet und Gras erwarten den Besucher selten Hühner, aber derzeit Kriebelmücken und Grasmilben. - © dpa
Im Beet und Gras erwarten den Besucher selten Hühner, aber derzeit Kriebelmücken und Grasmilben. | © dpa

Harsewinkel Kriebelmücken und Grasmilben lauern im Beet

Nicole Hille-Priebe

Harsewinkel. Wer schon mal von einer gebissen wurde, der weiß, wie unangenehm die Begegnung mit einer Kriebelmücke ist - und wohl auch, dass diese besonders fiese Mücke ihr Opfer streng genommen nicht wirklich beißt, sondern eher kratzt. Wer noch nichts mit ihr zu tun hatte, fragt eher: "Kriebelmücke? Was ist das denn?" Bis vor einigen Jahren waren die winzigen Plagegeister den wenigsten Menschen außerhalb Skandinaviens ein Begriff. Mittlerweile fühlen sie sich in Deutschland aber so wohl, dass sie heimisch geworden sind - auch in Harsewinkel. "Mit den sommerlichen Temperaturen geht es so langsam wieder los", bestätigt der Harsewinkeler Allgemeinmediziner Martin Hartmann, der es in seiner Praxis immer wieder mit Patienten zu tun hat, die unter Quaddeln, starken Schwellungen und extremen Juckreiz leiden, nachdem sie gestochen oder gebissen wurden. "Im vergangenen Jahr waren es auffällig viele Fälle", sagt Hartmann. "Man kann zwar nicht von einer Explosion sprechen, aber ich habe das Gefühl, dass es deutlich mehr geworden ist - und die Tiere sind aggressiver geworden." Im Gegensatz zur gewöhnlichen Stechmücke, die mit ihrem Rüssel in die Haut sticht, verfügt die Kriebelmücke über ein säbelzahnartiges Mundwerkzeug, mit dem sie die Haut öffnet, bis ein kleiner Pool aus Lymphflüssigkeit entsteht. Den saugt sie auf und injiziert dabei einige Substanzen, damit die Blutgerinnung nicht greift. Die Bisse sind sehr schmerzhaft und langwierig, der Juckreiz kann wochenlang andauern. Besonders häufig sind die höchstens sechs Millimeter langen Kriebelmücken im Hausgarten anzutreffen, wo sie auf den ersten Blick wie harmlose Fliegen aussehen, während sie sich dem Menschen geräuschlos nähern, unbemerkt unter seine Kleidung kriechen und große, stark juckende Wunden hinterlassen, die schlecht heilen. Mückenexperten wie die Biologin Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung in Brandenburg rechnet mit einer guten Saison für die Mücken - und einer entsprechend schlechten für die Menschen. "Stimmen die Bedingungen, bleibt das Jahr also so sonnig und warm mit genügend Niederschlägen, wird es spannend. Dann könnte es 2017 viele Generationen von Mücken geben - zum Leidwesen der Menschen", sagt sie. Der zweite auf der Liste von Verursachern heftiger Reaktionen ist die Grasmilbe, deren winzige Larven die eigentlichen Übeltäter sind. Meist liegen sie an der Spitze eines Grashalms auf der Lauer, um dann beim Opfer an eine Stelle zu kriechen, wo die Haut dünn und weich ist, etwa an Knöcheln oder Kniekehlen. Ähnlich wie die Kriebelmücke hinterlassen die kleinen Parasiten mit ihren Mundwerkzeugen Speichel in der Wunde. Fies: Quaddeln und Juckreiz stellen sich zwar meist erst nach einem Tag ein - können dafür aber ebenfalls bis zu zwei Wochen anhalten.

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