Streitpunkt:  Das Kernkraftwerk Grohnde im Landkreis Hameln-Pyrmont soll sofort geschlossen werden. Das fordern die Harsewinkeler Kommunalpolitiker in einer Resolution, die an die niedersächsische Landesregierung geht. - © Patrick Menzel
Streitpunkt:  Das Kernkraftwerk Grohnde im Landkreis Hameln-Pyrmont soll sofort geschlossen werden. Das fordern die Harsewinkeler Kommunalpolitiker in einer Resolution, die an die niedersächsische Landesregierung geht. | © Patrick Menzel

Harsewinkel/Grohnde Harsewinkler Politiker fordern Abschaltung des Atomkraftwerks Grohnde

Dennis Bleck

Harsewinkel/Grohnde. Das Kommunalparlament von Harsewinkel fordert die niedersächsische Landesregierung auf, das Atomkraftwerk Grohnde im Kreis Hameln-Pyrmont sofort vom Netz zu nehmen. Damit kommt der Rat einem Antrag der Grünen-Fraktion nach, den die Parteien in der Ratsitzung diskutierten und anschließend einstimmig beschlossen. BEDENKLICHE DEFEKTE Mit aktuell über 250 meldepflichtigen Ereignissen seit Betriebsbeginn 1984 sei das Atomkraftwerk in Grohnde eines der störanfälligsten in Deutschland, schreiben die Grünen in ihrem Antrag. Insbesondere in den vergangenen zwei Jahren habe es besorgniserregend viele und große Defekte gegeben, heißt es weiter. Ein ausgefallener Generator, undichte Rohrverbindungen, eine beschädigte Nachkühlpumpe und Fremdkörper im Primärkreislauf hätten das Risiko einer Atomkatastrophe unkalkulierbaren Ausmaßes deutlich erhöht, stellt die Fraktion heraus. Hinzu käme, dass die Anlage allein im Jahr 2016 zweieinhalb Monate wegen Wartungs- und Reparaturarbeiten still stand. "Es ist daher davon auszugehen, dass massive Alterungsprobleme vorliegen, da das AKW seit fast 33 Jahren überwiegend im Volllastbetrieb arbeitet", begründet die Partei ihre Bedenken. GEFAHR FÜR HARSEWINKEL Das Atomkraftwerk liegt etwa 85 Kilometer Luftlinie von Harsewinkel entfernt. In Folge eines schweren Kernschmelzunfalls könnten bis zu 50 Prozent des gesamten nuklearen Inventars innerhalb von zwei bis drei Stunden freigesetzt werden, schreiben die Grünen. Eine komplette Evakuierung der Mittelzone, die sich in einem Radius von 20 Kilometern um die Anlage erstreckt, wäre dann kaum möglich. Und auch in viel größerer Entfernung - etwa in Harsewinkel - könne die zu erwartende Strahlenbelastung ein rechtzeitiges Verlassen des betroffenen Gebietes unmöglich machen. DAS SAGT NIEDERSACHSEN Das niedersächsische Umweltministerium äußerte sich auf Nachfrage der Neuen Westfälischen wie folgt: "Die Atomaufsicht des Landes Niedersachsen prüft, auch mit Hilfe von Gutachtern, alle möglichen Schwachstellen und berichtet regelmäßig öffentlich hierüber." Pressesprecher Rudi Zimmeck versichert zudem: "Hinweisen aus der Bevölkerung und Beschlüssen von Räten und Kreistagen wird ebenfalls nachgegangen. Die Argumente werden sorgfältig geprüft." WEITERE STÄDTE DABEI Neben Harsewinkel, Vorreiter im Kreis Gütersloh, haben fünf weitere Kommunen in Ostwestfalen die Resolution mehrheitlich verabschiedet. Unter ihnen Detmold, Vlotho und Barntrup. Der Rat in Gütersloh stimmt in einer der kommenden Sitzung darüber ab. Die schwarz-gelbe Kommunalregierung in Paderborn hat sich dagegen entschieden. Die Betriebsgenehmigung des von E.ON betriebenen AKWs erlischt laut Atomgesetz Ende 2021. Bis spätestens 2022 müssen alle AKWs vom Netz sein.

realisiert durch evolver group